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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

23. Oktober 2017 | 15:48 Uhr

Geschichte : Die Geschichte der Kronleuchter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Die Klosterkirche Dobbertin wird derzeit aufwändig saniert. Horst Alsleben weiß, wie die Leuchter in die Kirche kamen.

von
erstellt am 17.Jun.2017 | 06:00 Uhr

Die beiden Türme der Klosterkirche sind wieder, auch von Goldberg kommend, weithin sichtbar. Bisher wurden die äußeren Fassaden, der Chor und die Doppelturmanlage aufwändig erneuert. Jetzt ist das Kircheninnere dran (wir berichteten). Dort hatte man vor zwanzig Jahren die einsturzgefährdeten Gewölbe gesichert, neu verputzt und ausgemalt. Danach ruhten die Arbeiten. Die Nonnenempore wurde verschlossen, die Glocken läuten nicht mehr und die Orgel ist nicht bespielbar.

Kaum bekannt, dass seit genau 99 Jahren die Dobbertiner Klosterkirche Landeseigentum ist und nicht der Evangelischen Kirche gehört.
Einige von unseren Landesherren haben nun mit bekommen, dass die einzige in seiner Gesamtheit in Mecklenburg noch erhaltene Klosteranlage in Dobbertin 2020 sein 800-jähriges Bestehen feiern könnte. Doch ohne eine sanierte Kirche wohl kaum denkbar. Aber es ist noch nicht zu spät, das Innere dieses historischen Gotteshauses wieder herzurichten. Kaum zu glauben, es ist aber wahr, derzeit werden die besten Handwerker des Landes mit der weiteren Restaurierung im Innern der Kirche beauftragt.

Erste Gerüste stehen schon an der Nordseite im Orgelbereich, um die dortigen Feuchteschäden zu beseitigen. Auch einer der beiden vor 130 Jahren in die Kirche gebrachten Kronleuchter wurde aus 16 Meter Höhe herabgelassen. Viele der filigranen und kunstvoll geschmiedeten Eisenteile werden nun durch den Metallrestaurator Thomas Fischer aus Mühlen Eichsen gereinigt und teilweise erneuert.

Die Herstellung der beiden Kronleuchter hatte eine recht merkwürdige Geschichte, darüber wurde sogar auf den Landtagen von 1885 bis 1887 debattiert.

Doch was war damals geschehen? Bei der Abnahme der alten von 1727 stammenden bronzenen Leuchter waren nicht nur die Klosterdamen mit ihrer hochwürdigen Frau Domina Hedwig von Schack in Aufregung, ganz zu Schweigen vom Unwillen ihres Pastors Friedrich Pleßmann. In ihrer Beschwerde an den Oberkirchenrat in Schwerin war sogar von „der Weggabe von Kirchengut ohne oberbischöfliche Genehmigung“ zu hören.

Auf dem Landtag am 11. November 1885 in Sternberg berichtete der Klosterhauptmann Wilhelm Thedwig von Oertzen auf Lübbersdorf von der Anfertigung zwei neuer Kronleuchter für die Klosterkirche durch den Kunstschlosser Marcus in Berlin und bemerkte, „die Summe aus der Klosterkasse sei vortrefflich hoch“.

Im Herbst 1886 kam es dann zu einem peinlichen Zwischenfall, der auch auf dem Landtag am 23. November 1886 in Malchin für Aufregung sorgte. Die in vorzüglicher Arbeit hergestellten schmiedeeisernen Radleuchter für jeweils 56 Kerzen waren zwei Meter zu groß gefertigt worden und kamen nicht durch die Kirchentür. Der Dobbertiner Amtsmaurermeister Andreas hatte sich „aus unerklärlichen Gründen“ vermessen.

Und es sollte noch ärger kommen, denn viele der Klosterdamen, darunter auch Mathilde von Rohr, bezeichneten die neuen schwarzen Leuchter sogar als „Untier an Hässlichkeit.“ Danach war der Berliner Kunstschlosser nicht bereit, die zu groß geratenen Kronleuchter zu verkleinern. So schaffte man die schweren Leuchter nach Prenzlau, wo sie der Schlossermeister Paulus Johr „in ein ziemlich richtiges Verhältnis zur Kirche“ setzte.

Nach einem Jahr Verzug konnte nun der Klosterhauptmann Wilhelm Thedwig von Oertzen am 16. November 1887 auf dem Landtag zu Sternberg berichten, dass man die Kronleuchter nach der nötig gewordenen Verkleinerung in künstlerisch vorzüglicher Ausführung in der Kirche angebracht habe. Wenn zwar auch die „Gesamtveränderungskosten“ nicht ganz unerheblich seien, hätte man auf Bitten des unglücklichen Amtsmaurermeisters Andreas und aus „Billigkeitsrücksichten“ von einem Regressverfahren Abstand genommen.

Möge nun der Wunsch das Innere der Klosterkirche mit der noch vorhandenen historisch wertvollen Ausstattung zügig zu restaurieren, durch die Landesherren erfüllt werden. Vielleicht könnten schon zum diesjährigen Weihnachtsfest die je 56 Kerzen in den Kronleuchtern wieder leuchten.

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