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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

20. November 2017 | 22:30 Uhr

Premiere : Deutsch-schwedisches Chortreffen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Ensemble aus Oskarshamn und Hamburg haben sich über sprachliche Grenzen hinweggesetzt und sich in Plau getroffen. Nächstes Treffen in Schweden ist schon geplant.

svz.de von
erstellt am 13.Okt.2014 | 22:00 Uhr

Sie haben sich einfach über nationale und sprachliche Grenzen hinweggesetzt und eine spontane Idee auch in die Tat umgesetzt: Wolfgang und Petra Giese aus Plau am See leiten nicht nur die Jugendherberge in der Dammstraße, sondern sind jüngst dafür verantwortlich gewesen, dass strahlender Chorgesang schon vor dem Eingang des Gebäudes erklingen konnte. Ein schwedischer und ein Hamburger Chor übten gemeinsam für den abendlichen Auftritt in der Plauer Stadtkirche.

Nachdem die Idee einmal auf Wiederhall gestoßen war, seien ein dreiviertel Jahr E-Mails getauscht worden, erzählt Göta Sternberg aus der südschwedischen Kleinstadt Oskarshamn. Sie ist die Dolmetscherin, während die meisten schwedischen Sänger und Sängerinnen freundlich lächelnd, aber naturgemäß stumm hinter den Sprachbarrieren verharren und lieber singen als sprechen. Göta jedoch spricht gut Deutsch, da sie mit einem Deutschen verheiratet ist. „Gieses sind verwandt mit meinem Mann“, erzählt sie während einer Pause, „und Frau Giese verfolgte den Plan sehr enthusiastisch.“ Aber wie ist es möglich, dass zwei Chöre gemeinsam auftreten nach nur ein paar Übungsstunden? Schließlich hat man morgens noch eine nette Dampferfahrt über den Plauer See unternommen. Ein Blick auf das gemeinsame Programm von „Crescendokören“ aus Oskarshamn und dem deutschen Vocalensemble aus Hamburg verrät allerdings, dass nur fünf Lieder gemeinsam gesungen werden, ansonsten präsentieren die Chöre sich getrennt. „Aber dennoch“, sagt Göta Sternberg und lächelt hintersinnig, „ist es ein großes Abenteuer, spannend.“

Aber Chöre sind bekanntermaßen reiselustig und die erfahrenen Sänger und Sängerinnen wissen locker mit der Situation umzugehen. „Wir wollen auch etwas Spaß haben“, sagt der Hamburger Chorleiter René Clair in einer Übungspause ganz und gar entspannt. Und es macht ja Sinn, dass beide Chöre sich auch getrennt präsentieren. Die Repertoires haben unterschiedlichen Charakter, auch wenn die Chöre sich hier unter dem gemeinsamen Motto „Erntedank“ vereinigt haben. Die sechzehn schwedischen Gäste mit Chorleiterin Monica Waltersson treten vornehmlich im kulturellen Bereich auf, „Der kleine Chor Hamburg“ hingegen ist der Kirchenchor der Neuapostolischen Kirche Norddeutschland, für das Einzelrepertoire des Plauer Konzerts sind demgemäß sehr viele Stücke mit religiösem Inhalt aufgestellt. René Clair will grundsätzlich „Brücken zwischen den einzelnen Konfessionen bauen“, daher treten die Hamburger häufig auch in katholischen und evangelischen Kirchen auf. Stolz sind Clair und seine Chorleute, die schon während der Einzelprobe mit sehr kräftigem Stimmvolumen beeindrucken, aber auch auf die Teilnahme an der Chorolympiade 2006 in Xiamen/China. Crescendokören dagegen pflegt eine ganze Stilpalette vom Volkslied bis zur Filmmusik. „Gabriellas Sang“ (Gabriellas Lied) aus dem Film „Wie im Himmel“ gehört zum Repertoire und wird im Plauer Konzert von beiden Chören gesungen werden. Jetzt, während der Probe, singen sie abschließend gemeinsam „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius, ein besonders deutsches Lied. Und der innige Gesang, in dem nicht die Spur eines Ressentiments zu hören ist, baut ebenfalls eine Brücke, eine zwischen Nationen.
Auf dem Konzert schließlich verbindet das bekannte Lied auch Chor und Publikum. Alle singen es gemeinsam. An die hundert Chorfreunde sind in die Kirche St. Marien gekommen und begeistert. Hier kann der volle Klang der Stimmen sich entfalten. Zwei Stunden dauert das Konzert und die beiden Chöre harmonieren bestens, müssen Zugaben singen. Das Abenteuer nähert sich dem Ende, aber eine Einladung der Hamburger nach Oskarshamn ist längst ausgesprochen.

 

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