Lokalpolitik : „Der Ball bleibt im Spielfeld“

Viele Besucher der Demonstration beeindruckte der Vortrag von Tino Hahn (r., Geschäftsführer von RegioInfra, hier mit Clemens Russell, Sprecher der Bürgerinitiative „ProSchiene“).
Viele Besucher der Demonstration beeindruckte der Vortrag von Tino Hahn (r., Geschäftsführer von RegioInfra, hier mit Clemens Russell, Sprecher der Bürgerinitiative „ProSchiene“).

Jubiläums-Demonstration der Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene“ / RegioInfra: Lastwagen auf Langstrecken keine Alternative zur Bahn“

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01. August 2016, 05:00 Uhr

Mit einem „öffentlichkeitswirksam übergebenen“ Zuschuss in Höhe von rund einer Million Euro für die Einrichtung des Rufbussystems im Raum Lübz sei die Finanzierung vorerst gesichert. Spärliche Informationen gebe es jedoch hinsichtlich der Langfristigkeit, sagte Clemens Russell, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene“, auf ihrer Jubiläumsdemonstration – die 33. – am Freitagabend auf dem Lübzer Bahnhof. Die BI kämpft für den kompletten Erhalt der Südbahnstrecke. Über die lokale LEADER-Aktionsgruppe (LAG) Mecklenburgische Seenplatte – Müritz habe man als Beginn eines mehrstufigen Verfahrens den vorläufigen Antrag mit einer Ideenskizze eingereicht, zwischen Mai und September einen Gelegenheitsverkehr auf der Südbahnstrecke zwischen Malchow/Plau am See – Karow und Güstrow/Parchim mit touristischen Höhepunkten stattfinden zu lassen. Die Entscheidung darüber sollte eigentlich Freitag fallen, was jedoch nicht geschehen sei, so Russell gestern auf Nachfrage. Wird der Antrag angenommen, müssten ausführliche Unterlagen nachgereicht werden. Lübz’ Bürgermeisterin Gudrun Stein habe bereits signalisiert, dass sie hinter dem Anliegen stehe. Russell: „Das finde ich großartig! Damit zeigt auch die Verwaltung ihre Verbundenheit zur Region. Jedenfalls geben wir nicht auf, der Ball bleibt im Spielfeld.“

Die Abkürzung des von der EU aufgelegten Programms LEADER steht für „Liaison entre actions de développement de l'économie rurale“ (übersetzt Vernetzung von Maßnahmen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft).

Archäologe Rolf Schulze, der an der Uni Hamburg promoviert, arbeitet seit Ende 2014 im August und September mit immer etwa zehn Studenten „bei Wind und Wetter“, wie er selbst sagt, in der Nähe von Karbow bei einer Lehrgrabung. Auch er ist verärgert: „Die jungen Leute haben umfangreiche Ausrüstung für drei Wochen dabei, die sie nicht im Bus transportieren können. Früher sind alle mit der Bahn bis Lübz gefahren. Von dort bis zur Arbeitsstelle zu kommen war kein Problem. Jetzt muss ich sie in Parchim mit einem Kleinbus abholen – eine Aufgabe, die mir aber niemand bezahlt!“

Zu Gast war am Freitagabend auch Tino Hahn, Geschäftsführer der privaten Infrastrukturgesellschaft Regio Infra. Auf die Frage von Russell, ob der Geschäftsmann glaube, dass die „Kurve noch zu bekommen“ sei, antwortete er: „Zum einen ist es schon schwer, herauszufinden, welches Ministerium für was verantwortlich ist, was Zeit und Nerven kostet. Ich halte die Lage nicht für aussichtslos, aber bedrohlich, denn man entzieht der Region durch den Abbau von Infrastruktur wie in diesem Fall der Bahn Boden, was sich kaum, eigentlich gar nicht wieder ausgleichen lässt.“

Bei Langstrecken gebe es zur Bahn keine annähernd gute Alternative. Ein voller Güterzug, mit dem man 2000 Tonnen Gewicht transportieren kann, ersetze 66 bis 80 Lastwagen, die die Umwelt ungleich stärker belasteten und dafür sorgten, dass Straßen vorzeitig zerstört werden. Für einen Lkw müsse man 12 Cents Maut pro Kilometer auf der Autobahn bezahlen, für 80 sind es demzufolge 9,60 Euro. Beim Güterzug beträgt der Wert 3,50 Euro.

Nach dem Neubau der Bahnsteige in Malchow 2012 sei für Regio Infra nur ein Jahr später „die Welt zusammengebrochen“, als es hieß, dass zwischen Parchim und Waren nur noch weniger Züge fahren sollen und schließlich irgendwann die komplette Schließung im Raum stand. Zwar sei der Verkehr Malchow – Waren geblieben, aber: „Nach vielen, vielen Gesprächen wissen wir nicht, wo wir stehen.“

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