Arbeitsmarkt : Die schwierige Suche nach Azubis

Hotelangestellte Nadin Abraham (l.) und Marianne Siepel arbeiten schon mehrere Jahre im Hotel Marianne von Marco Storm (m.). Neue Azubis hatten sie schon drei Jahre nicht mehr.
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Hotelangestellte Nadin Abraham (l.) und Marianne Siepel arbeiten schon mehrere Jahre im Hotel Marianne von Marco Storm (m.). Neue Azubis hatten sie schon drei Jahre nicht mehr.

103 Lehrstellen sind in der Region vor Ausbildungsbeginn noch nicht besetzt. Vor allem das Gastronomie- und Hotelgewerbe kämpft weiter mit dem Fachkräftemangel.

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31. Juli 2014, 22:00 Uhr

Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres werden noch zahlreiche Azubis in der Region gesucht. Vor allem im Gastronomie- und Hotelgewerbe sind viele Lehrstellen unbesetzt – ein Problem, vor dem die Hotelbranche schon länger steht. „Ich habe im vergangenen Jahr meine beiden letzten Azubis gehen lassen“, erzählt Marco Storm, Inhaber vom Hotel Marianne und dem Restaurant „Kiek In“ in Plau am See. „Beide wollten lieber in der Großstadt arbeiten.“

Der Fachkräftemangel ist ein riesiges Problem, vor dem viele Unternehmen stehen. „Ich bilde seit 1991 aus“, so der gelernte Koch. Auf eine Stelle haben sich vor einigen Jahren noch 30 bis 40 Auszubildende beworben. „Heute kann ich nicht mal mehr nach der Leistung gehen, ich bin froh, wenn sich überhaupt jemand bewirbt.“ Hauptverantwortlich für diese Entwicklung ist u.a. der demografische Wandel. Durch die sinkende Geburtenrate verliert die Bundesrepublik sukzessive an Einwohnern und die deutsche Bevölkerung wird immer älter. „Die geburtenschwachen Jahre machen sich deutlich bemerkbar“, so Storm. Zudem komme das Problem, dass das Gastronomie- und Hotelgewerbe saisonabhängig sei und die Arbeitszeiten keinem typischen acht-Stunden-Job gleichen. „Man kann nicht einfach sagen, ich mach jetzt Feierabend, wenn der Gast noch nicht fertig ist.“ Der Job erfordere Flexibilität. „Man muss einfach wollen“, doch das sieht Marco Storm bei vielen Lehrlingen nicht.


Nachfrage nach Fachkräften weiter hoch


Laut Arbeitsmarkt-Bericht im Geschäftsstellenbereich Lübz ist die Nachfrage nach Fachkräften im im HOGA – Servicekräfte und Köche weiterhin hoch. Auch im Gesundheits- und Sozialwesen ist es schwer, Stellenangebote zu besetzen. Die Nachfragen im Baugewerbe sind zum Saisonendspurt auf einem hohen Niveau. Arbeitgeber suchen noch kurzfristig Fachkräfte. Hier kommt es für Arbeitnehmer durch kurze Kontakte schnell zur Arbeitsaufnahme, oft ist in der Baubranche jedoch die Bereitschaft zum Ausliegen gefordert.

Die Arbeitslosigkeit in der Geschäftsstelle Lübz ist von Juni auf Juli um drei auf 301 gestiegen. Das sind 44 Arbeitslose weniger als im Vorjahresmonat. Es meldeten sich 94 Personen (neu oder erneut) arbeitslos, drei mehr als vor einem Jahr. Gleichzeitig beendeten 86 Personen ihre Arbeitslosigkeit (+8).

Die Fachkräftesicherung bleibe die Herausforderung der kommenden Jahre, so Dennis Mundt, Arbeitsvermittler und stellvertretender Teamleiter der Arbeitsagentur Parchim. Mit dem demografischen Wandel werden diese Probleme eher noch zunehmen. „Um den Unternehmen gut qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung zu stellen, können unsere Kunden durch Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen gefördert werden“, so Mundt weiter. Neben der Erwachsenen-Qualifikation bestehe für junge Menschen die Möglichkeit, durch eine Ausbildung ein Berufsabschluss zu erwerben. Noch in diesem Ausbildungsjahr sind in der Agentur für Arbeit Lübz 103 offene Ausbildungsstellen gemeldet. Darunter zählen Ausbildungen als Hotelfachfrau, Koch, Restaurantfachfrau, Kauffrau Einzelhandel oder in der Landwirtschaft.


Unterstützung aus dem Ausland


Auch Marco Storm konnte noch keine ausgeschriebene Stelle in seinem Haus besetzten. „Es haben sich einige beworben, doch keiner kam zu den Vorstellungsgesprächen“, so der Unternehmer. Ab heute bekommt der Hotelier Unterstützung aus dem Ausland. „Es hat sich ein ungarischer Azubi bei uns gemeldet“, so Koch. Dass die junge Frau nun eine Lehre im Hotel Marianne beginnt, habe sich ganz spontan ergeben. „Sie war bereits in Plau und hat hier drei Monate ein Praktikum gemacht“, erzählt Marco Storm. Daraufhin wollte die Ungarin nun eine Ausbildung beginnen und entschied sich, weitere drei Jahre in Plau zu bleiben. „Ich weiß, viele Unternehmen in der Region haben bereits ausländische Azubis, und dass mit guten Ergebnissen“, so Storm. Für die Zukunft sieht Storm verstärkt ausländische Arbeits- und Fachkräfte in Unternehmen, jedoch hoffe er auch, dass die geburtenschwachen Jahrgänge bald vorbei seien, um auch selbst wieder ausbilden zu können.

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