Seniorenwohprojekt Dobbertin : Dorf im Dorf: Das Land soll helfen

<strong>Sie wollen das Pilotprojekt voranbringen:</strong> Bei der Umsetzung vom 'Dorf im Dorf' hoffen die Akteure auf Unterstützung von Wirtschaftsminister Harry Glawe (4.v.r.).<foto>Antje Bernstein</foto>
Sie wollen das Pilotprojekt voranbringen: Bei der Umsetzung vom "Dorf im Dorf" hoffen die Akteure auf Unterstützung von Wirtschaftsminister Harry Glawe (4.v.r.).Antje Bernstein

Ende des Jahres soll am Wiesengrund in Dobbertin das Seniorenwohprojekt "Dorf im Dorf" Realität werden. Doch noch gibt es finanzielle Hindernisse. Projektinitiatoren hoffen auf Hilfe vom Land.

svz.de von
03. Juni 2012, 07:14 Uhr

Dobbertin | Noch ist die Wiese leer. Doch Ende des Jahres soll am Wiesengrund in Dobbertin endlich das langersehnt Seniorenwohprojekt "Dorf im Dorf" Realität werden. Doch der Pilotcharakter des Projektes birgt Hindernisse - vor allem bei der Finanzierung. "Leider sind nicht alle Institutionen neuen Dingen gegenüber aufgeschlossen", sagt Thomas Niemeyer, zuständig für die Projektsteuerung. Banken hätten skeptisch reagiert. Ein neues Projekt auf dem Land, Senioren als Zielgruppe - da folgten die Absagen. Eine Genossenschaftsbank hat nun aber doch die Bereitschaft signalisiert, das Vorhaben zu unterstützen. Um aber genügend Sicherheiten zu bieten und den Kaltmietpreis der künftigen Wohnungen auf dem geplanten Niveau von rund 7 Euro pro Quadratmeter zu halten, hoffen die Dorf-im-Dorf-Initiatoren auf Hilfe vom Land. Bei Wirtschaftsminister Harry Glawe rührten sie jetzt die Werbetrommel. Der zeigt sich förderwillig. "Vom Grundsatz her kann ich mich sehr damit anfreunden", sagt Glawe. Es gelte aber in Abstimmung mit den anderen Landesministerien abzuwägen, wie das Dobbertiner Projekt gemeinsam geschultert werden könne.

Bis zur Entscheidung müssen sich die Dobbertiner allerdings in Geduld üben, mahnt der Minister. "Sie dürfen jetzt nicht mit dem Bagger anrücken, sonst ist in unserem Ministerium Schluss", sagt Harry Glawe. Von Baustart kann derzeit auch noch keine Rede sein. Die Ausschreibungen für Tief- und Straßenbau laufen allerdings schon, sagt Dobbertins Bürgermeister Dirk Mittelstädt. Der Hochbau sei für Jahresende angedacht.

Ihre Förderer in spe wollen die Projektväter vor allem mit der Vorbildwirkung ihres Vorhabens überzeugen. Vom Dorf im Dorf profitiere nicht nur die Region um Dobbertin, sondern das ganze Land. Schließlich zeige es, wie man ländliche Standorte attraktiv machen, der Abwanderung entgegenwirken und dem demokratischen Wandel Rechnung tragen könne. Auch der Zuzug älterer Menschen anderer Bundesländer werde begünstigt. "Das ist ein Marketingbereich, den wir noch nicht besetzt haben", sagt der Vorsitzende des Kuratoriums Gesundheitswirtschaft, Horst Klinkmann. Das Dorf im Dorf soll altersgerechtes Wohnen und Zukunftsperspektiven für junge Leute miteinander vereinen und dabei zeitgleich Maßstäbe für die gesundheitliche Versorgung auf dem Land setzen. Die dichte Bebauung der Anlage werde zudem die Hilfe zur Selbsthilfe begünstigen, erklärt Architekt Axel Gutzeit. Neben den geplanten 39 Wohneinheiten wird im Mecklenburger Hallenhaus in Dobbertins Dorfmitte ein medizinisches Zentrum entstehen. Hier wird nicht nur die Allgemeinärztin ihre Praxis haben, auch Räumlichkeiten für Fachärzte, die regelmäßig zu Sprechstunden in den Ort kommen sollen, sind geplant. Außerdem soll die Kooperation mit der Reha-Klinik Lohmen intensiviert werden. "Wir arbeiten seit Jahren daran, Gesundheitsregion zu werden", sagt Horst Tober von der Arbeitsgemeinschaft Dorf im Dorf. Ein Vorteil - nicht nur für die ältere Generation. Das Pilotprojekt sei generationsübergreifend angelegt. "Wir wollen damit für junge Leute, gerade für Frauen, Arbeitsplätze schaffen - im Dienstleistungssektor und im medizinischen Bereich", sagt Tober.

Beim Wirtschaftsminister kommt das Konzept an. "Demografisch liegen wir fünf Jahre im Vorlauf zu allen anderen. Wir müssen als Vordenker für die Bundesrepublik fungieren", sagt Harry Glawe. Ein Projekt wie das Dorf im Dorf sei ein Schritt in die richtige Richtung. Ob das Vorhaben aber überzeugend genug ist, um von den Landesministerien finanziell unterstützt zu werden, wird sich am 29. Juni zeigen. Dann sind Gespräche mit allen Beteiligten in Schwerin geplant.

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