fünfte jahreszeit : „Der Lübzer Narr als Musicalstar“

Variation des Themas Hippie: mittlere Garde mit Peace-Zeichen auf den Trikots Fotos: monika maria degner
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Variation des Themas Hippie: mittlere Garde mit Peace-Zeichen auf den Trikots Fotos: monika maria degner

Nun ist das Geheimnis gelüftet: Bei der ersten Karnevalsveranstaltung am Freitag gab der Elferrat des LKC ’54 e.V. das Motto bekannt

svz.de von
16. November 2014, 22:00 Uhr

Der Elferrat des Karnevalclubs Lübz (LKC ’54) e.V. hatte geheim getagt und das Motto für die neue Saison gefunden. Nun sollte es auf einer Projektionswand unter der Decke des Karnevalspalastes allem Volk bekannt gegeben werden. Es haperte noch ein wenig mit der Technik, die Spannung stieg und dann war der neue Wahlspruch nachzulesen, sogar in Reime gekleidet:
„Das 62. Karnevalsjahr
feiert der Lübzer Narr
als Musicalstar.“

Sofort stellen sich Fantasien ein. Wird das Phantom der Oper demnächst Süßigkeiten für die Kleinen spendieren oder wird Mary Poppins in Schnürstiefelchen über die Bühne tänzeln? Auch das wird der „Rat“ demnächst in geheimer Sitzung aushecken. Heute gilt noch, wovon das schrille Riesengemälde auf der Bühnenrückwand kündet, nämlich das alte Motto „Hippies“.

Ab acht Uhr beginnt die geschmückte Lübzer Turnhalle sich langsam mit Besuchern zu füllen. Die aktiven Vereinsmitglieder des LKC allerdings sind schon längst am Ort der Vorstellung tätig gewesen. „Seit fast einer Woche haben wir am Aufbau, der zur Generalprobe am Donnerstag fertig sein musste, gearbeitet“, berichten Nicol Jasdz und Madlen Strohschein. Die beiden sind Trainerinnen eines Teils der Funkengarde und bringen daher noch kontinuierlicher Zeit in die Vereinsarbeit ein. Und sie tun es, ohne besonders zu betonen, dass sie eine gesellschaftlich sehr wichtige pädagogische Arbeit leisten. Nicht nur begeistern sie junge und jüngste Menschen für eine produktive Freizeitgestaltung, sie leisten auch unentgeltlich Erziehungsarbeit. „Wir haben klare Regeln“, erklärt Jasdz, „die Kinder müssen viel beitragen und bekommen sogar Hausaufgaben mit.“ Das Nähen von Kostümen, das Erfinden neuer Tanzschritte, das muss zu Hause erledigt werden. Schimpfwörter und Schlagen werden nicht geduldet. „Das Wichtigste aber“, fügt Strohschein hinzu,“ ist, dass die Kinder Spaß haben und Zusammenhalt untereinander lernen.“

So sieht Vereinsarbeit hinter den Kulissen aus. Vor der Kulisse spielt sich nun nach mächtigem Eingangsgong ein Stück närrischen Hoflebens ab. Die von Martin Strohschein, Sohn des LKC-Präsidenten Gerd Strohschein, unermüdlich eingespielte Pop-Musik wird nun zugunsten der Ansagen von Moderator René Anders vorübergehend abgestellt. Das närrische Zeremoniell beginnt. Der Elferrat und natürlich das Prinzenpaar geben sich die Ehre und werden bald aus beträchtlicher Höhe huldvoll auf die Darbietungen der Garden herabblicken. Zuerst aber verabschiedet Vereinspräsident Gerd Strohschein zwei verdiente Mitglieder des Elferrats, Mario Joncer und Heiko Vomacker. Später wird der Präsident noch drei Tänzerinnen der großen Garde feierlich mit Orden und Sekt entlassen. Eine von ihnen, Julia Beck, war dem Verein zwanzig Jahre lang treu.

Theatralisch beleuchtet und von mitreißenden Rhythmen angefeuert marschiert schließlich der närrische Hofstaat ein, vorneweg die jüngste Garde. Die Kinder sind alle unter elf Jahre alt, sehen in ihren rot-weißen Kostümchen ungeheuer putzig aus und platzen, so scheint es, vor Stolz, da sie hier eine bühnenwürdige Leistung zeigen dürfen. So keck wie unschuldig präsentiert sich später dann ihre Tanzdarbietung, beginnend mit Hüftschwüngen, die komischer wirken als mancher Büttenwitz. Reifer und natürlich anspruchsvoller und exakter die Darbietungen der älteren Garden und insbesondere des Tanzpaars Jessica Vogel und Lucy Meyer. Die beiden, die schon einen Jugendkunstpreis des KLMV gewonnen haben, werden von ihren Fans im Publikum lautstark gefeiert und präsentieren eine nicht nur karnevalsreife Leistung. Irgendwann, nach den Tänzen der großen Garde und des Jung-Elferrats, wird die Tanzfläche dann freigegeben für’s närrische Volk – und leert sich erst so gegen sechs Uhr in der Früh.



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