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Was Verwöhnung anrichten kann : Ein Lehrstück im Märchengewand

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Das Lehrerkollegium der Förderschule am Neuen Teich spielte „Tischlein Deck dich“.

Sie ziehen weiter durchs Märchenland. Bis auf den letzten Platz ist die Aula der Lübzer „Schule mit Förderschwerpunkt Lernen“ am Neuen Teich besetzt, als die Lehrer und Lehrerinnen des Kollegiums sich erneut in die Welt der deutschen Volksmärchen und auf die Bühne begeben. Das regelmäßig kurz vor Weihnachten aufgeführte Stück ist ein Geschenk der Lehrer für ihre Schüler. Auf dem Gabentisch in diesem Jahr: „Tischlein deck dich“.

Wieder wurde ein Märchen gewählt, das viele Rollen bereit hält, so dass das Lehrerteam in möglichst breiter Aufstellung agieren konnte. Und wieder ist wenigstens eine wichtige Tierrolle dabei, im vergangenen Jahr, als die „Bremer Stadtmusikanten“ aufgeführt wurden, waren es sogar vier. Mit Tier, Mensch und Zauberwesen ergibt sich auch in diesem Jahr wieder eine besonders bunt gemischte Figurenschar, von einem geheimnisvollen Meister, der im Wald haust, - wo sonst im Märchen? - bis hin zu einer verlogenen Ziege, die partout nicht zugeben kann, wie viel Gutes ihr zuteil wird: „Wovon soll ich satt sein? Ich sprang nur über Gräbelein und fand kein einzig Blättelein.“ Lehrerin Kerstin Springer, die im vergangenen Jahr mit Flügelschlag und markerschütterndem Kikeriki den Hahn darstellte, ergötzte das Publikum in diesem Jahr im Ziegenkostüm und mit tierisch viel Gemecker - und das im zweifachen Sinne.

Was passieren kann, wenn auf chronische Unzufriedenheit nur mit weiterer Verwöhnung reagiert wird, könnte die psychologische oder auch pädagogische Botschaft dieser Aufführung des Grimm’schen Märchens „Tischlein deck dich“ sein. Der Schneider und Ziegenhalter, vernarrt in das Tier, glaubt ihm, dass die Söhne es vernachlässigt hätten und verstößt sie. Den Vater spielte Schulleiter Steffen Petzak zum Vergnügen der Zuschauer satt übertreibend. Der tierische Liebling wird mit Kosenamen bedacht und darf sogar in einem weichen Bett schlafen. Die verjagten Söhne streifen indessen durch den Wald, im Märchen Gegenpol zum Elternhaus und ein Ort des Lernens und der Reifung. Hier treffen Hans (Andrea Mogalle), Michel (Elke Jost) und Klaus (Claudia Schilke) auf einen hilfreichen Geist, den „Meister“ (Marina Buuck), der ihnen jeweils ein Handwerk beibringt. Am Ende werden sie für Handwerksfleiß belohnt mit dem berühmten „Tischlein deck dich“, dem „Goldesel“ und dem „Knüppel aus dem Sack“. Doch der Wald lässt sie noch nicht fort. Erst, so will es die Geschichte, müssen sie noch auf die diebischen Wirtsleute einer Waldschänke hereinfallen, um zu lernen, weniger vertrauensselig zu sein. Klaus, der jüngste der Söhne, kann die gestohlenen Geschenke des Waldgeistes dank seines „Knüppels aus dem Sack“ schließlich aber zurückerobern.

Wieder hat man der Lehrercrew den Spaß an flottem, einfallsreichen Theaterspiel deutlich angemerkt. Und irgendwie haben sie auch schon eine gewisse Weihnachtsspiel-Routine. Teile der Kulisse vom letzten Jahr wurden von Hausmeister Frank Wahls auf das neue Stück hin abgewandelt. Das Haus der bösen Wirtsleute (Dirk Gill und Kerstin Springer), die Hans und Michel um die Geschenke des Meisters betrügen, sieht dem Räuberhaus vom letzten Jahr ziemlich ähnlich. „Ja, natürlich benutzen wir Bühnenbild und Requisiten so oft wie möglich“, sagt Lehrerin Sylvia Homuth. Das sei kosten- und zeitsparend. Auf jeden Fall aber wurde auch in diesem Jahr die Bühne wieder so liebevoll detailreich ausgestattet, dass - auch im Zusammenspiel mit den Kostümen - eine zauberhafte Märchenwelt entstand. Auch die Darsteller haben sich wohl längst ein Repertoire an Gesten und der Dialogführung erarbeitet, auf das sie zurückgreifen können. Das trifft vor allem auf die Gestaltung der „Helden“ zu, die sich immer frisch und keck den Gefahren entgegenstellen, so wie es im Märchen sein soll. Wie nicht anders zu erwarten, gab es regelmäßig Szenenapplaus, einen speziellen Beifall für den Klappmechanismus des „Tischlein deck dich“ und für die Erzählerin (und Regisseurin) Britta Haberecht.

Weitere Aufführungen waren geplant, für die eigenen Schüler natürlich, aber auch für ehemalige Kollegen und für die Grundschulen Lübz und Passow.








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