Südbahn : „Ein ganzer Landstrich abgewürgt“

Eine Eisenbahn-Streckenkarte für Mecklenburg-Vorpommern. Die gestrichelten Verbindungen/Strecken gibt es nicht mehr. Nun soll das Ende im Süden kommen.
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Eine Eisenbahn-Streckenkarte für Mecklenburg-Vorpommern. Die gestrichelten Verbindungen/Strecken gibt es nicht mehr. Nun soll das Ende im Süden kommen.

SVZ-Leser Dietmar Unger zur Zukunft der Südbahn / Angst vor „Ende des Landes im Nordosten“ / Kritik: Geld wird vorgeschoben

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01. November 2014, 14:50 Uhr

Landesverkehrsminister Christian Pegel hat trotz noch ausstehenden Gerichtsurteils (zwei Landkreise klagen bekanntlich gegen die geplante Teilschließung) das Aus für die Südbahn verkündet (siehe auch Artikel im Hauptteil). Dietmar Unger, Sänger am Staatstheater und regelmäßiger Nutzer der Bahn, schreibt einen Gastbeitrag zu dem Thema: „Das ist schon sagenhaft. Umweltschutz steht völlig außen vor. Sonderlich die Meinung jenes Energieministers von weit her, Pegel, aber von Sellerings Gnaden. Der geht bald wieder, nach ihm die Sintflut. Er hat aber etwas durchgesetzt und das zählt momentan.

Die Zukunft aber würgt einen ganzen weiteren Landstrich im Süden ab. Verkehrstechnisch. Er wird dann die Freifläche zum Norden mit dem einstigen Verkehrknoten Tribsees. Hier wurde vor Jahrzehnten bereits der totale Kahlschlag betrieben. Grausig, das Gelände jetzt mal in Augenschein zu nehmen. Von den Beschwernissen der Menschen vor Ort spricht ja längst keiner mehr.

Das Abbild davon ist bald Karow (Mecklenburg), einst Knoten aus fünf Richtungen. Nun gibt es hier nur noch die Durchfahrt von Parchim nach Waren (Müritz) und zurück natürlich. Der Bahnhof ist eine einzige optische Grausamkeit: Verlassen, öde, ohne Zukunft, abgehängt, die Natur greift hier wieder tüchtig zu. Plau am See, Sommerfrische und medizinisches Zentrum nebenan. Wehe dem, wer da kein Auto hat. Aber damit wird nicht einmal mehr kalkuliert. Das gehört einfach dazu, die neue Vorsorgepflicht des Ressorts von Pegel. Und wenn man will auch des Umweltministeriums. Pustekuchen, wir haben anderes zu tun, wird gesagt, aber der Südteil Mecklenburgs wird völlig abgehängt. Wen interessiert es? „Es hat ja doch keinen Zweck, die hören weder auf uns noch auf Streiks und andere Proteste. Unter dem Vorwand Geld wird alles für das sichere Pöstchen getan“, so die Meinung einer Frau aus Goldberg. Hier zeigt sich das lokale Interesse sehr deutlich. Wer nicht aus dem Landstrich stammt, hat auch keinen Bezug dazu und reckt sich nach oben, das Geld vorschiebend. Minister ist Diener!

Hat jemand schon einmal statt an Einstellung und Abbau daran gedacht, dass es auch eine andere Entwicklung geben könnte, wenn man denn ein wenig perspektivisch denken könnte? Ost-erweiterung, Magistrale Stettin, polnische Ostsee oder die Weiterfahrt ins Innere von Polen. Man muss nur was wollen, etwas verbinden, um eine Weiterentwicklung auch im Eisenbahnwesen zu betreiben.

In Brandenburg reicht beispielsweise die Strecke – einst von Pritzwalk nach Güstrow – nur noch bis Meyenburg, Landesgrenze. Danach beginnt Mecklenburg-Vorpommern und die Leere auf den Schienen von einst. Das sagt schon viel aus. Der Landstrich im Süden ist nun einmal wie er ist. Nun würgt man ihn aber gänzlich ab. Und die „Helden des zuständigen Ministeriums“ dünken sich, Großes für das Land in Sachen Einsparung zu tun.

Neue Sichten braucht das Land schon lange. Sonderlich verkehrstechnisch. Die mittlere Verbindung im Süden muss von Hamburg über Ludwigslust, Parchim, Karow, Malchow nach Waren (Müritz) und auf alten Strecken über Penzlin nach Neubrandenburg ausgebaut werden. Von hier münden weiteren Strecken nach Stettin ein.

Geografisch also vom Plauer See, Fleesensee zum Kölpinsee, schließlich der Müritz, um dann später an den Tollensee bei Neubrandenburg zu gelangen. Auch in den folgenden Jahren gibt es genügend Mittel von der EU. Nur tun und bewerben muss man etwas und nicht nur Gutachten erstellen lassen, die immer die Prämissen des Antragstellers beinhalten und viel Geld verschlingen. Eigentlich ist dies Aufgabe der Ressorts in den Ministerien. Aber so einfach kann man es sich machen. Man muss sich um das Land kümmern und es nicht weiter verkümmern lassen – das Ende des Landes im Nordosten?“

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