zur Navigation springen

Gerichtsprozess gegen eine Großmutter aus Broock : Der Tod der Zwillinge schmerzt

vom

Die Erinnerung lebte wieder auf: Weil ihre Großmutter betrunken eingeschlafen war, verunglückten ihre beiden Enkelkinder in einem Gartenteich tödlich. Urteil: Zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung für 57-Jährige aus Broock.

svz.de von
erstellt am 09.Dez.2012 | 06:16 Uhr

PARCHIM/BROOCK | Wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen verurteilte Richterin Renate Haller am Parchimer Amtsgericht eine 57-jährige Großmutter aus Broock (bei Lübz) zu zwei Jahren Gefängnis. Die Freiheitsstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Die Richterin blieb damit über der Forderung der Staatsanwaltschaft, die 18 Monate gefordert hatte - ebenfalls auf Bewährung. Gemäß Paragraph 60 des Strafgesetzbuches wurden die Folgen der Tat, die die Täterin getroffen haben, als derart schwer eingestuft, dass die Verhängung einer Strafe offensichtlich verfehlt gewesen wäre. "Die Täterin ist durch den Verlust ihrer beiden Enkel genug bestraft."

Das Geschehen am Mittwoch, 3. Juli 2010 war voller Tragik. An diesem heißen Sommertag hatte die Angeklagte von ihrer Tochter die Aufsicht über Lin-Jennifer und Fenja-Sophie übernommen. Die Zwillinge waren damals 16 Monate jung und hielten sich regelmäßig bei ihrer Großmutter auf. In ihrer Wohnung hatte die Angeklagte sogar eigens ein kleines Zimmer für die Enkeltöchter hergerichtet.

Außer der Großmutter und ihrer beiden Enkel hielt sich noch der 22-jähriger Bruder der Mutter auf dem Grundstück auf. Er verließ den Garten, wo die Kinder spielten, für etwa eine halbe Stunde. In der Zwischenzeit war die Oma offenbar eingenickt. Als der junge Mann gegen 18.15 Uhr zurückkam, fand er die beiden kleinen Mädchen leblos in einem kleinen Gartenteich vor. Sofort wurden erste Reanimierungsmaßnahmen eingeleitet, die der eilends herbeigerufene Notarzt fortführte. Ein Rettungshubschrauber transportierte die beiden Verunglückten in das Schweriner Klinikum, wo sie dann trotz weiterer Bemühungen verstarben. In die Erforschung der Todesursache hatte sich die Schweriner Staatsanwaltschaft eingeschaltet, weil ihr Anhaltspunkte vorlagen, dass die Großmutter alkoholisiert war. Eine Blutprobe ergab einen Wert von mehr als zwei Promille. Eine Obduktion der Zwillinge bestätigte, dass sie ertrunken waren.

Vor Gericht räumte die Angeklagte ein, dass sie alkoholabhängig sei. Unter Tränen schilderte sie, dass sie am Unglückstag sieben Flaschen Bier getrunken hatte. "Mit dieser Aussage hat sie sich mehr belastet als sie musste", würdigte Richterin Haller dieses Eingeständnis. Von Weinkrämpfen geschüttelt, ließ die Angeklagte derart minutiös das Geschehen noch einmal Revue passieren, dass Richterin Haller auf Zeugenaussagen der traumatisierten Familienmitglieder verzichtete. "Die Familie leidet noch immer und hat den Verlust der Zwillinge nicht verwunden." Die Angeklagte war damals derart geschockt, dass sie stationär behandelt werden musste. Wenig später begab sie sich für sechs Wochen in die Psychiatrie.

Inzwischen hat die Angeklagte den Unglücksort verlassen und ist nach Reinbek bei Hamburg zu einer anderen Tochter gezogen. Dort hat sie, so war zu erfahren, vor einem Bild der Zwillinge ständig eine Kerze stehen. "Sie vermisst ihre Enkelkinder sehr." Deren Mutter aber hat offenbar ihren Frieden mit der Angeklagten gemacht und sie inzwischen bereits mehrfach besucht. Außerdem hat sich ein weiteres Enkelkind eingestellt.

Als Bewährungsauflage ordnete das Gericht an, dass die Verurteilte sich in eine Langzeit-Entzugstherapie begeben muss. Sie verzichtete darauf, gegen das Urteil irgendwelche Rechtsmittel einzulegen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen