Plau am See : Ein ergreifendes Konzert

Erhielten viel Applaus für ihre Darbietung: Alena-Maria Stolte und Mike Nych
Erhielten viel Applaus für ihre Darbietung: Alena-Maria Stolte und Mike Nych

„Seite an Seite“ beim Plauer Musiksommer

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20. Juli 2019, 05:00 Uhr

Das Programm hielt, was es versprach: Die Freundschaft zweier Großmeister der Romantik konnte nicht eindrucksvoller dargestellt werden als in dem Konzert des Plauer Musiksommers vom 17. Juli. Eine großartige Mezzosopranistin und ein begnadeter Organist - Alena-Maria Stolte (Weimar) und Mike Nych (Apolda) – haben sich zusammengefunden um die Komponistenfreunde Antonin Dvorak (1841-1904) und Johannes Brahms (1833-1897) „Seite an Seite“ (so das Thema des Programmes) zu Gehör zu bringen. Dass dies auf das Großartigste gelungen ist, kann man nicht genug loben. Von beiden Meistern erklang je ein Orgelwerk und ein Liedzyklus. Zuerst Dvorak: Präludium und Fuge in D-Dur (ohne Opuszahl) das Präludium sehr kompakt, die Fuge klar in der Struktur, sehr durchsichtig registriert, sodann die Biblischen Lieder Op.99: 10 Lieder, Texte aus Psalmworten. Die Lieder wurden auf tschechisch vorgetragen, die Übersetzung stand im Programm, sodass man den Kompositionen und ihren musikalischen Aussagen gut folgen konnte. Im Original für Sinfonieorchester, das Arrangement für Orgel kam aber auf der Plauer Nußbücker-Orgel ausgezeichnet farbig registriert heraus, erforderte vom Organisten viel Einfühlungsvermögen und Meisterschaft. Die Mezzosopranstimme von Frau Stolte war wunderbar vielfältig, zart im Piano, rundes, großartig voluminöses volles Forte, mit unglaublichen Ausbrüchen in der Höhe, ohne schrill zu wirken, stets dem Text angepasst. Alle Lieder, während seines Amerikaaufenthaltes komponiert, ließen einerseits die Sehnsucht nach Dvoraks tschechischer Heimat erkennen, im letzten Lied: „Singet dem Herrn neue Lieder“ war aber auch der Einfluss von Gospel- und Indianermusik durchzuhören.

Dass Brahms großartige freie Orgelwerke geschaffen hatte, ist nicht sehr bekannt, zu Unrecht: Präludium und Fuge g-moll (aus Op.122) zeigen einen ganz großen Meister, der es an Virtuosität und Großartigkeit mit den größten Orgelkomponisten seiner Zeit aufnimmt. Das Präludium mit schwierigsten Laufpassagen, wilden Ausbrüchen und Verschränkungen - die Fuge einerseits klar strukturiert, andrerseits mit typisch Brahmsschen Rhythmusverschiebungen versetzt, hinreißend gespielt und meisterhaft registriert.
Den Höhepunkt des Abends bildeten dann aber die vier ernsten Gesänge (Op.121), von Brahms im Angesicht des eigenen Todes und nach dem Verlust seiner engen Freundin Clara Schumann sowie seines Freundes Hans von Bülow komponiert, also am Abgrund seines Lebens stehend. Der vierte Gesang, das Hohelied des Paulus über die Liebe, ist mit einer Intensität vertont, die, wenn sie so vorgetragen wird wie von der Sängerin, den Zuhörer bis ins Innerste packt. Das Plauer Publikum jedenfalls war so ergriffen, dass der Beifall danach erst recht zögernd, dann aber stürmisch erfolgte. Wieder einmal ein grandioses Ereignis des Plauer Musiksommers.

Gotthold Hiller

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