Sanierung der Plauer St. Marienkirche : Dieser Hahn treibts auf die Spitze

Er krönt den Plauer Kirchturm: Der Wetterhahn thront wieder über der Seestadt und setzt den Schlusspunkt unter die Bekrönungssanierung. Der Fördervereinsvorsitzende Dr. Axel Tohtz freut sich über die geglückte Turmerneuerung. Antje Bernstein
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Er krönt den Plauer Kirchturm: Der Wetterhahn thront wieder über der Seestadt und setzt den Schlusspunkt unter die Bekrönungssanierung. Der Fördervereinsvorsitzende Dr. Axel Tohtz freut sich über die geglückte Turmerneuerung. Antje Bernstein

Noch liegt er unbeachtet in der Ecke. Dabei gebührt ihm der Logenplatz von Plau. Bis der Wetterhahn aber an seinen angestammten Platz zurück kann, muss er sich noch etwas gedulden. Ein paar wenige Handgriffe fehlen noch.

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13. September 2012, 05:51 Uhr

Plau am See | Noch liegt er unbeachtet in der Ecke. Dabei gebührt ihm doch eigentlich der Logenplatz von Plau. Bis der Wetterhahn aber an seinen angestammten Platz zurück kann, muss er sich noch etwas gedulden. Ein paar wenige Handgriffe fehlen noch, dann ist die Sanierung der Bekrönung komplett und der Kupfergockel kann sich wieder auf der Spitze der St. Marienkirche drehen.

Seit 1871 thront der Hahn über den Dächern der Stadt. Nur dreimal musste er sein luftiges Nest in mehr als 40 Metern Höhe verlassen. Auch ein Wetterhahn braucht hin und wieder eine Schönheitskur. Die letzte hat ihm 1884 Dietrich Stadtkus verpasst. Damals als Klempnergeselle hat er den Hahn repariert. Noch heute prangt sein Name deutlich lesbar auf der von Grünspan verfärbten Schwanzfeder des Kupfergockels. Jetzt, wo das alte Federvieh auf der neuen Bekrönung platziert werden soll, will auch Dietrich Stadtkus den Aufstieg nochmals wagen - allerdings mit Komfort. Mit einem Aufzug an der Kirchenmauer geht es in die Höhe - alles voll elektronisch. Beim letzten Mal war der Weg zur Spitze für Dietrich Stadtkus nicht ganz so bequem. Durch ein Dachfenster kletterte Stadtkus damals auf den Kirchturm, nur gesichert durch ein Seil. "Da war hier kein Gerüst, gar nichts weiter. Es ging gleich auf die Kugel rauf", erinnert er sich. Die Gefahr, die hat er damals nicht gescheut. "Da hab ich mir gar keinen Gedanken drüber gemacht. Naja, wir haben’s ja überlebt - und gar nicht mal schlecht", sagt er und lacht.

Während der jetzigen Sanierung umspannt ein großes Gerüst den Kirchturm - mit Plattform auf der Spitze. Hier oben liegt einem die Seestadt zu Füßen. Am Gerüst lehnt Gerhard Unger. Der Kirchenälteste lässt den Blick über die Dächer schweifen. "Das ist eine einmalige Aussicht", sagt er. Da fällt der Abstieg schwer. Gerhard Unger hat den ersten Fuß schon auf der Leiter nach unten. Er hält noch einmal inne. "Ich kann mich nicht vom Blick losreißen. Hier kommen wir doch die nächsten hundert Jahre nicht mehr rauf", sagt Unger und lacht.

Der Ausblick vom Kirchturm, die sanierte Bekrönung, die Vollendung des Turms - für den Förderverein St. Marien ist es die Belohnung für ein überstandenes Jahr voller böser Überraschungen. Die Sanierung - allem voran die der Bekrönung der Kirche - hatte den Vereinsmitgliedern einiges Kopfzerbrechen bereitet. Erst nachdem die Bauarbeiter die Eindeckung entfernt hatten, zeigte sich, dass kleinere Reparaturen hier nicht ausreichen. Auch das Mauerwerk war in Mitleidenschaft gezogen worden. "Keiner hatte damit gerechnet, dass die Bekrönung in einem so schlechten Zustand ist", sagt Dr. Axel Tohtz,Vorsitzender des Fördervereins St. Marien. Witterungsschäden machten die Komplettsanierung nötig. Damit steigen die Kosten. Statt der bislang kalkulierten 230 000 werden nun 310 000 Euro fällig. 30 000 Euro hat der Förderverein bereitgestellt, für die verbleibende Summe bemühen sich die Ehrenamtler um Spenden und Patronatsmittel.

Auch wenn die Finanzierung noch nicht endgültig steht: Die Bekrönung ist vollendet und der Wetterhahn soll schon heute zurück an seinen angestammten Platz. Thronen wird der Kupfergockel auf einem besonderen Nest: Die Kugel, auf der er bislang angebracht war, kommt wieder auf den Turm - allerdings mit neuem Inhalt. "Was unsere Vorfahren da rein getan haben, haben wir drin gelassen und nicht angeguckt. Wir haben aber selbst eine Kupferhülse dazu gelegt", sagt Pastor Stephan Poppe. Darin enthalten sind neben einer Sonderprägung der Zwei-Euro-Münze und einem Schreiben über Geschehnisse in der Stadt- und Kirchgemeinde auch eine Gedenkmedaille zum 400-Jahr-Jubiläum der Plauer Schützenzunft 1612, ein Holzfisch und ein Taler, der an den 775-jährigen Stadtgeburtstag erinnert.

Bis Ende des Monats soll das Turmdach komplett und alle Dachsteine verlegt sein. Im Oktober weichen die ersten Gerüste. Dieser Bauabschnitt ist dann zwar durch, die Schönheitskur für Plaus Grand Dame damit aber noch längst nicht vollendet. Mit der Innensanierung von St. Marien soll es weitergehen. "Mal sehen, vielleicht schaffen wir es übernächstes Jahr - wenn wir genug Geld haben", sagt Pastor Stephan Poppe.

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