Handwerk : Die Wirtschaftsmacht von nebenan

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Das Handwerk: Im Landkreis Ludwigslust-Parchim ist dieser Bereich weiter gewachsen, so zeigt es die Statistik

„Handwerk – die Wirtschaftsmacht von nebenan“, zahlenmäßig ist sie im Kreis Ludwigslust-Parchim weiter gewachsen: 2216 Handwerksbetriebe sind in der jüngst veröffentlichten Handwerkszählung erfasst worden. 13 484 Menschen finden bei ihnen Ein- und Auskommen. Der Umsatz ist im Vergleich zum vorhergehenden Erfassungsjahr allerdings um 38,36 Millionen Euro gesunken. Zum Vergleich: Das Verarbeitende Gewerbe, sprich die Industrie, kam bei uns zur gleichen Zeit auf 148 Betriebe und 12 398 Beschäftigte. Die 1,119 Milliarden Euro Umsatz, die die Handwerksbetriebe meldeten, entsprechen dabei 43,3 Prozent des industriellen Umsatzes.

Das Handwerk hat in Deutschland mehrere Rollen: Es ist Konjunkturmotor und Jobmotor, sorgt beispielsweise dafür, dass ein Problem unbekannt ist, das ansonsten in Europa Probleme macht: Jugendarbeitslosigkeit. In manchen Gewerken mangelt’s eher an Azubis.

Handwerk reicht vom Ein-Mann-Betrieb bis zur Großfirma, hat aber immer einen Hauch Familienbetrieb: Danach richtet sich auch die Handwerkszählung. Erstens beim Tempo, frisch veröffentlicht haben die Statistischen Landesämter die Zahlen fürs Wirtschaftsjahr 2012, die 2013er-Zahlen sind noch in der Mache. Zweitens bei der Zählung selber. Im Handwerk im Kreis Ludwigslust-Parchim gibt es wie gesagt 13 484 „tätige Personen“. Darunter fallen Chef, Familienangehörige, Arbeitnehmer. Werden nur die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten für sich genommen, liegt deren Zahl bei 9988. In der vorhergehenden Handwerkszählung sind es 10 048 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gewesen, sprich 20 036 mehr.

Der Umsatz, den die gezählten Handwerksbetriebe im Kreis Ludwigslust-Parchim zuletzt meldeten (und versteuerten), lag bei 1,119 Milliarden Euro. Im Jahr davor waren es noch 1,157 Milliarden Euro gewesen. Im Schnitt steht ein Beschäftigter derzeit für 82 963 Euro Umsatz (Vorjahr: 84.443) Euro. Im Bundesdurchschnitt betrug der Umsatzwert pro Kopf im Handwerk 100 426 Euro.

Nicht überall wo Handwerk drauf steht, steckt freilich ein Meister drin. Obwohl der Meister in Deutschland für handwerkliche Qualität steht. Es gibt auch sogenannte „zulassungsfreie“ Gewerke. Wer meint, er kann Fliesen legen, darf legen. Schuhmacher, Geigenbauer und Gebäudereiniger, selbst Bestatter und Kosmetiker eint die Zulassungsfreiheit. Im Kreis Ludwigslust-Parchim arbeiten derzeit 361 zulassungsfreie Betriebe. Die weit größere Zahl, nämlich 1855 Handwerksbetriebe, haben einen oder mehrere Meister. Teilen wir die Beschäftigten auf, sind in den zulassungspflichtigen Handwerksbetrieben 11 688 Menschen tätig. Von denen sind 9006 oder (77,1 Prozent) sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Minijobber oder sonstige geringfügig Beschäftigte stellen mit 720 Menschen rund 6,2 Prozent. Der Umsatz der Meisterbetriebe lag zuletzt bei 1047 Millionen Euro oder 93,6 Prozent.

Zulassungsfreie Handwerksbetriebe machten im Kreis Ludwigslust-Parchim 71,7 Millionen Euro Umsatz. Hier sind 1796 Menschen tätig. Von denen sind 982 (oder 54,7 Prozent) sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Minijobber oder sonstige geringfügig Beschäftigte sind 445 oder rund 24,8 Prozent.

Wie es mit den Qualifikationsanforderungen weitergeht, wird im Frühjahr 2016 feststehen. Bis dahin werden die EU-Mitgliedsstaaten „alle ihre reglementierten Berufe überprüfen müssen, was für die nationalen Verwaltungen einen erheblichen Arbeitsaufwand bedeutet“, heißt es bei der EU-Kommission. Diese wird hierzulande kritisiert, weil sie den Meisterbrief abschaffen wolle. Sie sieht’s aber so, dass da die Bundesregierung zuständig ist: „Im Rahmen dieses Prozesses sollen die Mitgliedstaaten 2016 die Zugangsbegrenzungen für bestimmte Berufe gegenseitig evaluieren“, heißt es offiziell bei der EU. Aus deutschen Meistern Europameister zu machen, ist also ein Job für Angela Merkel.  

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