Gemeinde Granzin : "Die Ausgaben fressen uns auf"

Keinen Cent übrig: Granzin gehört zu den Kommunen, die unter einer verheerenden Haushaltslage leiden. archiv (DPA)
Keinen Cent übrig: Granzin gehört zu den Kommunen, die unter einer verheerenden Haushaltslage leiden. archiv (DPA)

Dramatisch schlechte Haushaltslage: Die Gemeinde Granzin ist eine der zahlreichen Kommunen, die unter ihrer finanziellen Misere leiden. Jetzt wurden die Zahlen offen auf den Tisch gelegt.

von
06. November 2012, 07:19 Uhr

granzin | Für die Zeit von Januar bis zum 2. Oktober standen in der Gemeinde Granzin Einnahmen in Höhe von knapp 399 000 Euro Ausgaben von gut 568 000 Euro gegenüber. Erstgenannter Wert ist auch deshalb geringer, weil er quartalsweise abgerechnet wird. "Allerdings haben wir als Einnahmequelle fast nur die Einwohner", sagt die Finanzausschussvorsitzende Doris Stopka. Negativ wirkt sich zudem aus, dass die von der Kommune erhobenen Hebesätze für die Grundsteuer A und B sowie die Gewerbesteuer nicht dem Landesdurchschnitt entsprechen - wurde einst so beschlossen, um die Einwohner zu entlasten - weil aus Schwerin dann weniger Fördermittel kommen. Bezüglich dieses Problems äußert unter anderem Gemeindevertreter Rainer Raeschke Gesprächsbedarf.

"Die Ausgaben - ganz vorn Kita und Schule - fressen uns auf. Da können wir noch so gut planen, es gibt immer mehr Ausgaben. Wir können nicht nur nicht investieren, sondern sind nicht einmal mehr in der Lage, unsere Pflichtaufgaben zu erfüllen", so Doris Stopka. Für die Kita und den Schullastenausgleich muss die Gemeinde jeweils 42 000 Euro auf den Tisch legen - umso schlimmer, wenn das Land in dieser Situation seine Leistungen zurückfährt. Würde Granzin seine Hebesätze an die geforderten Werte anpassen, kämen gerade einmal 8000 Euro mehr in die Kasse. "Wie ein Tropfen auf den heißen Stein", meint Raeschke. An Investitionen - egal, in welcher Höhe - sei in dieser Lage nicht einmal ansatzweise zu denken.

In Vorbereitung auf die neue, im Amt Eldenburg Lübz seit dem 1. Januar 2010 geltende "Doppelte Haushaltsführung in Konten" (abgekürzt Doppik), mit der sich die öffentliche Hand an die Grundsätze in der privaten Wirtschaft annähert, wurde auch das Vermögen der Gemeinde Granzin gleich Anfang 2008 bewertet. Die aktive wie passive Seite beinhaltende Summe liegt bei knapp vier Millionen Euro. "Das Problem ist, dass unser Eigenkapital zum Beispiel in Immobilien und Straßen gebunden ist", sagt Doris Stopka. "Wir haben alles ausgereizt, was geht."

Aus der Bewertung erarbeitete das Amt die so genannte Eröffnungsbilanz, der die Gemeindevertreter auf ihrer jüngsten Sitzung vorbehaltlich der Turnhallenbewertung zustimmten, nachdem einige von ihnen das umfangreiche Werk stichprobenartig geprüft und keine Fehler entdeckt hatten. Was die Kommune zur Verfügung habe, stehe jedoch erst nach der noch ausstehenden offiziellen Prüfung fest, die auch die beiden vergangenen Jahre berücksichtige, so die Ausschussvorsitzende. Auf jeden Fall dürfe die Gemeinde die Schulden nicht auf Kosten der Gemeinde abbauen, sondern müsse sich diesbezüglich auf andere Einnahmequellen stützen. Unterstützend wirke zum Beispiel, künftig nicht mehr alles kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Rainer Raeschke lobte das Amt bezüglich der Aufstellung von 16 Eröffnungsbilanzen für seine "totale Fleißarbeit", die den Kommunen viel Geld gespart habe, weil man in Lübz im Gegensatz zu anderen Verwaltungen keine Fachleute von außen damit beauftragt habe, was alle hätten anteilig bezahlen müssen. "Schlecht ist hingegen, dass das Land selbst nicht nach der Doppik arbeitet", sagt der Gemeindevertreter. "Wenn doch, würde es endlich einmal sehen, welche dramatischen Defizite sich daraus ergeben."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen