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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

26. Juni 2017 | 00:37 Uhr

Kultur : Der Mecklenburger als Ostpreuße

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Kulturelles am Klüschenberg: Hans-Peter Hahn gastierte mit seinem Programm beim Plauer Stammtisch.

Seit 48 Jahren steht das Duo auf der Bühne: Peter Körner spielt Klavier, manchmal auch Akkordeon, Hans-Peter Hahn erzählt, gestikuliert, mimt verschiedene Rollen, redet meist platt oder – wie an diesem Abend im Plauer Parkhotel – ostpreußisch. Der Mecklenburger, ursprünglich aus Krakow, Jahrgang 1941, lernte den Dialekt oder auch nur die typischen Einschläge ins Hochdeutsche in den Nachkriegsjahren durch eine ältere Frau und ihren Sohn, die als Flüchtlinge in der Nachbarschaft lebten, kennen und behielt den Sound und den Charme der Vertellchens-Sprache im Ohr.

Heute noch hat Hahn Kontakt mit ostpreußischen Heimatgruppen, die unter anderem ihren Dialekt pflegen, und so entstand schlussendlich das Programm mit dem langen Titel, ein Ausreißer im niederdeutschen Repertoire des Duos: „Wenn bis tief in der Nacht der Lorbaß bei Mariellchen wacht.“ Der Lorbaß Hans-Peter Hahn thronte im Plauer Hotel ebenfalls ziemlich wach auf hohem Barhocker, der ihm viel Spielraum zum Zappeln und Gestikulieren ließ, und blickte mit weit aufgerissenen Augen hinter großer Hornbrille gewitzt in die Welt. Der schlanke Humorist mit den scharfen Gesichtszügen erinnerte äußerlich und ein bisschen auch im Gehabe an den verstorbenen politischen Kabarettisten Dieter Hildebrandt; mit dem ostpreußischen Flair seiner Geschichten weckte er Anklänge an die wunderbaren Erzählungen aus dem ostpreußischen Masuren von Siegfried Lenz, Titel: „So zärtlich war Suleyken.“

Ein Dialekt scheint, gemessen am Hochdeutschen, mit Klang und typischen Wendungen bereits einen gewissen Humor in sich gespeichert zu haben und ein Stück weit auch den Volkscharakter zu enthüllen. Komisch wirkten an diesem ostpreußischen Abend allein schon die vielen „-chens“ am Ende der Substantive. Die Vatchens und Muttchens, die Herrchens, Wechselchens und so fort. Die Hauptstadt hieß „Kenigsberch“ und die Familiennamen lauteten typischerweise etwa „Butgereit“, „Amoneit“ und „Pimpereit“. Das klingt schon ziemlich komisch und wird das noch mit inhaltlichem Witz gepaart, kitzelt es den Lachnerv so richtig. Viele der vorgetragenen Witze, verrät Hans-Peter Hahn, habe er selbst ins Ostpreußische „übersetzt“, anderes geht auf den Redakteur, Mundartdichter und Sammler von Mundarttexten, Alfred Lau, zurück. Einer der Witze war original ostpreußisch, frei wiedergegeben: Sagt einer zum anderen: Du gibst mir jetzt endlich das geliehene Geld zurück, ich sagt dir das zum letzten Mal. Gott sei Dank, denkt der andere. Dann muss ich das nicht mehr hören.

Zwischendrin ließ Hahn sich von seinem Begleiter immer mal wieder ein „Glasje“ Honiglikör, Marke Bärenjäger, reichen. Am Ende der Vorstellung war auch der Flascheninhalt zu Ende und der verschmitzte Trinker tönte: „Wer 80 Jahre saufen kann, der wird bestimmt ein alter Mann.“

Aber es gibt auch Besinnliches, tief Empfundenes von diesem Abend zu berichten. Gestützt durch „Blattchens“ mit den Texten drauf, wurden ostpreußische Lieder wie „Ännchen von Tharau“ oder „Kein schöner Land“ angestimmt. Auch die Wanderdünen und die Elche von der kurischen Nehrung hatten es dem Unterhaltungskünstler angetan und so rezitierte er das wahrlich nicht humorige, sondern schicksalhaft dunkle Gedicht der Agnes Miegel „Die Frauen von Nidden“. In der Ballade werden die Wanderdünen zum „Leichentuch“ der letzten Überlebenden des von der Pest heimgesuchten Orts.

„Die Kultur in den Ort zu bringen“ ist Rüdiger Hoppenhöft und seinen Mitstreitern wieder einmal gelungen. Der nächste Kulturtermin des Stammtisches wird im September in der Plauer Kirche stattfinden. Rüdiger Bahre, Arzt in Plau, wird mit einem Orgelkonzert zu hören sein. Im August erwartet der Stammtisch Karin Strenz (MdB CDU).














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erstellt am 17.Jun.2017 | 12:00 Uhr

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