Kultur im Dorf : Der letzte Vorhang ist gefallen

In der vollbesetzten Kirche gab der Gemischte Chor Wendisch Priborn am vergangenen Samstag nach 35 Jahren sein Abschiedskonzert.  Fotos: Wolfram Hennies
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In der vollbesetzten Kirche gab der Gemischte Chor Wendisch Priborn am vergangenen Samstag nach 35 Jahren sein Abschiedskonzert. Fotos: Wolfram Hennies

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge: Chor in Wendisch Priborn feierte 35jähriges Bestehen und nahm Abschied

svz.de von
24. April 2017, 05:00 Uhr

Eine vollbesetzte Kirche bot am Sonnabend den Rahmen für ein besonderes Konzert in Wendisch Priborn: Der Dorfchor beging sein 35jähriges Bestehen. Dessen Vorsitzender Klaus Fengler ließ diese Zeit Revue passieren. Im April 1982 baute die Musiklehrerin Margarete Bernitzki den Chor auf, den sie 22 Jahre leitete. „Mit 82 Jahren haben wir sie dann schweren Herzens beurlaubt und die Verantwortung in jüngere Hände gelegt. Seit nun schon gut zwölf Jahren gibt Irmgard Habel den Ton an.“

Anfangs waren es nur zwölf Mitstreiter, doch der Chor fand gleich viel Zuspruch, und die Mitgliederzahl stieg kontinuierlich auf 25. Gegenwärtig umfasst er 19 Sängerinnen und Sänger. „Die langjährigen Aktivitäten zeugen davon, dass es einfach Spaß macht zu singen. Darum geht es auch. Wir wollten nicht nur uns, sondern auch unseren Zuhörern Freude und Spaß übermitteln beim Zuhören und Mitsingen alter und neuer Volks - und Heimatlieder, aber auch Stimmungs-, Wander- und Kirchenlieder mit tiefen, zum Nachdenken anregenden Inhalten“, so Fengler. Die Programme sind recht umfangreich geworden, beinhalten auch anspruchsvolle Klassiker quer durch Oper und Operette. Fengler bedankte sich bei allen Chormitgliedern für ihre Bereitschaft, Aufgaben - ganz gleich welcher Art - zu übernehmen. In seinen Dank schloss er alle diejenigen ein, die den Chor in all den Jahren unterstützt haben.

Wendisch Priborns letzter Bürgermeister hatte ausgerechnet, dass in den 35 Jahren 1750 Übungsstunden zusammengekommen sind, dazu ca. 805 Auftritte von je einer Stunde, vor jedem Auftritt eine halbe Stunde Einsingen, also 1207 Stunden, insgesamt ca. 2957 Stunden. „Das sind bei einen acht-Stunden-Arbeitstag 369 Tage oder 73 Wochen. Das war einfach zu rekonstruieren, denn vom ersten Tag an haben wir jeden Dienstag von 19 bis 20 Uhr geübt, wobei wir jahrelang keine Sommerpause machten.“ In all diesen Jahren hat der Chor 390 Lieder eingeübt und erlebte viele schöne, in Erinnerung gebliebene Auftritte. „Ich denke nur an das Singen der Deutschen Messe mit anderen Chören in der Plauer Stadtkirche. An unseren Leistungswettbewerb in Rom, die vielfältigen Auftritte in unserem Dorf und den Nachbardörfern, das Grenzsingen mit den Meyenburger Chören. Ein Höhepunkt waren sicherlich die beiden Benefizkonzerte zu Gunsten der Bestuhlung und des Altars in unserer Kirche, das wir als Chor gemeinsam mit Wolfgang Kasch und großzügiger Unterstützung des Landwirtschaftsbetrieb Aalberts durchgeführt haben. Mit zirka 120 Mitwirkenden bei jeder Veranstaltung.“

Stolz erinnerte Fengler an das Benefizkonzert in Ganzlin zu Gunsten der Hochwassergeschädigten an der Oder auf polnische Seite. Vor Ort wurden ganz spontan den am meisten betroffenen Familien unbürokratisch je 50 DM überreicht. „Welch eine Freude war das“, so Fengler.

Das gesellige Beisammensein gehörte ebenso wie das Singen zum Chorleben. In jedem Jahr ging es auf Exkursion: „Vieles haben wir in der näheren Umgebung gesehen, über 15 Jahre sind wir mit unseren eigenen Pkw gefahren.“ In diesem Jahr ist der Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide das Ziel. „Unvergessen und in guter Erinnerung bleibt unsere Schlauchbootfahrt auf der Warnow bei zum Teil strömenden Regen, aber vom NDR begleitet. Die Filmaufnahmen waren sensationell und wurden mehrfach im Fernsehen ausgestrahlt.“

Die Mitgliederversammlung beschloss am 13. Dezember mehrheitlich, den Chor zum 30. Juni aufzulösen. Dazu stellte Fengler fest: „Dieser Beschluss ist ein tiefgreifender Einschnitt im gesellschaftlichen und kulturellen Leben unseres Dorfes. Mich persönlich traf diese Entscheidung auch sehr hart, aber ich muss ihn akzeptieren. Aus diesem Grunde feiern wir heute mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, weil wir 35 Jahre erfolgreich gewirkt haben, weinend, weil in absehbarer Zeit Wendisch Priborn keinen Chor mehr hat.“ Einzig erfreuliche Nachricht: Vor zwölf Jahren hat sich aus dem Chor heraus eine kleine Mandolinengruppe gebildet, die bestehen bleibt.

Der Chor wird aber noch einige Auftritte absolvieren: Am 25. April in der Plauer Rehaklinik, am 30. April beim Maibaumaufrichten in Meyenburg, am 6. Mai beim traditionellen Frühlingssingen in Wendisch Priborn und schließlich am 20. Mai beim Grenzsingen in Meyenburg.

Zum Jubiläumskonzert gehörte auch das gemeinsame Singen von Chor und Gästen beim dreistimmigen Kanon „Dona nobis pacem“ (Schenke uns Frieden). Der Auftritt wurde beschlossen mit den Liedern „Es hat uns Spaß gemacht, für Euch zu singen“, „Ein schöner Tag ward uns beschert“ und dem „Irischen Reisesegen“. Stehende Ovationen dankten den Sängern, wobei jedem eine Rose überreicht wurde, nicht nur für das nachmittägliche Konzert, sondern auch für 35 Jahre Kulturarbeit für die Dorfgemeinschaft. Mehrere an die Chorleitung übergebene Blumensträuße bezeugten die enge Verbundenheit mit dem Klangkörper. Eine gemeinsame Kaffeetafel mit vielen Gesprächen beschloss im Dorfgemeinschaftshaus das denkwürdige Ereignis.





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