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Forstrevier Karow : Drei Wege, ein Ziel - den Wald verjüngen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Förster Christian Albrecht vom Forstrevier Gut Karow setzt auf Qualität der Pflanzen

von
erstellt am 23.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Der Natur freien Lauf lassen, ist eine Variante, um den Wald aufzuforsten, zu verjüngen. Das testet Christian Albrecht, Förster beim Forstrevier Gut Karow-Hahnenhorst, auch – aber nicht nur. Er ist der Experte für gut 2800 Hektar Waldfläche. Aber ohne menschlichen Eingriff funktioniert es dann doch nicht ganz. Das Wild zieht schließlich ebenfalls durch den Wald. „Den Zaun müssen wir erweitern“, erklärt Christian Albrecht. In der Vergangenheit wurde die Douglasie an diesem Standort im Forstrevier Karow viel verbissen. Damit  die Naturverjüngung klappt, wird nicht nur ein Zaun gesetzt, sondern auch ausgekesselt. „Wir geben der Pflanze mehr Licht“, erläutert der Förster weiter.  Das heißt, dass der Begleitwuchs einer Pflanze im Wald reguliert wird. Mit einem Freischneidegerät wird  vorsichtig Platz gemacht.

Gute Voraussetzungen zum Wachsen braucht auch die nächste Baumart, die Christian Albrecht in seinem Revier verjüngen möchte. Doch bei dieser Variante der Waldverjüngung ist Tatkraft gefordert. Dabei setzt der Förster auf seinen langjährigen Mitarbeiter Hans Schreiner. „Er ist schon so lange dabei, dass er genau weiß, worauf es ankommt.“ In diesem Fall auf das Saatgut. Denn auf 0,2 Hektar Freifläche wird Kiefernsaatgut in die Erde gebracht. Mit einer Dippelmaschine geht Hans Schreiner zu Werke. Ein kleiner Pflug an der Maschine öffnet den Boden, in die Furche fällt die wertvolle, feinkörnige Saat. Das Rad verschließt anschließend den Boden wieder. So geht es für den Forst-Mitarbeiter auf und ab, Reihe für Reihe – bei herrlichstem Sonnenschein.

Glück haben an diesen Tag auch die nächsten Helfer. Drei Frauen und ein Mann pflanzen junge Bäume. Das ist dann die dritte Variante der Waldverjüngung. Gewissenhaft geht das Quartett vor, denn die Pflanze darf nicht zu lange an der Luft bleiben. „Die Wurzeln trocknen sonst aus“, erklärt Christian Albrecht. Deshalb wird die Douglasie in einem Beutel feucht gehalten.

Auf 1,4 Hektar Waldfläche werden 6500 Bäume gepflanzt – vor allem Douglasie, zehn Prozent Tanne, aber auch Eibe und Baumhasel.  Förster Christian Albrecht geht auch bei den Baumarten ab und zu besondere Wege. So versucht er sich an der Aufzucht der Weißtanne. „Sie ist kalabrischer Herkunft, aus den höheren Lagen – zwischen 1000 und 1400 Metern. Das Klima dort oben entspricht dann wieder unserem“, verdeutlicht der Förster.  Bevor er den Versuch mit der Weißtanne gestartet hat, hat sich Christian Albrecht schlau gemacht – vor Ort, in Italien. „Die Weißtanne hat eine höhere genetische Varibilität, sie ist anpassungsfähig.“ Eine weitere positive Eigenschaft kommt hinzu. Sie ist sozusagen eine Basenpumpe. „Wir haben sehr saure Böden durch verschiedenste Faktoren. Die Weißtanne kann den Boden wieder verbessern“, so der Förster.

 Gedanken macht sich der Experte für Wald und Flur immer, setzt er doch vor allem auf Qualität. Deshalb arbeitet Christian Albrecht eng zusammen mit der Forstbaumschule Güstrow. Dort bezieht er seine Pflanzen. Aber auch mit dem Forstrevier Kuppentin, das zum Forstamtsbereich Sandhof gehört. „Herr Albrecht sieht sich bei uns die Schläge an. Die Douglasie, die er haben will, bekommt er dann in der Baumschule Güstrow“, erklärt Revierleiter Wilhelm Jacobs. Die Douglasie aus dem Kuppentiner Mutterbestand zeichnet durch ihren langen Wuchs aus. „Sie ist in der Jugend sehr wüchsig, schnell aus dem Dreck“, verdeutlicht Wilhelm Jacobs. Denn die richtige Saat, die richtige Pflanze entscheidet auch immer über den Ertrag, den ein Privatwaldbesitzer letztendlich erzielen möchte. „Der Grundstein wird bei der Pflanze gelegt“, sagt Kuppentins Revierförster. Das ist auch Christian Albrecht bewusst und vor allem wichtig. Denn er denkt und schaut voraus. Er hat drei Wege und ein Ziel – den Wald verjüngen. 

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