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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

23. Oktober 2017 | 15:46 Uhr

Landwirtschaft : „Die Kuh melkt durch’s Maul“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Einige Bauernregeln sind auch Landwirt Siegfried Schwager noch geläufig

von
erstellt am 24.Feb.2015 | 22:00 Uhr

„Wenn sich Sankt Walburgis zeigt, der Birkensaft nach oben steigt“ – so lautet die heutige Bauernregel für den 25. Februar. Denn heute ist der Gedenktag von Walburga, einer englischen Benediktinerin, Äbtissin des Klosters Heidenheim aus dem 8. Jahrhundert. Diese Weisheit ist schon eine recht Spezielle. Siegfried Schwager kennt nicht mehr alle Bauernregeln. Doch einige sind ihm noch heute geläufig. „Ist der Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun’ und Fass“, sagt der Geschäftsführer und alleinige Vorstand der Karbower Agrargenossenschaft e.G. schmunzelnd. „In meinem Alter kennt man die nicht mehr so gut. Dennoch, wir Landwirte sind schon sehr witterungsabhängig“, wirft der 32-Jährige hinterher.

Noch ist es ruhig, denn bis zur Ernte ist noch lange Zeit hin. Als Geschäftsführer der Karbower Agrargenossenschaft hat Siegfried Schwager dennoch alle Hände voll zu tun. „Auch jetzt muss ich immer ein Auge auf das Wetter haben. Bei Frost und Schnee können wir die Felder zum Beispiel nicht düngen“, verdeutlicht der Landwirt. Doch dabei verlässt sich der moderne Landwirt heute mehr auf die Technik als auf Weisheiten, Kalendersprüche und Bauernregeln. „Ich nutze mittlerweile gute Wetter-Apps für’s Smartphone. Da schaue ich genau auf das Regenradar.“ Denn auch dieser ist in der Landwirtschaft entscheidend. „Wenn wir Pflanzenschutzmittel aufbringen, schaue ich genau, wann es regnen soll. Damit wir ungefähr zwei Stunden Zeit haben, um das Mittel auszubringen“, erläutert Siegfried Schwager.

Vor sechs Jahren hat der damals 26-Jährige den Posten des Geschäftsführers der Agrargenossenschaft übernommen. „Gegrübelt habe ich damals schon. Doch als Beruf konnte ich mir nie etwas anderes vorstellen“, verrät der Karbower. Gemeinsam mit dem Aufsichtsrat hat sich Siegfried Schwager dazu entschieden, einen alleinigen Vorstand der Genossenschaft zu bilden. Geschäftsführer und Vorstand in Personalunion. Seitdem kümmert sich der 32-Jährige um mehr als 500 Kühe und 880 Hektar Gesamtnutzfläche. „Davon sind 725 Hektar Ackerfläche.“ Ein Full-Time-Job an 365 Tagen im Jahr.

Vor fünf Jahren hat Siegfried Schwager entschieden in eine neue Milchviehanlage zu investieren – Kostenpunkt: Eine Million Euro. „Rückblickend ist es genau die richtige Entscheidung gewesen.“ Im Jahresdurchschnitt melken seine Mitarbeiter 9640 Liter Milch pro Kuh. Dabei fällt dem Landwirt noch eine weitere Bauernregel ein. „,Die Kuh melkt durch’s Maul.‘ Es ist von großer Bedeutung, was die Milchkuh zu fressen bekommt. Ist das Futter von guter Qualität, gibt sie viel und gute Milch. Also ist doch etwas dran, an den Bauernregeln“, sagt er.

Gutes Wetter gleich gute Ernte, lautet die alles entscheidende Formel beim Landwirt. Doch auch der Boden muss gut sein. Das weiß auch Siegfried Schwager. „Wir sind die Branche, die am meisten einen auf den Deckel bekommt“, sagt er und spricht damit das Düngen und Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln an. „Unsere Genossenschaft setzt nicht blindlings Antibiotika ein. Doch es gibt immer wieder schwarze Schafe unter uns“, sagt der Geschäftsführer eindringlich. Deshalb soll es erneut eine neue Düngeverordnung geben. „Die wird noch mehr verschärft. Und der Zeitraum, in dem wir düngen können verkürzt sich immer mehr. Und auch dann sind wir wetterabhängig.“ Siegfried Schwager will nicht klagen, er möchte nur nicht pauschal über einen Kamm geschoren werden.

Derzeit sitzt der Karbower viel im Büro. Erst wenn die Saison losgeht, geht auch er wieder raus auf’s Feld. Schon jetzt hofft Siegfried Schwager auf eine gute Ernte in diesem Jahr. „Der Weizen ist gut durch den Winter gekommen.“ Einzig der Raps und die Gerste bereiten dem Landwirt noch Sorgen. „Genaueres kann ich da erst im Frühjahr sagen.“ Dann hofft Siegfried Schwager vielleicht auf diese Bauernregel: „Wenn der April bläst in sein Horn, so steht es gut um Heu und Korn.“

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