zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

25. November 2017 | 12:38 Uhr

Auf der Walz : Drei Jahre lang zu Fuß in die Welt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Zimmermann Fabian Fremder „auf der Walz“ für ein paar Stunden auch in Lübz / Auf Wohlwollen der Menschen angewiesen

svz.de von
erstellt am 28.Aug.2014 | 22:00 Uhr

Mit Fabian Fremder lief am späten Mittwochnachmittag für kurze Zeit ein nicht alltäglicher, durch seine Kluft auffälliger Gast durch Lübz. Der 26-jährige Zimmermann aus Hamburg ist „auf der Walz“, was bedeutet, dass er für drei Jahre und einen Tag zu Fuß durch die Welt zieht. Ein Tag obendrein deshalb, weil die Walz länger dauern soll als die Lehrzeit. Nach oben hin sind keine Grenzen gesetzt. Zu dieser mehrere Jahrhunderte alten Tradition hat sich der junge Mann Mitte September vorigen Jahres entschlossen. Zwei Wochen nach Abschluss der Lehre ging es los. Der Sinn besteht darin, möglichst viele fremde Menschen und Kulturen kennen zu lernen und vor allem sein Können zu verfeinern.

Die Bedingungen sind hart. „Wir dürfen zum Beispiel fürs Reisen und Übernachten nichts bezahlen, sind also darauf angewiesen, dass uns beim Trampen jemand mitnimmt und/oder eine Unterkunft für die Nacht bietet“, berichtet der Zimmermann. „Bisher war alles kein Pro-blem. Die Menschen haben in der Regel Vertrauen zu uns. Und wenn ich doch einmal draußen schlafen muss – der Schlafsack ist dabei.“ Sein Gepäck wiegt rund 15 Kilogramm, zusammengeschnürt auf einem selbst gefertigten Holzgestell, mit Leder von einem Sattler ausgearbeitet.

Fremder hat keine festgelegte Route, sein Weg ergibt sich jeden Tag neu. Nach Lübz kam er für nur wenige Stunden binnen weniger Tage über Groß Grönau, Gadebusch, Schwerin und Parchim. Weitere Vorschrift, die gerade hier interessant wurde: Um den Heimatort herum gibt es eine Bannmeile von 50 Kilometern, die auf der Walz nicht betreten werden darf. Außerdem ist verboten, ein Handy oder andere ähnliche Kommunikationsmittel bei sich zu haben: „Echte Entspannung!“

Im bald beginnenden zweiten Jahr möchte der junge Handwerker Europa erkunden, im dritten möchte der 26-Jährige weltweit unterwegs sein. Geld zum Essen etwa braucht auch er, was er sich bisher unter anderem durch die Arbeit in zwei Firmen, eine Dachsanierung und die Verschalung eines Kuhstalls verdient hat. Großes Interesse hat er daran, sein Können im Bereich Fachwerk- und Blockhausbau zu erweitern. Ziele sind deshalb Skandinavien, Kanada und Neuseeland

Als Nachweis dafür, wo Fremder überall gewesen ist, dient ein Wanderbuch, in das die jeweilige Stadt nach Vortragen eines Gedichtes ein Siegel drückt. In Lübz war die Rathaustür leider schon verschlossen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen