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(Naturpark)Plan Geht auf : Der junge Riese vom Hahnenhorst

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Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Naturdenkmal war bei ersten Stürmen des Jahres umgebrochen. Naturschützer pflanzten an selber Stelle im Revier Karow ein „Kind“ eben jener Schwarzerle.

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erstellt am 16.Jul.2016 | 12:00 Uhr

Wenn Schwarzerlen einen Stammumfang von mindestens vier Metern haben, dürften sie etwa 80 bis 120 Jahre alt sein und sind definitiv deutschlandweit bedeutsam. Natürlich ist ihnen dann auch ein Eintrag in das Buch „Unsere 500 ältesten Bäume“ – ein Archiv der stärksten, berühmtesten und eindrucksvollsten Bäume Deutschlands – sicher. „Die Schwarzerle vom Hahnenhorst brachte es sogar auf fünf Meter 20“, berichtet Ralf Koch, Vorsitzender des Fördervereins Naturpark Nossentiner Schwinzer Heide, und geht davon aus, dass dieser Baum noch einiges mehr auf dem Buckel hatte als 120 Jahre.

Leider hat der Hahnenhorst seine berühmte Schwarzerle vor einigen Monaten verloren. „Sie brach bei einem der ersten Stürme in diesem Jahr um“, erinnert sich Revierförster Christian Albrecht und bedauert den Verlust. Doch er hat auch Hoffnung. Denn in diesem Fall gibt es Glück im (naturschützerischen) Unglück: Der Naturpark Nossentiner Schwinzer Heide ist auch die Heimat des Hahnenhorstes im Revier Gut Karow. Im Februar 2015 war ein Naturparkplan auf den Weg gebracht worden, der geförderte Projekte festschrieb und danach forcierte, die dem Erhalt, dem Schutz und der Nutzbarmachung der Pflanzen, Tiere und des Naturparkareals dienen. Eines davon sind die „Jungen Riesen“. Durch gezielte Nachzucht – die Gewinnung des Erbgutes über Stecklinge bzw. Setzlinge – sollen Bestand und Fortbestand von Altbäumen und Bäumen mittleren Alters im gesamten Park gesichert werden. „Aus der Schwarzerle hier im Hahnenhorst haben wir vor etwa drei Jahren Saat aus den Zapfen gewonnen und in unserer kleinen Baumschule am Karower Meiler aufgezogen“, erzählt Ralf Koch. Drei – von der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung finanzierte – Projektjahre lang war dies vor allem Aufgabe von Inge Stickel. „Inzwischen sind die Nachkommen der Hahnenhorst-Erle fast mannshoch, gesund und stark“, freut sie sich.

Eines der Bäumchen pflanzten Projekt-Chefin Stickel, Revierförster Albrecht und Fördervereinsvorsitzender Koch dieser Tage am Hahnenhorst. Gleich neben jene Stelle, wo der Sturm seine „Mutter“ gefällt hat. „Es ist ein schöner Standort mit viel Licht – genau so, wie es die Schwarzerle gern hat“, sagt Ralf Koch.

Inge Stickel hat das Projekt sehr viel Spaß gemacht. Viele der wertvollen Nachzuchten mit den wahrscheinlich guten Genen, wie sie die Mutterbäume in sich tragen, sind im Naturpark bereits (aus-)gepflanzt worden. „Zirka 350 bis 400 junge Stämme hüten wir noch“, sagt Inge Stickel. „Eichen, Ulmen, Ahorn, Erlen, Douglasien…“ Sie hat grünes Licht von der Verwaltungsspitze des Naturparks, diese Jungbäume an Interessierte abzugeben. Zum einen, weil sie irgendwann zu groß werden, um sie noch umsetzen zu können. Andererseits können Bestand und Fortbestand wertvoller Bäume, wie sie die Nossentiner-Schwinzer Heide über die Jahrhunderte hervorgebracht hat, auch durch privates Engagement unterstützt werden. „Wer etwa einen Baum zur Hochzeit pflanzen möchte oder seinem Nachwuchs zu Ehren, kann sich an die Naturparkverwaltung wenden. Gegen eine Spende geben wir von den jungen Riesen gerne ab“, so Ralf Koch.

Laub fällt grün

Wussten Sie eigentlich, dass die Schwarzerle ihr Laub grün verliert? Ganz im Ernst.

Im Boden lebende Bakterien mit dem hübsch klingenden Namen Frankia Alni (benannt nach dem deutschen Mikrobiologen Albert Bernhard Frank) können an den Wurzeln der Erle Knöllchen bilden. Die Bakterien haben die Fähigkeit, Stickstoff direkt aus der Luft zu binden, in den Wurzelknöllchen zu speichern und für den Baum in ausreichendem Maße verfügbar zu machen. Während andere Bäume und Pflanzen vor dem Abwurf wichtige Stoffe aus ihren Blättern in Stämme und Stiele zurückziehen, kann es sich die Schwarzerle dank ihrer Knöllchenbakterien leisten, ihre Blätter mitsamt diverser wichtiger Stoffe abzuwerfen.

Übrigens: Franki Alni tut das nicht umsonst. Das Bakterium erhält im Gegenzug notwendige Kohlenhydrate vom Baum.

 

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