20 Fragen zum wochenende : Ein Jazzmusiker jenseits der Stille

So einiges hat Warnfried Altmann uns verraten.
So einiges hat Warnfried Altmann uns verraten.

Warnfried Altmann hat sich Zeit genommen – zwischen all seinen musikalischen Verpflichtungen – für das Kreuzverhör am Wochenende

svz.de von
18. Juni 2016, 12:00 Uhr

Seit 2010 ist er eine der menschlichen „Säulen“ des FAL e.V., der Jazzmusiker und Saxophonist Warnfried Altmann. Alles begann, als Klaus Hirrich den Musiker 2006 einlud, auf dem Dorfplatz in Retzow Solosaxophon zu spielen. „Danach“, erinnert sich Altmann, „saßen wir noch zusammen und plötzlich sagte jemand: So ein Musiker wie du fehlt uns in Wangelin noch.“ Ein Initialfunke. Nach und nach reifte in Altmann dann der Entschluss, den Lebensmittelpunkt tatsächlich nach Wangelin zu verlegen. Heute gehört der 58-Jährige dem Vereinsvorstand des FAL an und ist – neben etlichen anderen musikalischen Aktivitäten außerhalb Wangelins – für die beliebte musikalische Reihe „Jenseits der Stille“ im Lehmhaus verantwortlich.

Jetzt beantwortete er unserer Mitarbeiterin Monika Maria Degner die 20 SVZ-Fragen zum Wochenende.

Herr Altmann, wo ist Ihr Lieblingsplatz in der Region?
Warnfried Altmann: Es ist der Dorfplatz in Retzow. Da sind die alten Eichen, denen die Bildhauerin Claudia Amman jeweils einen Granitblock zugeordnet hat. Ein für sie typisches Kunstprojekt. Sie arbeitet im Einklang mit der Natur. Ich fühle mich sehr wohl auf diesem Platz.
Wären sie Bürgermeister, was würden Sie sofort ändern?
Ich würde einen größeren Teil der Geldmittel für Kunst und Kultur reservieren. Kunst und Kultur sind der Nährboden der Gesellschaft.
Was wollten Sie als Kind mal werden?
Ich wollte als Kind eine Zeit lang Pfarrer werden. Ich komme aus einem streng religiösen Elternhaus. Meine Eltern waren katholische Flüchtlinge aus dem Sudetenland. Übrigens waren wir sechs Kinder. Mir gefiel in DDR-Zeiten das Religiöse, es hat meinen Horizont enorm erweitert. Im Nachhinein betrachtet: Es hat mich stark gemacht.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Als Schüler habe ich Hilfsarbeiten in einer Autowerkstatt verrichtet. Ich habe mich für Autos interessiert, aber ich war ein Hänfling von vierzehn Jahren und habe ziemlich schuften müssen. Abends war ich todmüde. Ich musste sogar Asbest schleifen, damals wusste man natürlich noch nicht, wie gefährlich das ist.

Und wofür haben Sie das Geld ausgegeben?
Ich habe mir ein Kofferradio gekauft. Es lief mit Batterie und hatte Kurz- und Mittelwelle. Das habe ich dann in den Arm genommen und bin damit rumspaziert. In der Clique saßen wir oft auf den Lehnen der Spielplatzbänke und hörten gemeinsam Musik. Mit dem Radio war ich der King.
Was würden Sie gerne können?
Fliegen.
Was stört Sie an anderen?
Dummes Nachplappern. Nicht selbst nachdenken.
Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?
Da muss ich lange nachdenken, denn ich lache eigentlich sehr viel. – Also über einen süßen, kleinen Kinderwitz, den mir mein weit entfernt wohnendes Enkelkind – ich habe insgesamt fünf Enkel – geschrieben und gemalt hat. Den Brief hole ich öfters vor. Der Witz ist nichts Besonderes, eben kindlich: Klein Erna fragt den Lehrer, was der Wind sei. Der Lehrer: Luft, die es eilig hat.
Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?
Ich kann diese Frage nicht beantworten. Wenn ich etwas tue, das mir guttut, kann es nicht unvernünftig sein.

Wer ist Ihr persönlicher Held?
Jesus.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Ich lese gerade eine Biografie über Janosch. Ein großartiger Mensch, der nicht nur Kinderbücher, sondern auch tolle Romane geschrieben hat, was nicht jeder weiß. Janosch ist sehr medienscheu. In den Romanen bringt er den Lesern das Leben der einfachen Leute mit großer Liebe und Verständnis zu Herzen. Ähnlich wie Strittmatter oder Hans Fallada hat er eine eher einfache, aber auch wieder sehr eigene Sprache.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Ich habe keinen Fernseher, weil ich das Gefühl habe, er stiehlt mir meine sehr wertvolle Zeit. Radio höre ich, vor allem wenn ich unterwegs bin. Zum Beispiel Deutschlandfunk oder Deutschland Radio Kultur. Wenn ich durch Sachsen fahre, schalte ich den Sender Figaro ein. Einmal täglich höre ich natürlich Nachrichten.
Wo trifft man Sie eher: Auf dem Fußballplatz oder bei einer Sportübertragung vor dem Fernseher?
Bei Veranstaltungen wie den Europameisterschaften jetzt mag ich gemeinschaftliches Fernsehen. Als ich noch klein war, hat man mich ins Tor gestellt. Aber wenn der Ball geflogen kam, hatte ich immer Angst, mir einen Finger zu verletzen, da ich mit sieben Jahren begonnen hatte, Violine zu spielen.
Wen würden Sie gerne mal treffen?
John Coltraine, den Saxophonisten. Mit ihm hätte ich gerne einmal gespielt. Seine spirituelle Spielweise hat mich stark angesprochen.
Wenn Sie nicht selbst kochen: Was kommt bei Ihnen auf den Tisch?
Wenn ich zu Hause bin, koche ich oft und gerne, improvisiere. Ich gucke in den Kühlschrank und entscheide, was weg muss.
Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
Mit „When a man loves a woman“ zum Schmusetanz.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?
Vor vielen Jahren haben meine Kinder mir ein indisches Kochbuch geschenkt. Fast alle Rezepte daraus habe ich schon nachgekocht.
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Meine Träume sind erfüllt. Ich bin ein glücklicher Mensch!
Was werden Sie als Rentner machen?
Ich werde weiter Musik machen - bis ich tot umfalle.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?
Eventuell unserer Gartenleiterin Beate Neumerkel.

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