Plau am See : Die Kunst der leisen Töne

Das Duo Kirchhof
Das Duo Kirchhof

Das Duo Kirchhof zeigte eindrucksvoll das Lautenspiel in der St. Marienkirche Plau am See während des Plauer Musiksommers

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16. August 2016, 12:00 Uhr

Zur Ruhe kommen – das war das Motto des Musiksommerkonzertes in der Plauer Marienkirche. Die Laute, so erfuhr man durch den Moderator Lutz Kirchhof, war das am weitesten verbreitete Instrument der Renaissance. Die Lautenisten waren die höchstangesehenen Musiker ihrer Zeit. Martin Luther, selber Lautenspieler, schätzte die intimen Töne des Instrumentes höher als Orgel oder die damaligen Holz- und Blechblasinstrumente, die er als „Kriegsgeschrei“ verachtete. Dabei war die Kunst des Lautenspiels ein höchst differenziertes und enorm schwieriges Handwerk, von den Zünften der Musiker als geheime Schätze gehütet und nur Eingeweihten weitergegeben. Die Künstler waren die bestbezahlten Angestellten an den Höfen und konnten sich herausnehmen, mit den Fürsten an der Tafel zu speisen.

Dass diese Musik in der Lage ist, Menschen zu sich selber finden zu lassen, konnte man in der St. Marienkirche Plau am See bei dem Spiel des Duo Kirchhof – der Lautenist Lutz Kirchhof (Renaissance- und Barocklaute), die Gambenistin Martina Kirchhof (dreierlei Gamben) – erahnen. Es war ein so krasser Gegensatz zu all den lärmenden Arten von Musik – nicht einmal nur den ohrenbetäubenden elektronischen Gewalten, sondern auch zu dem heute üblichen barocken halsbrecherischen Virtuosentum, dass man zunächst seinen Ohren nicht trauen wollte, so zarten Tänzen wie denen von Hans Judenkönig (um 1450-1526) oder dem Wiener Ferdinand Ignaz Hinterleitner (1659-1710) sich zu öffnen. Bald aber übertrug sich die Intimität auf die Zuhörer und schlug sie in ihren Bann. Neben weltlichen Liedern und Tänzen hörte man auch geistliche Stücke von Palestrina (ca.1514-1994), Felix Anerius (1560-1614) und Rugieri Giovanelli (1560-1625). Den Höhepunkt des Konzertes bildete dann aber doch ein Werk, das Johann Sebastian Bach (1685-1750) mit seinem Dresdener Lautenistenfreund und Komponisten Sylvius Leopold Weiss (1686-1750) schuf.

Bach und Weiss hatten des öfteren bei Besuchen in Leipzig um die Wette improvisiert, wobei die Laute durchaus mit dem wesentlich einfacher zu handhabenden Cembalo (dazu noch gespielt von einem Improvisationsmeister wie J.S.Bach) mithalten konnte. So war das dargebotene Werk , eine Sarabande und ein Rondeau in A-Dur als Improvisation entstanden und dann von Bach aufgezeichnet worden. Den Part des Cembalo übernahm Martina Kirchhof auf der Viola da Gamba, wunderbar einfühlsam gespielt zusammen mit Lutz Kirchhof, der seiner 24 (!)-saitigen Barocklaute mit schwierigsten Griffen die kühnsten Harmonien entlockte. Was für eine unglaubliche Kunstfertigkeit den beiden abgefordert wurde, konnte man nur erahnen. Darüberhinaus wechselten sie während des Konzertes mehrfach die Instrumente. Natürlich hätte man sich einmal mehr viele Zuhörer gewünscht . Ob die Zeit für leise Töne wieder einmal kommen wird, wir Menschen in uns hineinhören, zur Ruhe kommen, im Sinne des Humanismus zu unserem Menschsein zurückfinden können - oder ob wir im nihilistischen Lärm der Gegenwart endgültig versinken werden? Das wäre schade!

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