Naturschutz : Die Luftakrobaten von Wooster Teerofen

Diese kleine Fransenfledermaus ist aus diesem Jahr. Das erkennt  Fledermausexperte Ralf Koch an den Flügeln.
Diese kleine Fransenfledermaus ist aus diesem Jahr. Das erkennt Fledermausexperte Ralf Koch an den Flügeln.

Zahlreiche Arten von Fledermäusen sind in den Wäldern des Naturparks zu Hause

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23. Juli 2014, 22:00 Uhr

Vorsichtig schiebt Ralf Koch ein dünnes Tuch in den Schlitz des Fledermauskasten. „Das ist jetzt so, als würde man uns morgens um halb vier aus dem Schlaf reißen“, erzählt der Fledermausexperte. Dann nimmt er den Kasten vom Baum und setzt sich auf den Fußboden. Die Fledermäuse müssen nun aus dem Kasten geholt werden – in so einen Kasten passen gut 100 Fledermäuse. Mit Hilfe eines Schraubenziehers soll die Behausung geöffnet werden. Doch leider klappt es nicht. Der richtige Schraubenzieher aber fehlt. Kasten Nummer acht bekommt ein Netz übergestülpt und Helfer Michael Kretzschmar verfrachtet das Fledermaus-Zuhause in den Wagen. Dann geht’s weiter. Kasten Nummer sieben wird vom Baum geholt. Diesen kann Ralf Koch problemlos öffnen. Mit einem Draht versucht Ralf Koch die Tiere vorsichtig nach oben zu schieben. „Jetzt darf nur keine Hektik aufkommen. Das spüren die Tiere sofort“, erläutert er sein Vorgehen. Wenn der Draht nicht hilft, dann kommt die Schüttelmethode, aber immer ganz vorsichtig und behutsam.

Schon fiept es im Wald von Wooster Teerofen. Einige Fledermäuse sind flink, wollen wegfliegen. Doch Ralf Koch kennt die Tiere sehr gut. Eine schnelle Reaktion und schon liegt die Fledermaus in seiner Hand. Vorsichtig betrachtet er das Säugetier der Lüfte. Die Fledermaus zeigt ihre kleinen Zähne, hat den Mund geöffnet. Vorsichtig zieht der Fledermausexperte vom Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide den Flügel auseinander. „Dies ist eine Fransenfledermaus, könnte von diesem Jahr stammen. So sieht es zumindest aus“, erzählt Ralf Koch.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es mehrere Arten von Fledermäusen. Ralf Koch kennt sie alle. „Diese Fledermaus hier ist eine typische Waldfledermaus. Sie wird auch als Cleaner bezeichnet. Sie kreist in der Nacht wie ein Hubschrauber über dem Wald und säubert die Blätter“, erläutert Ralf Koch.

Gut verpackt in einem netzähnlichen Sack klettern die Fledermäuse während der Rückfahrt zur Naturschutzstation nach oben. Sie fiepen vor sich hin. Ein leiser quietschender Ton erfüllt den Kofferraum. Oben angekommen, hängen sie sich kopfüber wieder zum Schlafen auf. Diesen Tag werden die Luftakrobaten wohl nicht vergessen. Doch dieser Tag ist immens wichtig – für die Fledermausforschung. Denn alle Fledermäuse, die noch keinen Ring um ihren Flügel haben, bekommen heute einen. „Zwei Wochen im Sommer machen wir diese Beringungsaktion. Daran können wir erkennen, wie weit die Tiere sich von Wooster Teerofen entfernen, wie alt sie sind und vieles mehr, notieren wir nachher in der Station“, erklärt Ralf Koch. Doch zunächst werden alle Fledermauskästen, die im Wald von Wooster Teerofen hängen, aufgesucht und abgenommen.

Nachdem die Fledermäuse aus Kasten sieben und acht in der Schutzstation abgeliefert wurden, geht die Tour weiter. Ralf Koch und Michael Kretzschmar sind nicht allein unterwegs. Eine Gruppe von Fledermausleuten aus Thüringen ist derzeit ebenfalls vor Ort.

Im Garten der Schutzstation haben sie ihre Zelte aufgeschlagen. Das Beringungsprogramm gibt es schon viele Jahrzehnte lang. Die Zusammenarbeit zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen besteht seit nunmehr 30 Jahren. Erst vor Kurzem wurde die Naturschutzstation feierlich eröffnet und eingeweiht – jetzt besteht es unter dem Namen Gerhard-Cornelssen-Haus. Dort treffen sich die Fledermausforscher aus Thüringen und Mecklenburg. Der perfekte Ort für die Fledermausforschung ist die Naturschutzstation in jedem Fall. „Unsere ersten Bewohner hier in der Naturschutzstation waren Fledermäuse“, erzählt Ralf Koch und lächelt. „Hier an der Hauswand haben wir kleine Schlitze gelassen, dort können sie hinein.“ Wer eine Fledermaus bei sich am Haus entdeckt, sollte aber nicht hektisch werden. Denn die Säugetiere der Lüfte sind sehr sensible Tiere. „Fledermäuse suchen sich nur gesunde Häuser aus, die klimatisch gut sind und vor allem nicht mit irgendwelchen Schadstoffen belastet sind“, erklärt der Fledermausexperte.

Nach dem Mittagessen ist es dann soweit. Alle Fledermäuse werden angeschaut. Diejenigen, die noch keinen Ring haben, bekommen nun einen verpasst. Für diese Fledermäuse geht es dann zurück in den Wald. Die Beringungsaktion findet in dieser Woche ihr Ende – erst einmal. Im kommenden Jahr geht es weiter. Dann werden die Jäger der Nacht wieder geweckt – im Sommer 2015 am helllichten Tag fiept es dann wieder im Wald von Wooster Teerofen.


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