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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

21. Oktober 2017 | 01:36 Uhr

Keine Seltenheit : Die Betrugsmasche übers Telefon

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Eine Dobbertinerin sollte 168 Euro zahlen – an das „Amt für Datennutzung“ der Verbraucherzentrale, doch dieses Amt gibt es gar nicht.

Das Telefon klingelt, im Display, der Telefonanzeige, erscheint eine Telefonnummer – scheinbar normal. So erging es jetzt auch einer Dobbertinerin, Hildegard M. (Name von der Redaktion geändert). Eine Anruferin habe sich bei ihr gemeldet, der Name war kaum zu verstehen, so schnell habe die Frau am anderen Ende der Strippe gesprochen. Sie rufe im Auftrag des „Amtes für Datennutzung“ an, für die Verbraucherzentrale, schildert uns die Dobbertinerin. Doch ein solches Amt gibt es bei der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern nicht, SVZ fragte nach. Die Masche sei bekannt.

Auch Hildegard M. wurde schnell bewusst, dass etwas nicht stimmt. Denn schnell kam die Anruferin auf eine Gebühr von insgesamt 168 Euro zu sprechen, die die Dobbertinerin bezahlen müsse, um ihre angeblich beim „Amt für Datennutzung“ gespeicherten Daten zu löschen, die bei Gewinnspielunternehmen, Lotterien und anderen Werbefirmen hinterlegt seien. Doch Hildegard M.  fragte genauer nach. Vor allem, wie die Anruferin an ihre Adresse gekommen sei. Durch ein Werbeadressenverzeichnis war die Antwort. Die Dobbertinerin wurde skeptisch. Sie wolle die Polizei informieren. Doch die Anruferin blieb hartnäckig: Die würden nichts machen und sie würde schon sehen, was sie davon habe, wenn Hildegard M. die 168 Euro nicht bezahlen würde. Dann wurde aufgelegt, berichtet  Hildegard M.

„Die Frau hat absolut richtig reagiert“, sagt Klaus Wiechmann, Sprecher der Polizeiinspektion Ludwigslust-Parchim, auf SVZ-Nachfrage. „Die Maschen solcher Betrüger werden immer facettenreicher. Diese ist mir jetzt auch noch nicht bekannt gewesen.“ Dennoch könne es sein, dass bei einem Gewinnspiel mitgemacht und irgendwo ein Häkchen gemacht wurde, relativiert der Polizeisprecher. „Dennoch: Bei Geldforderungen am Telefon ist Vorsicht geboten. Vor allem, wenn das Geld auf ein ausländisches Konto überwiesen werden soll, müssen alle Alarmglocken klingeln“, sagt Klaus Wiechmann weiter.

Erst kürzlich war es in Parchim, Neustadt-Glewe und Schossin, bei Dümmer zu einer ähnlichen Betrugsmasche gekommen, zu einem sogenannten „Enkeltrick“. Die Betroffenen haben allesamt richtig reagiert und kein Geld bezahlt. In den genannten drei Fällen habe jemand angerufen, der sich als Verwandter ausgegeben hatte und Geld forderte: Zwischen 7000 und 12000 Euro wurden verlangt. „Diese Maschen sind bekannt“, so Klaus Wiechmann weiter.

Auch bei scheinbar „normalen“ Telefonnummern und Geldforderungen an der Strippe müssten immer die Alarmglocken klingeln. „Rufnummern, die eingeblendet werden, haben nicht immer etwas mit Seriosität zu tun“, gibt der Polizeisprecher zu bedenken. „Betrüger arbeiten heute mit speziellen Internet-Tools, Programmen, mit denen sie normale Telefonnummern generieren können.“ Deshalb gilt: Wer Zweifel an der Aufrichtigkeit eines Anrufers hat und Geld gefordert wird, sollte sich umgehend an die Polizei wenden. „Geldforderungen werden immer schriftlich erhoben, mit einem Widerspruchsrecht. Vor allem Ämter und Behörden fordern so etwas nicht übers Telefon an“, sagt Klaus Wiechmann abschließend.

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