Energiewende : „Dieses System ist krank!“

Umstritten: Windräder in MV
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Umstritten: Windräder in MV

Hanni Stolper, Bürgermeisterin in Gehlsbach, geht mit Windkraft hart ins Gericht und möchte Fragen zu Infraschall beantwortet wissen

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17. August 2015, 12:00 Uhr

Im Gegensatz zu vielen anderen sagt Hanni Stolper, Bürgermeisterin der Gemeinde Gehlsbach, ihre Meinung deutlich – auch zum Thema Windenergie: „Ich bin nicht grundsätzlich dagegen, aber wenn, dann soll man sie dort etablieren, wo weder Menschen noch die Natur beeinträchtigt werden. Diese Meinung überwiegt auch in unserer Gemeinde, weshalb wir den Beschluss gefasst haben, dass dort keine Windräder gebaut werden sollen. Wir stellen klar den Erhalt mehrerer kleiner Naturschutzgebiete in den Vordergrund.“ Erfreulicherweise habe sich auch Kreien dieser Auffassung angeschlossen. Dort befindet sich unter anderem der „Fledermaus-Bunker“ des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Unabhängig von der eingeschlagenen Richtung sei es allerdings wichtig, die Bevölkerung rechtzeitig aufzuklären, damit keine „wilden Gerüchte“ entstehen. Vor dem Ablehnungs-Beschluss in Gehls-bach habe es demzufolge im vergangenen Herbst eine gut besuchte Einwohnerversammlung gegeben.

Ziel sei, die mehreren kleinen Naturschutzgebiete zu einem großen zusammen zu fassen oder Kriterien zu gestalten, dass das Thema Bebauung wegen der damit verbundenen Bodenversiegelung ausgeschlossen ist. „Ausgesprochen merkwürdig ist, dass es zum Beispiel zwischen Ludwigslust und ehemaliger innerdeutscher Grenze – ein Gebiet mit kargen Böden – riesige Flächen gibt, auf denen nicht ein Windrad steht“, sagt Hanni Stolper. Die Energiewirtschaft fahre steigende „Riesengewinne“ ein, aber Strom werde immer teurer: „Das ist nicht mehr gesund und nicht nachvollziehbar!“

Eine Energiewende, so ehrlich sie vom Grundsatz her auch geplant sei, dürfe nicht zu Lasten der Menschen und der Natur stattfinden. Nach einer durchschnittlichen Standzeit von 20 Jahren verschwinde zum Beispiel zwar das Windrad wieder, doch sein riesiges Betonfundament bleibe im Boden. „Wer denkt sich so etwas aus, stimmt ihm zu und was hinterlassen wir nachfolgenden Generationen?“, fragt Hanni Stolper merklich aufgeregt. Das Problem sei, wenn – wie auch hier – viel Geld eine Rolle spiele. Von den Betreibern jedes Jahr zwischen 40 000 und 80 000 Euro Pacht pro Windrad für die Fläche bezahlen zu können, sei unvorstellbar und ebenfalls krank, aber Fördermittel machten es möglich – Steuergelder. „Und ich frage unsere Regierung: Welche Untersuchungen gibt es hier zum Thema Infraschall?“, so die Bürgermeisterin. „Dänemark etwa hat den Bau neuer Windräder zunächst auf Eis gelegt, bis es Erkenntnisse gibt, wie er sich auf den Menschen auswirkt. Bei uns hingegen existiert das Wort offiziell gar nicht!“

Wo letztlich Windräder gebaut werden, entscheidet in unserem Bereich der Regionale Planungsverband, besetzt mit dem Landrat und Mitgliedern der Landkreise Ludwigslust-Parchim, Nordwestmecklenburg sowie der Stadt Schwerin. Im Amt Eldenburg Lübz gibt es zum Beispiel auch für genannte Kommunen eine Projektgruppe, der neben den beiden Bürgermeistern die Amtsleiter Norbert Timm und Gerd Holger Golisz angehören. Mit Hilfe eines Planungsbüros arbeiten sie die Stellungnahmen aus und teilen sie dem Planungsverband mit. Eine Entscheidung sei nicht vor 2017 zu erwarten.

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