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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

13. Dezember 2017 | 00:45 Uhr

Besuchermagnet : Dobbertin im Sommerglück

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

In diesem Jahr stand das Sommerfest des Diakoniewerks unter dem Motto „Reformation“

Dobbertin ist wieder einmal im Ausnahmezustand. Das Sommerfest der Diakonie mischt den beschaulichen Ort auf. Der Straßenrand auf der Achse zwischen Klosteranlage und Bundesstraße ist zwei Stunden nach der offiziellen Eröffnung um 12 Uhr bereits lückenlos von parkenden Autos besetzt. Im Schatten der Doppeltürme bummeln seit 10 Uhr sicher bereits Hunderte von Besuchern zwischen Bühne, Buden und Braukeller.

Das Fest ist ein Publikumsmagnet mit fixem Termin. An jedem dritten Juniwochenende liegt die sommerliche Festmeile der umgebenden Region im Klosterort und verzeichnet Jahr um Jahr Scharen von „Festpilgern“. Die Attraktivität dieses Events mag sich aus der Verbindung des ungewöhnlichen historischen Geländes mit dem liebevollen und nicht geringen Aufwand erklären, der hier von den leicht bis schwerer behinderten Bewohnern und von alles in allem an die 300 Mitarbeitern eingebracht wird. Heute also heißt es wieder: Der Höhepunkt des Sommers kann erklommen werden und das bei Sonne, wie fast immer zu diesem Fest.

Beginnen wir einen Rundgang über das Festgelände im Klostergebäude. Wie in jedem Jahr ist das große Tortenschlaraffenland im kühlen Kreuzgang aufgebaut. Die Verkäuferinnen hinter der Theke sind à la Mittelalter oder früher Neuzeit verkleidet, da sieht man exotisch alte Kopfbedeckungen und Gewänder und nebenan ist ein Lutherbild aufgebaut, allerdings ohne Gesicht. Wer es also mag, kann sein Antlitz unter der Lutherkappe platzieren und sich als Reformator fotografieren lassen. Ein kleiner Scherz, gedacht für Kinder. Auch Lutheranhänger zum Anmalen können hier erworben werden.

Die Reformation ist anlässlich ihres Jubiläums das Festthema in diesem Jahr. Und wie üblich wird es mit Kostümen und der Aufmachung der Buden illustriert. Da gibt es einen „Cranachstand“, „Katharina Luthers Pilgerküche“ mit „Wittenberger Würstchen“ oder den Stand „Luther in Italien“ mit Focaccia-Brot und einer Art Bolognese-Sauce. Mit der Zeit mischen sich auch immer mehr historisch verkleidete Heimbewohner unter die Menge und wer noch nicht wusste, warum im Anschluss an die Zuschauerränge vor der Bühne ein gewisses Areal abgetrennt worden war, erfährt es nun. Zwei Pferde traben herbei, in den Sätteln kühne Ritter. Es ist der Auftakt zu einem kleinen mittelalterlichen Stück mit integriertem Ritterkampf und wird nicht nur von den Bewohnern des Diakoniewerks gespielt, sondern ist von ihnen auch erdacht worden: Nach dem Willen des Burgherrn, mit Gattin und Tross ist er aufmarschiert, soll der Turniersieger Prinzessin Moni zur Frau bekommen. Im Kampf fällt schließlich einer getroffen vom Pferd, aber Moni will den Sieger gar nicht, sondern lieber den, der im Gras liegt. Dann sind alle zufrieden, tanzen und die Besucher müssen eine Gasse bilden, damit die Pferde wieder abgeführt werden können. Ein niedliches Stückchen, das die Aufmerksamkeit der Besucher natürlich mächtig in Bann schlug.

Viel Aufmerksamkeit erntet auch in diesem Jahr wieder die Trommelgruppe, die regelmäßig im sogenannten „Musikhaus“ übt, verrät der Musiker und freie Mitarbeiter Michael Engelberg, der über längere Strecken hinweg auch von der Bühne aus moderiert. Die Mitglieder der Gruppe haben sich als Gespenster verkleidet und trommeln, was das Zeug hält. Erstaunlich, wie diese relativ große Schar einen einheitlichen Rhythmus vorlegt. Auch die Dobbertiner Tanzgruppe, die sich regelmäßig trifft und zu den Festen etwas zeigt, wird noch ein Ergebnis ihrer Arbeit vorführen.

In diesem Rahmen kann von vielem, das zum Fest aufgeboten wurde, nicht berichtet werden. Nur eines noch: Wie in jedem Jahr wurden vom Geschäftsführer der Einrichtung, Hans Hopkes, die Mitarbeiter geehrt, die 10, 25 oder gar 40 Jahre die Treue gehalten haben. Das Gleiche galt auch für langjährige Bewohner. Die getreuen Mitarbeiter erhielten auf der Terrasse des Brauhauses zum Dank ein üppiges Frühstück und genossen es, die langjährigen Bewohner aber konnten sich vom Festplatz offenbar nicht losreißen. Nur einer erschien, aber immerhin: Steven Stolte, seit zehn Jahren in Dobbertin, erhielt von Hans Hopkes eine Treueurkunde – und strahlte.






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