Gestank und Lärm : Die Below Farm erregt Gemüter

Immer wieder berichten Belower davon, dass beim Jungrinderstall nicht nur Jungrinder untergebracht sind.
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Immer wieder berichten Belower davon, dass beim Jungrinderstall nicht nur Jungrinder untergebracht sind.

Bauausschuss Techentin ist sich einig: Der landwirtschaftliche Betrieb muss vom StALU kontrolliert werden

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24. April 2015, 08:00 Uhr

Zur Ruhe gekommen ist Horst Fritz aus Below noch nicht. Die Probleme mit der Below Farm in seiner Nachbarschaft werden schlimmer – Gestank und Lärm, tagein, tagaus (wir berichteten). Nicht nur Horst Fritz bestätigt dies, sondern auch Hans-Helmut Gertz, der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Techentin und selbst Belower. „Ich bin auf dem Land groß geworden. Genau dort, beim ehemaligen Schweinestall, in dem jetzt angeblich nur Jungrinder stehen“, erzählt Hans-Helmut Gertz. „Ländlichen, landwirtschaftlichen Geruch bin ich also gewöhnt. Aber das, das übersteigert alles.“ Horst Fritz und Hans-Helmut Gertz sitzen am Dienstagabend in der öffentlichen Sitzung des Techentiner Bauausschusses, um ihrem Unmut Luft zu verschaffen. „Mir schlägt das Herz schon wieder bis zum Hals“, flüstert Horst Fritz. Seit mehr als 35 Jahren lebe er in Below, doch „langsam bereue ich es hierher gezogen zu sein.“

Die Tiere stünden zentimeterhoch im Dreck, niemand wisse genau, wie viele Rinder die Below Farm überhaupt besitzt. „Es wird zunehmend schlimmer. Seitdem der Inhaber weg ist, geht so gut wie gar nichts mehr“, erzählt Hans-Helmut Gertz. „Wie die Mitarbeiter mit dem Vieh umgehen, ist haarsträubend. Es ist dringend Handlungsbedarf gefordert“, sagt er weiter. Beide – Fritz und Gertz – erhalten am Dienstagabend in der Bauausschusssitzung Gehör. „Wir müssen das Ernst nehmen, was uns erzählt wird. Jetzt sind die Behörden einmal dran, vor Ort zu kontrollieren“, sagt Dr. Thomas Kuhlmann.

Es gehe aber nicht nur um Lärm und Gestank, sondern um weitere mögliche Verstöße. „Wir müssen die BimSch-Genehmigung mal Punkt für Punkt durchgehen“, so Hans-Helmut Gertz. „Denn Ausgleichsmaßnahmen wie Rasen säen wie in der Genehmigung gefordert, sind bis heute nicht erfolgt.“

Immer wieder geht es auch um den Jungrinderstall, den ehemaligen Schweinestall in Below. Dieser hat laut Staatlichem Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Westmecklenburg Bestandsschutz. „Die Anzahl und Art der Tiere in diesem Stall stimmen definitiv nicht. Doch das ist nie kontrolliert worden“, äußert Techentins ehemaliger Bürgermeister seinen Unmut. Hinzu kommt, dass sich nicht an die Arbeitszeiten von 6 bis 22 Uhr gehalten werde. Auch Horst Fritz kennt das Problem: „Ich stehe morgens mit Lärm auf, verbringe den Tag mit Lärm, gehe mit dem Lärm wieder ins Bett und werde nachts vom Lärm wach. So sieht es aus. Aber in Schwerin will davon niemand etwas wissen.“ Den Lärm der Below Farm höre auch Bauausschussmitglied Dirk Gast – er wohnt ebenfalls im Tannenweg von Below, wie Horst Fritz, doch ein Stückchen weiter weg.

Darüberhinaus haben die Belower mehrfach beobachtet, dass über der Below Farm eine schwarze Rauchwolke hängt. „Irgendetwas wird dort verbrannt, was nicht erlaubt ist“, so Horst Fritz.

Den Belowern muss geholfen werden. Darüber sind sich die Ausschussmitglieder am Dienstagabend einig. „Die menschliche Gesundheit steht an erster Stelle. Die Botschaft ist definitiv angekommen. Wir werden uns geschlossen ans StALU wenden. Und dann muss das alles vor Ort kontrolliert werden“, entgegnet Dr. Thomas Kuhlmann. Für Horst Fritz gibt es nur eine Lösung: Den Jungrinderstall schließen.

Die Inhaber befinden sich in Kanada und waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.  

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