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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

22. November 2017 | 02:47 Uhr

Augzin : Ein Haus voller Leben und Trubel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

In Augzin leben 15 Erwachsene und 14 Kinder unter einem Dach: Aurea Arcadia, ein Heil- und Gesundheitszentrum, ist ihr Zuhause

von
erstellt am 02.Sep.2017 | 12:00 Uhr

Hühner flitzen einem vor den Füßen herum, ein Sandpfad schlängelt sich den Weg entlang, die Tür steht offen. Aus der Küche sind Geräusche zu hören. „Einfach durchgehen“, sagt ein junger Mann und lächelt. Es ist Christophe Starnick, einer von insgesamt 15 Erwachsenen des Heil- und Gemeinschaftszentrum Aurea Arcadia in Augzin. Die Frauen des Hauses bereiten gerade das Mittagessen vor – Nudelauflauf mit frischem Gemüse aus dem eigenen Garten. Die Kinder – 14  an der Zahl – schlafen noch. Seit vier Jahren gibt es Aurea Arcadia mittlerweile in Augzin, der Verein Ichtys e.V. existiert schon länger. Gegründet in Berlin von Rebekka Ullmann und Eva-Maria Hövener. „Wir sind keine Kommune“, sagt Eva-Maria Hövener ganz bewusst. Beide Frauen haben ihre Wurzeln in der Heilarbeit, arbeiten mit Menschen, helfen ihnen. Auch in Augzin bleibt dieses Standbein.

Mit 15 Erwachsenen und ebenso vielen Kindern unter einem Dach zu leben, ist mitunter nicht immer einfach. „Es muss auch mal krachen“, gesteht Rebekka Ullmann.  Doch genau darum geht es eben auch. „Wer bei uns lebt, muss Selbstbewusstsein haben“, erklärt Rebekka Ullmann. Sie beschäftigt sich neben ihrer Heilarbeit auch mit Ätherischen Ölen. Jeder bei Aurea Arcadia hat seine Aufgabe  – die Kinder werden gemeinsam erzogen. „Wir haben schon unsere Regeln, an die sich unsere Kinder halten müssen. Diskutiert wird nicht“, sagt Miriam König. Die Mutter von fünf Kindern kümmert sich um die Ganztagsbetreuung der Kinder, arbeitet als freiberufliche Geigenlehrerin, filzt Engel und Elfen und ist Gründerin von Mimis Keksmanufaktur.

Holz, Huskys, Ziegen, Bienen... Die Standbeine der Aurea-Arcadia-Gemeinschaft sind vielfältig. Jeder packt mit an. Auch in der Kinder- und Jugendarbeit ist die Truppe aktiv. Regelmäßig kommen Ferienkinder aus den Städten nach Augzin. „Es ist immer wieder schön zu sehen, wie  Kinder und Jugendliche sich im Umgang mit Tieren auf einmal öffnen“, erzählt Rebekka Ullmann. Auch das gehört zur Philosophie des Heil- und Gesundheitszentrums in Augzin – das gemeinsame Leben mit Tieren. Fasane, Tauben, Schweine, Hunde, Katzen... leben ebenfalls auf dem Hof. „Die Angst als Ökoaktivisten angesehen zu werden, war schon da“, erzählt Miriam König. „Im Gespräch bleiben ist wichtig“, ergänzt Rebekka Ulmman. Der Schritt von der Großstadt aufs mecklenburgische Land war nicht einfach, aber rückblickend genau richtig. „Wer neugierig ist, was wir machen und wer wir sind, schaut einfach vorbei“, sagt Rebekka Ullmann. „Es gab anfänglich auch Fragen wie ,was wollen die hier?‘ Aber das hat sich gelegt. Auf einem Dorffest ins Gespräch gekommen und schon ist das Eis gebrochen“, erinnert sich Johannes Gössling. Der Diplom-Sozialpädagoge kümmert sich um die Kinder- und Jugendarbeit im Zentrum, übernimmt für den Verein Ichtys e.V., zu dem Aurea Arcadia gehört, auch die Öffentlichkeitsarbeit. Zahlreiche Veranstaltungen am zweiten Standort – dem Forsthof Mestlin – bietet der Verein an. Kurse, Seminare... runden das Angebot ab. Ein neues Kulturzentrum entstand.

Keine Kommune, aber eine Gemeinschaft, die solche lebt und dafür einsteht. Gespickt mit viel Humor, Geduld, Hoffnung, Friedfertigkeit – das ist Aurea Arcadia, das Heil- und Gesundheitszentrum mitten in Mecklenburg, in Augzin.

Hintergrund: Verein „Ichtys“ e.V.

Der Name „Ichty“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Fisch“. Es ist ein christliches Zeichen, mit dem sich Christen vor 2000 Jahren zu erkennen gaben. Damals wurden sie von den Römern noch verfolgt.

Der Verein „Ichtys“ e.V. in Augzin und Mestlin hat diesen Namen bewusst gewählt. Bildung, Erziehung und Gesundheitspflege – diese Schlagworte hat sich der gemeinnützige Verein auf die Fahnen geschrieben.

Im Dezember 2003 findet der Verein seine Anfänge – in Berlin Mitte. Später zieht der Verein in die Privaträume von Wolfgang Ullmann um. Der Pfarrer, Kirchenhistoriker, Bürgerrechtler und späterer EU-Politiker hatte 1989 in genau dieser Wohnung zur Gründung des Runden Tisches beigetragen und dort viele namhafte Politiker der Wendzeit empfangen.

Ausgrenzung und Unmenschlichkeit erteilen die Mitglieder bis heute eine Absage. In offenen Gesprächen wollen sie helfen und unterstützen. sapa

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