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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

22. September 2017 | 19:15 Uhr

Lübz : Duo Vimaris zieht alle Register

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Orgelkonzert in der Lübzer Stadtkirche: Das Thüringer Musiker-Ehepaar präsentierte Werke von Georg Philipp Telemann

Die „Königin der Instrumente“, wie die Orgel auch genannt wird, gleicht einer Tönemanufaktur, deren Leitstand „personalsparend“ nur von einer Person besetzt werden muss – vom Organisten. Wie ihre Grundidee, Klang wie ein ganzes Orchester hervorzuzaubern, quasi technisch funktioniert, erläuterte Dr. Wieland Meinhold, Universitätsorganist zu Erfurt/Weimar in der Lübzer Stadtkirche nach einem Konzert zu Ehren des 250. Todestags des Barockkomponisten Georg Philipp Telemann.

So übermütig und lebhaft gestikulierend – etwas überspitzt gesagt – begeistert wie ein Jüngling, erklärt Meinhold das majestätische Instrument. Im Gespräch zuvor hat er sich „einen Anwalt der Musik“ genannt, jetzt wird er speziell zum Anwalt dieses raumgreifenden Instruments, in dessen äußere Schönheit er sich einst verliebte. Eine quasi erotische Beziehung, erzählt er, die sich bei ihm, der vom Klavier kam, über das Auge entwickelt habe. Bevor es jedoch im temporeichen Vortrag um Pedale, Manuale und Linguale geht, waren, wie gesagt, ausgewählte Kompositionen des zu seiner Zeit außerordentlich bekannten und beliebten Georg Philipp Telemann (1681-1767) erklungen. Er war musikalisch für die fünf Hauptkirchen Hamburgs verantwortlich und hinterließ einen ungewöhnlich großen Werkumfang: Ein Vielschreiber und auch Geschäftsmann, der während eines langen Lebens 300 Solokonzerte produzierte.

Das „Duo Vimaris“ – das sind Wieland Meinhold und seine Frau, die Sängerin Mirjam Meinhold, Mitglied des Opernensembles am Deutschen Nationaltheater Weimar – präsentierte programmgemäß neun Stücke aus der Feder dieses Komponisten. Leider fanden zu dem für Lübz doch ungewöhnlich hochkarätigen Ereignis nur knapp vierzig Besucher den Weg in die Stadtkirche mit der „besonders schönen Orgel“ (Meinhold). Dass diese Unentwegten jedoch belohnt wurden, muss hier doppelt unterstrichen werden. Die Mischung der Stücke war so gekonnt arrangiert, dass auch das ungeübte Ohr nicht in Verlegenheit war, der Barockmusik das ewig gleiche Hörerlebnis abzugewinnen. Gewiss, der Grundduktus der ausgeglichen wirkenden Heiterkeit, des Spielerischen ist auch Telemanns Musik eigen. Die höfische Kultur hat die Barockmusik mitgeprägt, so auch die Kompositionen für den sakralen Raum.

Die Könnerschaft und Begeisterung des Organisten, der deutschland- und weltweit die besten Kritiken erhielt, ließ die Eleganz, „Durchsichtigkeit“, die Telemanns Werk prägt, im besten Sinn aufleuchten. Das gewissermaßen abgehoben Luzide der Kompositionen bildeten unter anderem Sonaten in f- und d-Moll für Orgel und Flöte beispielhaft ab. Markant hoben sich davon die drei auch für Sopran geschriebenen Werke ab. Die Stimme von Mirjam Meinhold entführte mit leicht metallischem Einschlag ein wenig aus dem harmonischen Duktus in eine menschliche, behaftete Sphäre hinein, gab dem Konzert Würze.

Das zweite Stück des Abends, die Sonate f-Moll aus dem „Getreuen Musikmeister“, sei die „königlichste“ der Telemann-Sonaten, erläuterte Wieland Meinhold in einer kurzen Ansprache, bevor er die Orgel erklomm und am Spieltisch Platz nahm. Und tatsächlich erklang die Orgel bei diesem Stück auch so brausend mit all ihrer akustischen Macht, wie man es gerne als typisch für die „Königin“ erachtet.

Im anschließenden Vortrag auf der Orgelempore aber belehrt uns Meinhold: „Laut kann jeder“ und zieht jene Register, die die Klangfarben von Flöten erzeugen sollen. So kann musikalische „Delikatesse“ entstehen, sagt der Meister der Tasten. Am Ende des spannenden Vortrags zieht er dann auch einmal alle Register. Das Nebengeräusch zuvor kommentiert er mit „Klappern gehört zum Handwerk“. Die Alltagsmetapher und das Sprichwort, auch sie verdanken wir der Orgel.

 













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