Spargelfest von Quetzin : Den Spargelacker rauf und runter

Im Kremser über die Spargelfelder, im Hintergrund zwei rumänische Erntehelfer Fotos: Monika Maria Degner
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Im Kremser über die Spargelfelder, im Hintergrund zwei rumänische Erntehelfer Fotos: Monika Maria Degner

Spargelwissen, Spargelessen, Spargelspäße und -spiele zum 1. Spargelfest auf dem Bauernhof Reichelt in Quetzin

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30. Mai 2017, 09:00 Uhr

Wie gerne hätten sie die Köpfe an diesem Tag auch gegen den herrlich blauen Himmel gestreckt, aber dann hätten sie sich lila gefärbt. Um schön bleich und gut verkäuflich zu sein, muss der Spargel nicht nur unter Erdwällen begraben bleiben, sondern auch noch unter Dutzenden Kilometern Folie. Es ist unverkennbar Spargelzeit. Die höckrigen Felder bieten derzeit das bekannte Bild, Spargelverkaufsstände findet man überall. Auf dem Hof der Familie Reichelt in Quetzin werden in diesen Wochen auf 15 Hektar Boden Reihe um Reihe, Tonne um Tonne Spargel geerntet. Und am vergangenen Sonntag veranstaltete das Unternehmen zu Ehren des erlauchten Stangengemüses gar ein erstes Spargelfest mit einem bunten Programm zwischen Comedy und Spargellehrpfad.

Um 10.30 Uhr sind noch nicht viele Gäste auf dem weitläufigen Gelände angekommen. Bei den Veranstaltern geht die Sorge um, dass das schöne Wetter alle Welt ans Wasser lockt, um die Mittagszeit aber ist diese Sorge verflogen, immer mehr Gäste stromern über das Hofgelände, viele tuckern mit Juniorchef Tino Reichelt im Kremser über die Spargelfelder. Inzwischen hat Comedian Leif Tennemann, bei den Tischen der Hofwirtschaft nach Spaßopfern fahndend, ohnehin schon für Kurzweil gesorgt und beispielsweise einen Lehrvortrag über die „Spargelblume“ gehalten. Wenn der Spargel nicht rechtzeitig geerntet würde, doziert der Spargelkundige Tennemann, dann breche aus seiner Spitze eine Blüte. Sein Anschauungsobjekt hat er allerdings nicht auf den Spargelfeldern gefunden, sondern in einem Deko-Schälchen mit roter Margerite auf einem der Tische. Tennemann – wer’s noch nicht weiß – ist Stegreifkünstler, gereimt oder reimlos, und mit der Wahrheit nimmt er’s professionell ungenau.

Ein bisschen humoresk klingt es auch, wenn am Grillstand eine „Spargelbratwurst“ angepriesen wird. Aber sie gibt es hier tatsächlich. Seniorhofchef Michael Reichelt, der den Grill persönlich managt, versichert, die spargelhaltige Wurst schmecke sogar außerordentlich gut. Ein Gag ist sie auf jeden Fall. Und natürlich gibt es auch Spargel pur zu Sauce Hollandaise, Spargelsuppe und so fort. Woher er kommt, können Besucher, wie erwähnt, vom Kremser aus besichtigen. Der „Führer“ der Tour über die Felder, Tino Reichelt, ist studierter Landwirt und kennt „seinen“ Betrieb natürlich aus dem Effeff. Fünfzehn rumänische Erntehelfer beschäftigt das Unternehmen derzeit, erklärt der Junior. Sie arbeiten auf den Feldern oder auch in der Halle, wo die weitere Verarbeitung maschinell unterstützt – nach sage und schreibe acht verschiedenen Güteklassen – stattfindet. Der Trecker rumpelt an einem rumänischen Ehepaar vorbei. Der Mann arbeitet mit einer Maschine, die die Folie Stück für Stück aufhebt, so dass der Helfer müheloser an die Stangen herankommt. Eine Erleichterung, die auch die Effektivität erhöht. Und wie steht es mit dem Einsatz von chemischen Mitteln auf den Spargelfeldern? „Benutzen wir nicht“, sagt der junge Landwirt. „Unkraut wird alle 14 Tage mechanisch entfernt. Der ermüdete Boden wird nach acht Jahren umgebrochen und kann sich dann fünf und mehr Jahre lang erholen.“ Produkte der Chemieindustrie kommen allenfalls partiell bei Pilzbefall zum Einsatz. Und am 24. Juni ist die Ernte vorüber. Dann beginnt wieder das Ackern. Die rumänischen Helfer fahren nach Hause oder auch zum nächsten Einsatzort. Manche ziehen von hier aus noch nach England, berichtet Tino Reichelt.

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