Ärger : Durch Verkehr ständig in Unruhe

Für Anwohner oft unerträglich laut: Die Parchimer Straße in Lübz Fotos: Ilja Baatz
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Für Anwohner oft unerträglich laut: Die Parchimer Straße in Lübz Fotos: Ilja Baatz

Zwei Ausschüsse diskutieren gemeinsam über Lärmbelästigung in Parchimer Straße in Lübz / Verwaltung soll neue Messung beantragen

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28. November 2014, 22:00 Uhr

Die Stadt hat mit Hilfe entsprechender Technik erneut das Verkehrsaufkommen im Bereich Mühlenstraße/Parchimer Straße/Goldberger Straße gemessen und festgestellt, dass ihn tagsüber, aber auch in den Nachtstunden ungewöhnliche viele Fahrzeuge benutzen. Das sagte Fred-Jan Salomon, Leiter des Sachgebietes Bau bei der Stadt- und Amtsverwaltung, auf der jüngsten gemeinsamen Sitzung des Bau- und Ordnungsausschusses. Zu den angetroffenen Nutzern gehörten auch viele schwere Lastwagen, die offensichtlich ihr Navigationsgerät auf dem Weg zur Autobahnanschlussstelle Suckow duch Lübz leite. Dies verwundere nicht, weil es sich um die alte Bundesstraßenführung handele. Sie sei heutigen Belastungswerten allerdings nicht mehr gewachsen.

Probleme entstünden, weil genannte Verbindungen aus Pflasterstraßen bestehen, die bei Benutzung schon von Natur aus einen höheren Lärmpegel verursachen, und weil sich etwa zwei Drittel der Nutzer nicht an die hier geltende Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometer in der Stunde halten. „Es gab mehrfach Beschwerden über Lärm und Erschütterungen von Anwohnern, die uns angesprochen und darum gebeten haben, für eine Verbesserung zu sorgen. Deshalb sollten wir uns Gedanken machen, wie wir damit umgehen“, sagt Salomon.

Einige Ausschussmitglieder sehen das zu schnelle Fahren als das entscheidendere Problem an, wie sie erneut bekundeten. Dem Baubereichsleiter zufolge habe man zum Beispiel schon überlegt, ob es zuzumuten sei, die Parchimer Straße als Sackgasse einzurichten und die Kreuzung an der Schmiedestraße als Wendepunkt einzurichten. „Das geht jedoch nicht so einfach, weil wir den ganzen Verkehr dann in die Goldberger Straße/Bahnhofstraße verlagern“, meint Salomon. „Gleichzeitig können wir nicht viel anderes machen, weil die Kassen leer sind.“

Die in Gedanken spontan entstehende Lösung, das unebene Pflaster etwa gegen Asphalt auszutauschen, würde die Situation nicht verbessern, sondern eher verschlechtern, wenn man wisse, dass viele sogar mit mehr als 50 Kilometern in der Stunde auf den Straßen unterwegs sind.

Bleibt die Möglichkeit, Fahrzeugführer dazu zu zwingen, die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit einzuhalten. Davon abgesehen, dass irgendwann mit Sicherheit auch die Software der Navigationsgeräte geändert werde und besonders die Parchimer Straße in ihnen dann nicht mehr als Haupverbindung auftauche, bleiben zum Beispiel eine geschlängelt geführte Fahrbahn, der Einbau von Bodenwellen oder die Aufstellung eines Dauerblitzers. Letztgenanntes werde nicht funktionieren, weil die Stadt dazu nicht berechtigt sei. Die Chance, diesbezüglich etwas über den Landkreis zu erreichen, schätzt Salomon als gering ein.

Die Ausschussmitglieder stimmten mit großer Mehrheit dafür, zu untersuchen, welchen Nutzen Bodenwellen bringen und wieviel ein Straßenausbau mit einem anderen Belag kosten würde.

Nach Aussage von Bürgeramtsleiter Thomas Rosenfeldt habe auch der Landkreis das Verkehrsaufkommen bereits vor einer ganzen Weile gemessen. Bei der jüngsten, auch nicht mehr ganz neuen Zählung, die man generell immer wieder neu beantragen müsse, ergab sich eine Zahl von rund 10 500 Fahrzeugen in einer Woche. „Wenn eine Straße erst einmal öffentlich gewidmet ist, ist sie für alle offen zu halten. Nur auf eine Tragfähigkeitsbeschränkung zu setzen, würde keine Genehmigung geben“, so Salomon. Davon abgesehen, dass ein Weg etwa für Feuerwehr und Rettungsdienst eh freizuhalten ist, könne die Stadt also nicht – wie von einigen vorgeschlagen – an der Kreuzung mit der B 191 ein Schild mit einer Tonnagebegrenzung anbringen: „Wir dürften nicht einmal einfach eine Sackgasse ausweisen.“ Solange sich etwa durch eine Straßensperrung in der Navigationsgeräte-Software kein Wechsel ergibt, werde sich an diesem Zustand kaum etwas ändern.

Ein Vorschlag des Ausschusses an die Verwaltung war, zur Entlastung dann wenigstens an der Aral-Tankstelle und der Feuerwehr einen Vorwegweiser zur Autobahn in Richtung Hamburg anzubringen. „Ich vermute, dass wir in der Schilderhirarchie nicht den Zuschlag erhalten, aber wir werden dies prüfen“, sagt Salomon.

Auch Ausschussmitglied Karl-Joachim Rohde ist der Meinung, dass die in genanntem Bereich zu hohe Geschwindigkeit das größte Problem ist. Beim eventuellen Bau von Bodenwellen, durch die man langsameres Fahren erreichen möchte, gibt er zu bedenken: „Sie müssten dann aber auch nah genug beieinander liegen, damit zwischen ihnen nicht Gas gegeben wird – wie bei einem Blitzer, hinter dem dann wieder kräftig auf die Tube gedrückt wird. Deshalb wäre er eh Blödsinn.“ Salomon bestätigte, dass eine neue Maßnahme zu keiner stärkeren Belastung führen dürfe, wie es in anderen Städten etwa bei ungünstig gebauten Bodenwellen der Fall sei.

Seinen Ausführungen zufolge endet das Sanierungsgebiet an der alten Post. Im Bereich danach kann die Stadt also auch Ausbaubeiträge von Anliegern erheben. Bei Bodenwellen werde man keinen Grundstückseigentümer beteiligen, doch einen Ausbau gerade der Parchimer Straße könne man zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht grundsätzlich ausschließen.

Nach dem Willen des Ausschusses soll jetzt eine neue Messung beantragt werden und er beauftragte die Verwaltung, sich parallel auch mit der Polizei zu verständigen.

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