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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

15. Dezember 2017 | 07:35 Uhr

Geschichte : Die „Scherperseik“ von Spendin

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Ein Naturdenkmal an der Landstraße nach Lohmen geht auf eine Sage zurück / In einer weiteren Geschichte schreibt Horst Alsleben

Schon vor 750 Jahren gehörte auch die an der Landstraße zwischen Dobbertin und Lohmen liegende Ortschaft Spendin zum Kloster Dobbertin. Nach dem Dreißigjährigen Krieg hatte dort das Klosteramt eine Meierei als Nebenhof von Dobbertin eingerichtet. Ab 1751 lebten auf dem Hofe Spannin der Verwalter Friedrich Wiencke mit einem Schäfer und zwölf Landarbeitern. Sein Verwalterhaus wurde drei Jahre später mit Ziegelsteinen aus der klostereigenen Ziegelei Lähnwitz am Garder See errichtet. Heute sind vom Gutshaus nur noch die Fundamente des Eiskellers zu sehen.

Ab 1796 war dann Hartwig Lierow der Gutspächter zu Spendin. Die Lierows, besonders die beiden Söhne Ludwig und Gustav, sollten über Jahrzehnte Klostergeschichte schreiben. Ihre Nachfahren leben heute noch in der Schweiz. Die Söhne bekamen Privatunterricht mit den Kindern des Klosterhauptmanns Ferdinand von Raven im Amtshaus des Klosters. Bei Wind und Wetter ging man den zwei Kilometer langen Landweg von Spendin in Holzpantoffeln. Ludwig Lierow war danach fast 40 Jahren der Amtsschreiber und Actuar beim Klosterhauptmann Julius Freiherr von Maltzan in der Dobbertiner Klosterverwaltung.

Der jüngere Gustav Lierow blieb 53 Jahre lang Pastor in Lohmen, einer der Dobbertiner Patronatskirchen. Auch die Klosterdamen mochten ihn sehr gern, denn er konnte immer so schön predigen. Mit seinem Studienfreund John Brinckman, der ab 1844 eine Hauslehrerstelle beim Dobbertiner Klosterhauptmann Peter Baron von Le Fort hatte und danach Privatlehrer in Goldberg war, schrieb er gemeinsam Gedichte.

Doch was hat nun die schon einige hunderte Jahre alte Eiche mit dem Dobbertiner Kloster zu tun? Diese steht westlich von der Ortschaft Spendin an der Landstraße von Dobbertin nach Lohmen und ist durch die Geschwindigkeitsbegrenzug auf diesem Straßenabschnitt gut zu sehen. Etwas weiter westwärts befindet sich auf einer Anhöhe in den Spendiner Tannen auch der Dobbertiner Gerichtsberg.

Nach dem Volksmund und einer alten Sage wird die Eiche heute noch Schäfereiche, auf Plattdeutsch „Scherperseik“ genannt. Einer Sage nach soll ein Fremder ein Pferd vom Klostergut gestohlen haben und wurde vom Landreiter, dem Gendarm des Klosters, mit mehreren Helfern verfolgt. Der Pferdedieb traf auf der Weide zwischen Spendin und dem Spendiner See den Schäfer. Er bat dort den Schäfer für eine kurze Zeit auf das Pferd zu achten, da er schnell seine Notdurft verrichten müsse. Die Häscher kamen heran, sahen den Schäfer mit dem gestohlenen Pferd und ergriffen ihn als vermeintlichen Dieb. Doch dieser war spurlos verschwunden. Obwohl der Schäfer ständig seine Unschuld beteuerte, wurde er vom Klosteramtsgericht in Dobbertin wegen Pferdediebstahl zum Tode verurteilt.

Auf dem Wege zum Gerichtsberg in den Spendiner Tannen stieß der Schäfer seinen Stecken, ein Handstock, tief in die Erde und rief dabei: „So wahr ich unschuldig bin, so wahr wird dieser Stecken ausschlagen.“ Kaum war der Schäfer hingerichtet, trieb der Handstock aus Eiche Blätter und Zweige und wurde bald eine stattliche Eiche.
Die Eiche hat nun schon einen Stammumfang von über sieben Metern und ist heute ein geschütztes Naturdenkmal.

Auch am Landweg vom Kloster Dobbertin nach Goldberg soll nahe dem Goldberger See eine urige Eiche gestanden haben, die „Kreihneik“ genannt wurde. Darüber gäbe es auch eine geheimnisvolle Geschichte zu berichten.

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