Dobbertin : Die Klosterkirche mit ihren Doppeltürmen

Die Klosterkirche Dobbertin bei Dacharbeiten 1990: neue Schiefereindeckung   Fotos: Achim Bötefür, Landesamt für Denkmalpflege Schwerin
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Die Klosterkirche Dobbertin bei Dacharbeiten 1990: neue Schiefereindeckung Fotos: Achim Bötefür, Landesamt für Denkmalpflege Schwerin

Dobbertins Wahrzeichen wurde im 19. Jahrhundert mit Schiefer aus Wales eingedeckt, Lieferscheine belegen, mit welchem Schiff das Material ankam

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24. Juli 2014, 22:00 Uhr

Das Kloster Dobbertin war mit seinem adligen Damenstift einst das größte und reichste Landeskloster Mecklenburgs. Während der Amtszeiten so hervorragender Klostervorsteher, wie Victor Wilhelm von Oertzen, Carl Peter Baron von Le Fort und Otto Julius Freiherr von Maltzan, kam es zu regen Bautätigkeiten auf dem Klostergelände.

Schon 1807 begann man am Dobbertiner See ein neues Damenhaus (Haus 4) zu bauen, danach das Küchenmeisterhaus (Haus 9) und das Spritzenhaus neben dem Pforthaus. Dieses wurde später als Remise für die Damenkutschen genutzt. Die vier für das Klosteramtsgericht errichteten Gefängniszellen mit den derben Eichenbohlentüren und schmiedeeisernen Gittern befinden sich unter dem Dach des Brau- und Brennhauses. Sie sind wieder zu besichtigen, denn dort befindet sich auch die Ausstellung über das Klosteramt Dobbertin.

Zur besseren Sicht auf die neue Klosterkirche und das Dominahaus wurde sogar das ehemalige Prinzessinnenhaus abgebrochen. Das alte Küchenmeisterhaus (Haus 11) konnte nicht entfernt werden, da dort zwei wohnende Klosterdamen nicht abgängig waren. So steht es heute noch und verhindert weiter den ersten Blick auf die Nordfassade der Klosterkirche.

Auch die hervorragendsten Baumeister, Architekten und Künstler des Landes, die sogar beim Schweriner Schlossbau mitwirkten, waren im Kloster Dobbertin tätig. Zu nennen wären der Hofbaurat Georg Adolph Demmler, der Hofbaurat für Kirchenbauten Theodor Krüger, der Geheime Oberbaurat Georg Daniel, der Hofmaler Gaston Lenthe und der Geheime Archivrat Dr. Friedrich Lisch aus Schwerin. Aus Wismar der Privatbaumeister Gustav Thormann und aus Berlin der in Dobbertin geborene Bildhauer Gustav Willgohs.

Mit dem Umbau der mittelalterlichen Klosterkirche hatte man 1828 den erst 25-jährigen Schweriner Landbaumeister und spätere Schlossbaumeister Demmler beauftragt. Die 1837 vollendete, für Mecklenburg wohl einmalige Doppelturmanlage mit seinen achtseitigen gemauerten Kegelhelmen und dem repräsentativen Westportal wird auch heute von den Besuchern mit Hochachtung bewundert. Nicht umsonst bekam danach der Dobbertiner Klosterbauhofmaurer Christian Johann Retzloff den Titel eines Amtsmaurermeisters verliehen.

Nachdem Demmler als Sozialdemokrat und Freimaurer durch den Großherzog Friedrich Franz beim Schweriner Schlossbau entlassen wurde, wurde 1853 der Wismarer Privatbaumeister mit der Leitung des inneren Kirchenausbaus beauftragt. Er war für das Klosteramt schon 1852 im Dorf mit dem Bau des Postamtes nebst Postlocal mit Wohnungen für den Postmeister und die Prediger-Witwe beschäftigt.

Nach Fertigstellung der imposanten Doppelturmanlage und dem umbauten Kirchenschiff mit seinen filigranen Strebepfeilern, Wimpergen und Fialtürmchen wirkten nun die alten, teils porösen roten Dachziegel recht störend auf das Gesamtbild der neuen Kirche. Dieser Schandfleck musste durch eine neue, auch farblich stimmende Dachdeckung beseitigt werden.

Der Wismarer Thormann und sein Konsul Hermes hatten eine Idee und halfen den Klostervorstehern mit Schiefer. Denn Schiefer kam damals als Ballast der Segelschiffe in nahezu alle Hansestädte, so auch nach Wismar.
Am 22. April 1856 fragte der Klosterhauptmann von Maltzan beim Baumeister Thormann in Wismar an „…der Fuhrmann Fritsche in Goldberg erbietet sich an, den Schiefer für die Kirche von Wismar zu holen. Ich ersuche Sie, mir zu melden, wie theuer der Schiefer per Eisenbahn bis Güstrow kommen würde. Wenn die Heranholung durch den Fuhrmann nicht viel theurer würde, ist dieses wohl vorzuziehen, indem der Schiefer weniger oft verpackt und umgeladen werden braucht ...“ Schon am 25. April 1856 meldete Thormann an den Klosterhauptmann „ …Schiefer welcher für die Kirche jeden Tag hier zu Schiff bei Consul Hermes ankommen kann … Transport per Eisenbahn nach Güstrow kostet nicht mehr ...“

Nach persönlicher Einsichtnahme in die Schiffslisten der einkommenden Schiffe des Jahres 1856 im Archiv der Hansestadt Wismar am 9. November 2006 konnten dort die Lieferscheine Nr. 23, 24, 42 und 47 für Consul W. Hermes und die Nr. 25 und 49 für H. G. Thormann gefunden werden. Somit ist belegt, dass der Schiefer für das Dach der Klosterkirche mit der Dorothey Mary gut geladen aus Wales kommend in Wismar am 26. April 1856 gelöscht wurde.

Auch im Rechnungsbuch des Klosteramtes von 1856 vermerkte der Küchenmeister Wilhelm Schultz unter Ausgaben zu Neubauten sehr akkurat „…für das neue Dach auf der Klosterkirche ...1.064 Courant bezahlt.“

Zu den restlichen Schieferplatten der Klosterkirche liegt folgende Information des damaligen Klosteramtsmaurermeister Retzloff vom 11. Februar 1863 vor „…es befinden sich auf dem hiesigen Kirchenboden an über gebliebenen Schiefer vom Kirchendach 3500 Schieferplatten 19 Zoll lang, 9 Zoll breit, wobei eine Schieferplatte dabei ist mit Schrift...“

Nach Anweisung des Klosterhauptmann von Maltzan vom 19. Februar 1863 wurden „…die auf dem Kirchenboden befindliche Schieferstücke...“ dem Teterower Schieferdachdeckermeister Klement übergeben, der sie auf dem Dach des neuen Damenhauses mit drei Eingängen (Haus 10) an der Lindenstraße nach der Klostergärtnerei (heute Moth) verbaute.

Das heutige Schieferdach wurde 1990 durch Plauer Dachdecker mit Rathscheck-Schiefer aus der Eifel neu eingedeckt.


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