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24. November 2017 | 01:20 Uhr

Ehepaar fast im eigenen Haus erfroren

vom

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erstellt am 06.Feb.2012 | 08:23 Uhr

Passow | Rettung in allerletzter Minute: Beinahe hätte der extreme Winter zwei Menschen in Passow das Leben gekostet. Doch Nachbar Achim Eichholz konnte die Katastrophe verhindern, er rettete dem Rentnerehepaar im Haus gegenüber das Leben.

Rückblick: Ein älteres Ehepaar lebt zurückgezogen in dem Ort zwischen Lübz und Goldberg. "Oft waren die beiden nicht auf der Straße zu sehen", sagt ein Nachbar. Der Mann ist 80 Jahre, seine Frau 74 Jahre alt. Die beiden leben schon lange in dem Haus, haben es selbst gebaut. Auf der kleinen Terrasse vor der Eingangstür stehen zwei Gartenzwerge. Ein Dachfenster ist gesprungen, an der Hauswand hängt ein Thermometer. Zwölf Grad unter Null zeigt es an.

Seit einer Woche hat Achim Eichholz nichts mehr von seinen Nachbarn gehört oder gesehen. Die Gardinen vor den Fenstern am Haus gegenüber sind zugezogen. "Mich hat vor allem gewundert, dass kein Rauch aus dem Schornstein kam", sagt Eichholz. Am Freitagabend handelt der Rentner: Er verständigt den Sohn des Paares. "Zufälligerweise hatte ich seine Nummer, habe ihm gesagt, dass irgendetwas nicht stimmt."

Der Sohn macht sich auf den Weg nach Passow, öffnet das Haus. Drinnen ist es bitterkalt - fünf Grad über Null. Als der Sohn das Wohnzimmer betritt, bietet sich ihm ein schreckliches Bild. Seine Eltern liegen auf dem Boden, können sich nicht mehr bewegen. Sie sind zwar bei Bewusstsein, aber nicht mehr ansprechbar.

Körpertemperatur nur noch bei 34 Grad

Der Sohn alarmiert die Rettungskräfte. Ein Notarzt versorgt die beiden noch im Haus. Nach Einschätzung des Arztes hätte das Paar die nächste Nacht vermutlich nicht überlebt. Die Körpertemperatur der beiden war bereits auf ein besorgniserregendes Niveau herabgesunken. Von 34 Grad Körperwärme habe der Notarzt gesprochen, erinnert sich Eichholz. Das Ehepaar wird in Krankenhäuser nach Parchim und Plau am See gebracht.

Klar ist: Nachbar Achim Eichholz hat den Rentnern vermutlich das Leben gerettet. Unklar ist hingegen, wie es überhaupt zu der Situation kommen konnte. Sache der Polizei ist diese Frage allerdings nicht mehr. "Wir können Fremdverschulden definitiv ausschließen, deshalb ermittelt die Polizei nicht mehr in diesem Fall", sagt Polizeisprecher Klaus Wiechmann von der Ludwigsluster Polizeiinspektion. Das Haus sei mit einem Kachelofen beheizt worden. "Und der war aus", sagt der Polizeisprecher. Darüber hinaus sei nichts Auffälliges entdeckt worden.

Allerdings rät die Polizei zu verstärkter Wachsamkeit im Winter. "Es ist immer gut, wenn Nachbarn aufmerksam sind und Auffälliges der Polizei melden", so Wiechmann. Der Winter könne gerade für ältere Menschen zu verschiedenen problematischen Situationen führen. Überhaupt sei die Polizei auf aufmerksame Menschen angewiesen. "Wer bei diesen Temperaturen hilflos wirkende Personen sieht, der braucht sich nicht zu scheuen, die Nummer 110 zu wählen", so Wiechmann.

Die gute Nachricht: Glück im Unglück hatte zumindest die 74-Jährige. Sie liegt im Parchimer Asklepios Krankenhaus. "Sie hatte keinerlei Erfrierungen, wird in den kommenden Tagen ohne Folgeschäden nach Hause entlassen werden", so Geschäftsführer Johann Bachmeyer. Ihr Mann liegt in einem Krankenhaus in Plau am See. Dessen Mitarbeiter gaben über den Gesundheitszustand des Mannes keine Informationen heraus.

Für Lebensretter Achim Eichholz war sein Verhalten eine Selbstverständlichkeit. "Natürlich freue ich mich, dass ich helfen konnte, aber ich habe nur meine Pflicht getan - mehr nicht", sagt er. Der Nachbar glaubt, dass die Menschen früher im Allgemeinen mehr Acht aufeinander gegeben haben als heute. "Es ist wichtig, dass Menschen ein wenig nacheinander schauen", sagt er. Er selbst geht nicht nur mit offenen Augen durch’s Leben, sondern auch durch seine Nachbarschaft. Kein Rauch aus dem Schornstein - das ist nur eine winzige Beobachtung. Aber in Passow hat genau dieses Detail zwei Leben gerettet.

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