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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

15. Dezember 2017 | 15:20 Uhr

vernissage in wangelin : Die Architektur einer Familie

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Im Wangeliner Garten feierte Günter zur Niedens Skulpturengruppe „Familienaufstellung“ Eröffnung

Ein Architekt, der als freier Künstler arbeitet, ein Saxophonspieler, ein Kommissar und eine Besuchergruppe. Eine Wegekreuzung zwischen vier Beeten und auf den Beeten sieben Stelen aus Holz, deutlich größer als Parkuhren und abstrakt geformt, etwa wie Schachfiguren, nur anders. Wie hängt das alles zusammen? Sollte der Kommissar ermitteln? Nicht nötig! Der Künstler ist der preisgekrönte Günter zur Nieden, einst auch Erbauer des Lehmhauses in Wangelin. Er hat die Figurengruppe im sogenannten „Bauerngarten“ entworfen und dort aufgebaut. Der Kommissar ist nur im TV ein Kommissar, heißt Wolfgang Winkler und ist einer der Besucher. Der Saxophonspieler Warnfried Altmann, Aktiver des Wangeliner FAL, improvisiert in den Pausen der Ansprache, die in zur Niedens Stelenformation einführt, kurze Musikstücke. Und alles zusammen ist die Vernissage des Werks „Familienaufstellung“ von zur Nieden. Noch sind die Sektgläser nicht ganz geleert.

So weit, so klar. Weniger klar sind die Beziehungen innerhalb der skulpturalen „Familie“. Denn deren Positionen auf den vier von niedrigen Buchsbaumhecken umgebenen Beeten haben nicht nur damit zu tun, dass der Künstler den Raum, in dem sie installiert sind, berücksichtigen, ihn gestalten wollte. Der Titel „Familienaufstellung“ – und „Familienaufstellung“ ist ursprünglich die Bezeichnung für eine psychotherapeutische Methode – weist darauf hin, dass die Gruppe, zumindest wenn der Betrachter sich auf Deutungen in dieser Richtung einlässt, ein innerfamiliäres Psychodrama abbildet. Wie die hoch aufragenden „Familienmitglieder“ jeweils zu den anderen und in ihrem jeweiligen Raum stehen, nah oder fern, seitab, allein oder nicht, kann von den Besuchern des Gartens als Beziehungsmuster gedeutet werden. Rolle wird Raum.

Zusätzlich geben die unterschiedlichen Formen der Skulpturen zarte Hinweise auf ihre Charaktere. Tipps dazu vermittelt der Künstler selbst: Die Figur, die im Vergleich mit den ausladendsten Formen prunkt, nennt er „Dame“. Sie steht allein inmitten ihres Gevierts. Ihr gegenüber, eher am hinteren Rand seines Reviers, residiert der „Herr“, er teilt das Beetquadrat mit der „jungen Frau“, die im Gegensatz zu den beiden anderen nicht aus Ahornsägefurnier lamellenartig zusammengesetzt wurde, sondern aus Holzstäben. Sie strebt sehr schlank, ohne Einschnürungen nach oben. Dann gibt es noch den „jungen Kerl“. Er ist auf einem weiteren Beet nahe des Wegs und zwar diagonal zur „Dame“ aufgestellt. „Der will sich absetzen, bildet sich was ein. Er hat ja auch eine Art Krone auf“, sagt der Künstler lachend zu seiner Schöpfung. Neben diesen vier dominanten Figuren gibt es noch drei Weidenskulpturen, vom Künstler „Kinder“ genannt. „Sie entstanden kürzlich erst, in einem Wangeliner Kurs im Weidenflechten“, berichtet zur Nieden. Eine isoliert stehende, rundliche Weidenskulptur bezeichnet eine Besucherin als „schwangere Vierzehnjährige“.

Der Außenraum wurde zum Innenraum der Familie, postuliert Günter zur Nieden. Die Besucher flanieren jedenfalls in aller Ruhe, Sektglas in der Hand, durch den jetzt markant in der Senkrechten betonten Bauerngarten. So auch TV-Star Wolfgang Winkler, unter anderem bekannt als Polizeiruf-Kommissar. Er wollte über Pfingsten „mal raus“, sagt er, und bei der Gelegenheit den Text zur neuen Folgen der „Rentnercops“ mit Tilo Prückner lernen. Vor kurzem noch mit Jaecki Schwarz im MGH zu sehen, hat es ihn zu „Kunst offen“ gleich wieder hierher nach Mecklenburg geführt. Ein schönes Kompliment an die Region.

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