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BI ProSchiene Südbahn : „Die Lampen brennen weiter“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Jahresrück- und Ausblick mit Clemens Russell, Sprecher der für den Südbahn-Erhalt kämpfenden Bürgerinitiative „ProSchiene“

von
erstellt am 05.Jan.2015 | 20:45 Uhr

Ob aus Erlangen, Hamburg, Berlin oder Köln – von überall hat Clemens Russell, Sprecher der seit September 2013 um den Fortbestand der Südbahn kämpfenden Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene“, Post erhalten: Anerkennung für den erzielten Erfolg, dass bis auf weiteres zwischen Parchim und Malchow Züge verkehren. „Die Lampen brennen weiter!“, sagt Russell und lächelt.

Überregional werde ebenso darauf geschaut, was in Lübz geschehe. Dabei ist Russell wichtig, auf die breite Unterstützung in Städten, Kreisen, kleineren Kommunen, von Unternehmen, Kirchen und engagierten Bürgern hinzuweisen. Rund 7500 gesammelte Unterschriften seien eindrucksvoller Beleg für die breite Unterstützung.

Das freiwillige Engagement sei „auch bei Wind und Wetter stark“. Seit September 2013 findet an jedem letzten Freitag im Monat die „Rote Laterne“ genannte Demonstration hauptsächlich auf dem Lübzer Bahnhof statt. Im Laufe der Zeit hat die Beteiligung zugenommen. Die BI habe das Thema Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) in die Diskussion gebracht. Allerdings könne niemand auf den jetzt zustande gekommenen Parallelverkehr von Bus und Bahn stolz sein: „Der ist Schwachsinn!“

Die BI sei kein Miesepeter, ein großer Nachteil bestehe jedoch darin, dass ein landesweit mehrfach, etwa in Bus und Bahn gültiges Ticket weiterhin fehle. In Brandenburg etwa sei es längst eingeführt. Nicht nur häufige Bahnnutzer unterstützten die BI. Das Bündnis gegen die beabsichtigte Teilschließung sei breit, was die Sensibilität des Themas belege.ren, passe nicht in die Zeit.

Um Menschen mehr Lust aufs Bahnfahren zu bereiten, sei u.  a. der (Wieder-)Anschluss der Tourismusme-tropole Plau am See überfällig. Ein weiterer gravierender Missstand bestehe darin, dass man mit dem Schleswig-Holstein-Ticket vergleichsweise günstig nach Mecklenburg-Vorpommern komme, umgekehrt sei es jedoch „richtig teuer“, was unbedingt so schnell wie möglich verändert gehöre.

Russell, der schon europaweit in Metropolen gearbeitet hat und sich selbst für einen genauen, kulturell und sozial interessierten Beobachter hält, wisse, wie sich das Benutzerverhalten von Menschen verändere. Die Bahn könne davon profitieren. In unserer Region sei der Schienenausbau bis auf einen kleinen Raum um Karow herum vorbildlich. „Ein Wahnsinn, das stillzulegen!“, meint der Sprecher. „Die Bahn ist zudem generell das mit Abstand sicherste Verkehrsmittel und bietet darüber hinaus hinsichtlich der Pünktlichkeit höchste Qualität.“

Auch der 61-Jährige sehe die etwa durch Wegzug junger Leute entstehenden Probleme, entdecke aber auch immer wieder Dynamik. Es sei nicht in Ordnung, alles kleinzureden: „Unternehmen etwa geht es oft gut und Plau am See ist eine bezahlbare Tourismus-Perle, um nur zwei Dinge von vielen zu nennen. Mit dem Kampf um die Südbahn halten wir uns die Option für eine positive Entwicklung offen. Wir lassen uns nicht abhängen! Die Entscheidung etwa, in die Lübzer Region zu ziehen, hängt sehr oft auch davon ab, ob eine Bahnstrecke existiert.“ Andere Regionen fingen erst damit an, die Bahn als moderne Mobilitätsform zu etablieren.

„Behindertengerecht, ökologisch, die Straßen entlastend, um noch ein paar Dinge zu sagen“, so Russell. „Damit die Leute mehr Zug fahren, gibt es allerdings noch viel zu tun. Dafür müssen die Angebote entsprechend aufeinander abgestimmt und bezahlbar sein.“

Bezüglich der Bürgerinitiative sei der Sprecher mit dem erzielten Ergebnis insgesamt zufrieden, wenngleich die Zerstückelung der Verbindungen keinesfalls auf Dauer so bleiben dürfe. „Wer zum Beispiel von Lübz nach Ludwigslust oder Schwerin fahren möchte, muss jetzt in Parchim von der Hanseatischen Eisenbahngesellschaft in die ODEG umsteigen und für die kleine Teilstrecke ein Extra-Ticket lösen, was zu umständlich ist“, sagt Russell. „Außerdem gibt es in Malchow keinen direkten Umsteigeanschluss in Richtung Rostock.“

In der BI sei im Laufe der Zeit eine hohe Fachlichkeit zum Thema ÖPNV entstanden, die jedoch weder von der Kreisverwaltung noch landesseitig genutzt werde. Allein zu der im Internet veröffentlichten Petition gab es 360 Kommentare. Viele fordern den Erhalt lokaler Mobiliät auch für eine gute Tourismusentwicklung und übten Kritik an der Verkehrspolitik des Landes.

 

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