Schule : Dobbertiner „ZeitenSprünge“

In kleiner Runde  an der Schule stellen die   Schüler mit ihren Lehrern  „Das Kloster im Dorf  Projekt“ vor.
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In kleiner Runde an der Schule stellen die Schüler mit ihren Lehrern „Das Kloster im Dorf Projekt“ vor.

Projekt kam super an: Schüler der Förderschule nahmen erstmals am Jugendprogramm der Stiftung demokratische Jugend teil.

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09. Dezember 2014, 16:07 Uhr

Bisher waren sie die „Klosterspatzen“, die Mitglieder der Schülerzeitung an der Förderschule des Diakoniewerkes im Kloster Dobbertin. „Seit April sind wir aber auch das ZeitenSpringer-Team“, erzählt Nico. Und das stimmt. Der 15-Jährige und seine Mitschüler Jean-Pierre, Lukas, Steffen, Elias, Vincent, Andrea und Paul waren eine von 26 Schulgruppen bzw. -klassen, die am Jugendprogramm „ZeitenSprünge“ teilnehmen durften. Das wird von der Stiftung Demokratische Jugend organisiert und über den Landesjugendrat gecoacht. Für Nico und sein Team war allein die Teilnahme etwas ganz Großes. Besonders aber war, dass ihr Team das einzige war, das von einer Förderschule gestellt wurde. „Was natürlich auch bedeutet, dass wir die einzige mit geistig behinderten Schülern waren“, erklärt Karina Reisenberg. Sie ist Lehrerin und stellvertretende Schulleiterin der Dobbertiner Einrichtung, betreut die „Klosterspatzen“ und seit April auch die „ZeitenSpringer“.

Einfach so mitmachen bei diesem Jugendprogramm ging natürlich nicht. „Wie alle anderen mussten wir uns richtig bewerben“, erzählt Vincent. „Und dann fanden die unsere Idee wirklich gut.“ Da sich die Teams mit bislang wenig erforschter oder dokumentierter Regional- und Heimatgeschichte beschäftigen sollten, lag die Idee der Dobbertiner buchstäblich auf der Hand. Immerhin hat ihre Schule ihren Sitz direkt im ehemaligen Kloster auf dem riesigen Klostergelände. „Darum haben wir uns auch ,Das Kloster im Dorf‘ zum Thema gewählt“, erzählt Nico stolz. Für die jungen Leute, die hier meist schon seit Jahren zur Schule gehen und entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten gefördert werden, sind Schule und Kloster ein Stück Heimat. Denn viele wohnen hier auch. Zumindest unter der Woche. Auch die ZeitenSpringer.

Seit ihr Projekt am 2. April ausgewählt wurde, arbeiten die fünf Jungen und ein Mädchen daran, angeleitet von Karina Reisenberg und Gisela Hoffmann. Zuerst machten sie sich einen Plan, wie sie ihr Projekt anlegen wollten, dann machten sie Fotos und Videos bei ihren Erkundungen im Kloster, auf dem Klostergelände, am See und im Dorf. Und sie fanden in Dr. Claus Cartellieri, dem Initiator des Freundeskreises Klosterorgel, und Klosterführerin Christiane Moth zwei echte Dobbertiner Klosterexperten als Interviewpartner. Vom Klosterbau um 1220 bis in die Neuzeit, von den Mönchen, die es erbauten, über die Nonnen und die Klosterdamen bis zur Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung, die sie heute besuchen. „Ohne Frau Moth, die uns durch das Kloster geführt und dabei ganz viel erzählt hat, und Herrn Cartellieri, der uns vom Leben der Klosterdamen berichtet hat, hätten wir unser Projekt niemals so gut hinbekommen“, sagt Elias. „Und natürlich auch nicht ohne die Hilfe unserer Lehrerinnen Frau Reisenberg und Frau Hoffmann.“

Bevor sie jetzt Lehrer, Schüler und Interviewpartner ihr Projekt in kleinem Rahmen an der Schule vorstellten, hatten die ZeitenSpringer ihren großen Tag hatten schon im November beim Jugendgeschichtstag im Schweriner Schloss. Alle 26 Gruppen präsentierten hier auf Schautafeln und Videos ihre Arbeiten. Die Palette reichte von Essgewohnheiten im Wandel der Zeit, über die NS-Zeit in Bad Doberan und die KZ-Gedenkstätte Wöbbelin bis zum Upcycling in Rostock bis eben zum Dobbertiner Projekt „Das Kloster im Dorf“. „Es war super in Schwerin“, erzählt Steffen, der vor allem den Ausweis toll fand, der sie legitimierte, überhaupt ins Schloss zu kommen. „Die anderen Projekte, das ganze Drumherum und auch das Essen… alles toll“, fügt Elias hinzu. Das Tollste für die acht jungen Leute aber war, dass sie für ihr Projekt nicht nur viel Applaus, sondern auch jede Menge Lob ernteten. Nicht weil es so brillant war. Nein, die Jury und die anderen Gruppen waren begeistert über die völlig andere Art der Aufbereitung. „Unsere Schüler haben natürlich ihre Probleme mit dem Schreiben und Lesen“, sagt Karina Reisenberg. Was in den Videos nicht zum Tragen kommt. Doch genau deshalb findet der Betrachter auf den Präsentationstafeln zwar Jahreszahlen als zeitliche Einordnung. Jedoch findet er nicht ein geschriebenes Wort. Nur Symbole. Mit ihnen sind die Schüler in der Lage, die 800-jährige Geschichte des Klosters und seine Rolle in der jeweiligen Zeit zu erklären. Wie den anderen Gruppen gelang es den Dobbertinern, die Geschichte ihrer Schule konkret und real für sich selbst und andere erfahrbar zu machen. Für das Dobbertiner Team war aber noch etwas anderes von Bedeutung: „Wenn man zeigen kann, he’ schaut mal her, wir können auch was, dann ist das schon ein tolles Gefühl“, strahlt Elias.

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