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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

20. November 2017 | 09:08 Uhr

Bürgermeisterwahl : Die Neu Poseriner ins Boot holen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Für mehr Bürgerbeteiligung will sich Hannah Kirchmeier einsetzen, wenn sie am 4. September die Bürgermeisterwahl gewinnt

svz.de von
erstellt am 01.Sep.2016 | 12:00 Uhr

Eine weitere Entscheidung steht am 4. September auch in Neu Poserin an. Wer wird Bürgermeisterin? Zwei Frauen stellen sich zur Wahl: Hannah Kirchmeier und Kerstin Schünemann. Hannah Kirchmeier stammt aus Niedersachsen, vor gut acht Jahren zog sie nach Neu Poserin, engagiert sich in der Gemeindevertretung, hat im Dorf eine kleine Bücherei aufgebaut. Soziales und kulturelles Engagement sind ihr wichtig. Im Interview mit SVZ-Redakteurin Sabrina Panknin bezieht Hannah Kirchmeier Stellung.

Frau Kirchmeier, warum kandidieren Sie als Bürgermeisterin in Neu Poserin?
Hannah Kirchmeier: Ganz einfach, ich habe in meinem Ruhestand die Zeit dazu. Außerdem finde ich die Aufgabe interessant. Ich habe mich schon immer kulturell und sozial engagiert, vor allem sozial. Ich denke, dass ich diese Aufgaben von meinen Interessen her gut bewältigen kann.

Sie sind vor einigen Jahren von Niedersachsen hierher nach Neu Poserin gezogen. Wie hat sich aus Ihrer Sicht die Gemeinde in diesen Jahren verändert?
Als ich vor fast acht Jahren hergezogen bin, gab es noch viele Kinder und Jugendliche im Vergleich zu heute. Zwischendurch gab es fast keine mehr. Wir mussten leider auch den Kindergarten schließen. Doch glücklicherweise sind etliche der alten und leer stehenden Häuser mittlerweile wieder bewohnt. Einige junge Familien mit Kindern sind zugezogen, die gleich frischen Wind mit in die Gemeinde bringen.
Es gibt allerdings sonst wenig, was die Menschen in den Dörfern als eine Gemeinde zusammenhält. Es finden keine Feste oder sonstige gemeinschaftstiftende Aktionen statt, sieht man einmal von dem schönen bis über die Regionalgrenzen hin bekannten Heideblütenfest, den Frauentags- und Weihnachtsfeiern ab.

Frau Kirchmeier, Sie sind Pflegelotsin im Amt Goldberg-Mildenitz, engagieren sich sozial, geben Flüchtlingen Deutschunterricht. In Neu Poserin haben Sie auch eine kleine Bücherei aufgebaut. Der Natur- und Umweltschutz liegt Ihnen ebenfalls sehr am Herzen – gegen den Bau von Hähnchenmastanlagen haben Sie gekämpft. Warum machen Sie all diese Dinge?
Das ist für mich selbstverständlich. Das habe ich schon immer gemacht. Ich selbst habe zwar keine Kinder. Dennoch sehe ich es als meine Pflicht an, mich zu engagieren und etwas zu bewirken, was nicht nur die Gegenwart, sondern auch nachfolgende Generationen betrifft. Ich möchte später nicht gefragt werden, „Warum habt ihr nichts gegen Umweltverschmutzung, Ausbeutung der Natur, Flüchtlingselend getan. Habt ihr nichts davon gewusst?“
Meine Eltern haben mich und meinen Bruder nach dem Grundsatz des Teilens erzogen und danach zu schauen, wie anderen Menschen, denen es nicht so gut ging wie uns, zu helfen. Somit habe ich mich schon immer engagiert, auch in den Ländern, in denen ich gelebt habe, zum Beispiel in der Kuba-Hilfe. Jetzt lebe ich ganzjährig in Deutschland, also engagiere ich mich hier. Das gehört zu meiner Natur.

Kommen wir zu den Gemeinde-Finanzen. Neu Poserin hat einen unausgeglichenen Haushalt. Woran liegt das?
Das ist sicherlich in großen Teilen der Kreisumlage geschuldet und auf den Straßenbau in den zurückliegenden Jahren zurückzuführen. Das hat sogar zu einer Haushaltssperre geführt. In meinen Augen passt es nicht zusammen, wenn wegen des Straßenbaus nicht mal mehr 50 Euro Begrüßungsgeld und ein Blumenstrauß für die Mama da sind. Die Vereine, die sehr wichtig sind für die Gemeinschaft in einer Gemeinde, dürfen keinen noch so geringen Zuschuss für ihre Feste erhalten.

Was halten Sie von Gemeinde-Fusionen?
Davon halte ich überhaupt nichts. Durch zentrale Regierung wird der Gemeinde die Eigenbestimmung genommen.

Wofür wollen Sie sich stark machen?
Ganz klar für mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz. Aus meinem Blickwinkel ist das auf der Strecke geblieben. Wichtige Entscheidungen müssen mit den Einwohnern unserer Gemeinde direkt besprochen werden.
Ich würde mich über neue Ideen um, in und für unsere Gemeinde freuen und rufe alle Neu Poseriner und auch Feriengäste auf, mich daraufhin anzusprechen.

Was wollen Sie als Bürgermeisterin ändern?
Auf alle Fälle möchte ich für ganz viel Transparenz sorgen. Und immer im Gespräch mit den Bürgern sein. Ich möchte sie mit einbeziehen, schließlich sind sie nicht nur Bürger, sondern auch Steuerzahler. Da ist es wichtig, dass die Bürger aktiv bei Entscheidungen einbezogen werden.
Abschließend noch eine Frage: Wenn Sie zur Bürgermeisterin gewählt werden, müssen Sie auch mit der Amts- und Kreisverwaltung zusammen arbeiten.

Was wünschen Sie sich von Verwaltungen?
Ich wünsche mir auch von den Verwaltungen mehr Bürgernähe und Transparenz. Und, dass in entscheidenden Momenten über den Tellerrand geschaut wird. Sicher, Ämter und Verwaltungen sind an Gesetze gebunden. Aber es gibt Ermessensspielräume, die auch von Verwaltungen genutzt werden können. Ein wichtiger Grund für die weitverbreitete Politikverdrossenheit ist, dass die Menschen ständig meinen, es würde meistens über ihren Kopf hinweg entschieden und sie könnten sowieso nichts ändern. Da haben sie auch oft nicht Unrecht. Große Politik hinkt oft der Realität hinterher. Das muss nicht sein. Und schon gar nicht in unserer Gemeinde.
 

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