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Altes Handwerk : Ein neuer Lehmbackofen nach altem Vorbild

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Eine Projektgruppe errichtete nach traditionellen Vorbild einen Lehmbackofen in Gnevsdorf.

svz.de von
erstellt am 08.Sep.2014 | 11:55 Uhr

Zum Anziehungsort des gesamten Dorfs soll er werden, der neue Backofen auf dem Gelände des Gnevsdorfer Lehmmuseums. Jeder soll kommen dürfen mit dem, was er zu backen hat „und von der Strahlungswärme des Ofens profitieren“, wünscht sich Projektleiter Piet Karlstedt.

Unter seiner Anleitung haben mehr als zehn Menschen unterschiedlichster Herkunft über die Konstruktion des Ofens nachgedacht, Baumaterialien gesammelt und tatkräftig an ihm gemauert. „Wir haben wie unsere Vorfahren überwiegend das verwendet, was unsere Region hergibt – zum Beispiel Feldsteine.“ Daraus wurde hauptsächlich der Unterbau errichtet, in dessen Gewölbe Backwerkzeuge und das Brennholz trocken lagern können.

Aus Schamottsteinen wurde darauf der Brennraum des eigentlichen Backofens geformt, mit einer Unterlage aus Sand, um dem Rundbogen ersten Halt zu verleihen. Dann folgte das Mauerwerk der Wärmespeicherung. Hierbei wurden sogar leere Glasflaschen verbaut. Dann das Abluftsystem, raffiniert geführt, damit möglichst wenig Wärme verloren geht. Bei den Maurerarbeiten kam kein einziges Gramm Mörtel zum Einsatz, sondern einzig Lehm.

Eigentliche Idee des Projekts war, einen historischen Backofen auszugraben, seine Bauweise zu dokumentieren und ihn dann mit den Original-Materialien wieder aufzubauen. Unter Anleitung der Archäologin Elisa Hoppe hatten nämlich fünf junge Studentinnen auf dem Gelände des Lehmbaumuseums die Überreste eines Ofens gefunden und mühselig freigelegt. Von seinem Wiederaufbau musste jedoch Abstand genommen werden, weil der Zustand der alten Ziegel für das Backgewölbe zu schlecht war. Deshalb wurde beschlossen, nach historischem Vorbild einen neuen Backofen zu errichten und sich dabei am Ergebnis der Grabung zu orientieren. Zusätzlich wurden Fachbücher studiert. „Der Ofen stellt eine Symbiose aus archäologisch dokumentierten Grabungsergebnissen und überlieferter Fachliteratur dar“, freute sich Projektleiter Karlstedt. Der neue Ofen hat einen derart großen Backraum, dass darin sogar Spanferkel zubereitet werden  können. Was noch fehlt, ist eine Überdachung. Planen sollen dabei helfen, den Lehmbachofen über den Winter zu bringen.

Auch in Gnevsdorf wird am kommenden Sonntag, 14. September der „Tag des offenen Denkmals“ begangen. Der erste Bauabschnitt bei der Sanierung der Dorfkirche wurde von der Stiftung Denkmalschutz finanziert. Die Kirchengemeinde organisiert deshalb ab 10 Uhr in  der Dorfkirche ein Programm mit Ausstellungen, Führungen und Konzerten. Das Lehmmuseum bietet jeweils um 10.30, 13.30 und 15 Uhr Führungen zu ermäßigten Eintrittspreisen an und freut sich auf das Interesse an dem neuen Backofen. Der Tag soll die Öffentlichkeit für die Bedeutung kulturellen Erbes interessieren.

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