Gesundheit : Ein Leben mit der Insulinspritze

Ben Wiegand und Anja Bauer  teilen das selbe Schicksal: Diabetes Typ 1
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Ben Wiegand und Anja Bauer teilen das selbe Schicksal: Diabetes Typ 1

Aufklärung, Austausch und Spaß erleben die Teilnehmer beim 2. MediClin-Diabetes-Camp in Plau am See

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16. Juli 2014, 22:00 Uhr

Mit routinierten Handgriffen kontrolliert Anja Bauer ihren Blutzuckerwert. „4,8, das ist ein wenig unterzuckert“, stellt die 15-jährige mit Blick auf ihr Messgerät fest. „Da muss ich noch schnell einen Hanuta essen.“ Anja Bauer hat Diabetes Typ 1. Seit 10 Jahren leidet die junge Neustrelitzerin bereits an dieser Stoffwechselerkrankung, die schon etliche Probleme mit sich brachte. „Ich wurde die ersten sechs Jahre in der Schule nur gemobbt“, erinnert sich das blonde Mädchen. Und das nur, weil sie sich spritzen musste. „Man macht sich vor allem selbst fertig und sucht bei sich die Fehler“, so die 15-Jährige. Zehn Jahre später tritt Anja Bauer selbstbewusster auf, lässt vieles nicht mehr an sich heran. „Jetzt auf dem Gymnasium sind die Mitschüler eher interessiert an meiner Krankheit“, berichtet Anja Bauer. „Man gewöhnt sich an Diabetes. Und doch muss ich immer noch lernen, dass ich mich regelmäßig messen muss und ich mich nicht verstecken brauche.“

Anja Bauer ist mit diesen Problemen nicht allein. Diabetes Typ 1 ist die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Deutschlandweit sind davon rund 25 000 Kinder unter 20 Jahren betroffen. Die Akzeptanz der Krankheit und das Diabetesmanagement ist nicht immer leicht. „Genau das sollen die Kinder bei uns im Diabetes-Camp lernen“ erzählt Chefärztin Dr. med. Kathrin Menzel. Fünf Tage lang findet das Schulungscamp für Kinder und Jugendliche in Plau am See statt. Es ist die zweite Auflage, organisiert vom MediClin Müritz-Klinikum. „In diesem Jahr nehmen schon 43 Kinder teil, vergangenes waren es noch 20“, so die Ärztin. Die Kinder und Jugendlichen im Alter von vier bis 18 Jahren kommen aus Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Berlin und sogar aus Bayern. „Wir wollen erreichen, dass sich die Kinder normal und selbstbewusst entwickeln und, dass sie einen routinierten Umgang mit ihrer Stoffwechselerkrankung erlernen.“ Die Woche über wurden zahlreiche Aktivitäten, Ausflüge und Schulungen für die Kinder und Jugendlichen zusammengestellt. Beim Besuch im Kletterwald in Plau am See müssen sie sich beispielsweise damit auseinandersetzen, wie sich Sport auf ihre Gesundheit auswirkt. „Wichtig dabei ist, dass sie in bestimmten Situationen merken, wie ihr Blutzucker reagiert“, erklärt die Ärztin. Und das sie ihn ständig im Blick behalten.

Die körperliche Anstrengung durch den Parcour machte sich bei dem 14-jährigen Ben Wiegand sofort bemerkbar. „Ich habe einen Blutzuckerwert von 14,7“, erzählt der Neubrandenburger. Ein Wert zwischen sechs und acht liegt im Normalbereich. „Es war wohl zu viel Aufregung dort oben in den Seilen.“ Der Schüler nimmt bereits zum zweiten Mal am Diabetes-Camp teil. Seit einem halben Jahr injiziert er das Insulinpräparat mit einer Pumpe und nicht mehr mit dem Pen oder der Spritze. „Ich komme ganz gut zurecht“, erzählt der 14-Jährige. Die Insulinpumpe wird dauerhaft am Körper getragen. Sie ist so programmiert, dass das Insulin über einen Katheter in den Körper geleitet wird. „Stimmt der Wert aber nicht, müssen wir selbst korrigieren.“

Beide Therapien (Spritzentherapie und Insulinpumpentherapie) lernen die Kinder und Jugendlichen zu beherrschen. Zudem hat jeder Teilnehmer eine Gürteltasche mit einem Notfallpacket. „Dies alles ist nur durch die zahlreichen Sponsoren möglich“, so die Ärztin. Das Camp wurde durch Spendengelder finanziert – die Kost, Logis, die Schulungen und die Materialien. „Es gibt viele Menschen, die sich damit identifizieren und gespendet haben. Denen möchte ich allen Danken“, fügt Dr. Menzel hinzu. Nur so konnte es ermöglicht werden, die Teilnahme am Diabetes-Camp auf einen Eigenanteil von 50 Euro zu beschränken.

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