Plau am See : Der Zeh und die Energiewende

Überschüssige Windenergie beschäftigte Minister Christian Pegel (SPD) in seiner Rede auf dem Plauer Wirtschaftsforum.
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Überschüssige Windenergie beschäftigte Minister Christian Pegel (SPD) in seiner Rede auf dem Plauer Wirtschaftsforum.

Energieminister Christian Pegel hielt eine Rede auf Plauer Wirtschaftsforum – Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung zu Gast

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27. März 2019, 05:00 Uhr

Der große Zeh des Ministers hätte fast den Abend ruiniert. Im Seehotel, idyllisch gelegen am Ufer des Plauer Sees, sollte Christian Pegel eine Rede halten. Mehr als 40 Unternehmer und Politiker erwarteten ihn. Sie folgten der Einladung zum diesjährigen Wirtschaftsforum des Vereins „Wir leben“ um dessen Vorsitzenden Marco Rexin.

Rexin machte aus seiner Erleichterung keinen Hehl. Der Tag sei eine Achterbahnfahrt gewesen, erzählt er in der Eröffnung. Vormittags sagte der Minister ab, am Nachmittag wieder zu. Umso größer die Vorfreude auf die Rede.

Rexin stellte die Gäste des Abends vor. Etwa den Plauer Bäckermeister Hannes Behrens, den Landtagsabgeordneten Christian Brade, den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse-Parchim-Lübz Joachim Ziegler oder Wemag-Vorstand Caspar Baumgart. Auch Vertreter von Remondis Mecklenburg, SAS und „Bauer Korls“ Alter Ego, Jörg Klingohr, saßen im Publikum und wollten den Minister hören.

Christian Pegel trat ans Pult und erzählte erstmal von seinem Zeh. Auf seiner Auslandsreise durch Estland schmerzte dieser plötzlich. Auch die Hüfte mache Probleme. Sein Besuch wäre beinahe an einer Untersuchung im Klinikum Greifswald gescheitert, wo er in eine MRT-Röhre geschoben wurde. Nun war Pegel doch in Plau und sprach über die aktuellen Herausforderungen seines Ministeriums: Energiewende, Verkehr und Digitalisierung.

Pegel sparte nicht mit Lob für Wemag und die Stadtwerke Mecklenburgs. „Sie sind die Stromverteiler und schultern die großen Herausforderungen der Energiewende.“ Doch das Stromnetz sei komplexer geworden als früher. Wenn es in Österreich ein Problem gebe, dann ruckelt auch im deutschen Norden das Netz. Trotzdem sei die Energiewende eine Jobmaschine für Mecklenburg-Vorpommern. Die berühmte Zahl von 15 000 Arbeitsplätzen im Land nannte er auch an diesem Abend. Bis auf die Produktion von Photovoltaik sei die Wertschöpfungskette bei erneuerbaren Energien komplett im Land abgedeckt.

Für Windstrom, der überschüssig sei und nicht verbraucht werden kann, hat der Energieminister eine Idee: Strom in Wasserstoff umwandeln. Statt Flüssiggastanks, stelle er sich Wasserstofftanks in mecklenburgischen Gärten vor. Kleine Brennstoffzellen würden den Wasserstoff in Wärme fürs Haus und Strom fürs Elektroauto umwandeln.

Auch der Tourismus könne von überschüssiger Windenergie profitieren, sagte Pegel. Wenn junge Berliner mit ihren Elektroautos Urlaub an der Müritz machen, brauchen diese schließlich Strom. Ein geschlossenes Netz an E-Tankstellen, das nicht-verbrauchten Windstrom nutzt, soll die erneuerbaren Energien und den Tourismus zusammenbringen.

Der Breitbandausbau stockt, dies liege auch am marktbasierten Ausbau. Der Minister wollte keine Namen nennen, aber sagte: „Ein Telekommunikationsunternehmen mit rosa Logo macht uns juristische Schwierigkeiten.“

Auch der Bund lege den Ländern Steine in den Weg: „Wenn der Bundestag in der Ausbaurichtlinie den Begriff 50 Mbits durch Glasfaser ersetzen würden, wäre vieles einfacher.“

Pegel redete sich ohne Zettel warm. Echte Begeisterung kam bei seinem Bericht über die Estland-Reise auf. Die Digitalisierung sei dort weit fortgeschritten. Esten haben nur einen digitalen Account beim Staat, mit dem sie online die Hundesteuer bezahlen, das Kfz registrieren oder die Kinder in einer Schule anmelden können. Dies sei die Zukunft auch für Mecklenburg-Vorpommern.

Am Ende waren die Schmerzen im Zeh vergessen: „Ich bekomme schon Zeichen, dass ich überziehe. Meine Medikamente scheinen zu wirken.“


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