zurück in die vergangenheit : Das war „Heinz, der Quermann“

Peter Quermann, Tochter von Fernsehmann Heinz Quermann, mit Gästen des unterhaltsamen Abends im MGH Lübz.
Peter Quermann, Tochter von Fernsehmann Heinz Quermann, mit Gästen des unterhaltsamen Abends im MGH Lübz.

Petra Quermann, Tochter des legendären DDR-Fernsehmannes, unterhielt äußerst kurzweilig und vergnüglich im Mehrgenerationenhaus

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04. Dezember 2014, 22:00 Uhr

Sie nennt ihn „mein Daddy“, verwaltet sein Erbe und sampelt Filmmaterial seiner vielen Shows zu retrospektiven Schauen: Petra Quermann, Tochter des legendären „Heinz, der Quermann“, will, so lange sie kann, die Erinnerung an ihren Vater wachhalten. Mit Filmdokumenten aus dem Schaffen des großen Fernsehmanns unterhielt sie äußerst kurzweilig und vergnüglich im Mehrgenerationenhaus.

Es war ein Stück Erinnerungskultur in Sachen TV-Weihnachten. Die von Petra Quermann kommentierten Ausschnitte aus der legendären Sendung „Zwischen Frühstück und Gänsebraten“ passten vollendet in die Vorweihnachtszeit. Außerdem: Wiedererkennen macht unheimlich Spaß. Darauf kann Tochter Quermann, die vornehmlich vor Senioren auftritt und in diesem Dezember ca. 40 Veranstaltungen stemmen wird, bauen. „Mein Publikum, das ist seine Generation, sind die, die ihn im Fernsehen oder am Radio erlebten“, erläutert Quermann. Ihre Veranstaltungsräume sind voll. Und schaut man in die Gesichter der Zuschauerinnen, die im heimelig geschmückten Veranstaltungsraum des MGH zur Leinwand aufblicken, dann liest man im wechselnden Mienenspiel: Hier wird Erinnerung aufgefrischt.

Weihnachten ist ein Fest der Familie. Und mit der Fernsehfamilie wurde zwischen 1956 und 1991 morgens am ersten Feiertag bis 13 Uhr gefeiert. Petra Quermann präsentierte hierzu per Filmausschnitt die „Familienmitglieder“ aus der Kultsendung „Zwischen Frühstück und Gänsebraten“: Etwa die Stimmungskanonen Monika Hauff und Klaus-Dieter Henkler mit „Pauken und Trompeten“ oder die in der Talentschmiede Quermanns entdeckten Frank Schöbel und Stefanie und Eberhard Hertel. Immer wieder war natürlich auch Quermanns temperamentvolle Partnerin Margot Ebert wiederzusehen. 1991 verabschiedete die ambitionierte Unterhaltungskünstlerin sich im Fernsehen von Quermann mit einer rührenden Anekdote: Nach zwei schweren Patzern in ihrer ersten Sendung „Da lacht der Bär“ 1954, tröstete Heinz Quermann sie mit einem Glas Cognac und der Bemerkung, man habe ihm gesagt, sie seien das schönste Paar seit Lilian Harvey und Willy Fritsch.

Der Name Heinz Quermann stand für Humor. Für trockene Bemerkungen, die wie im Vorbeigehen menschliche Schwächen auf die Schippe nahmen, und natürlich für Sketche. Mit „Palim, palim“, einem Sketch, den Quermann großzügig Dieter Hallervorden überließ, startete letzterer seine Komikerkarriere. Beim entscheidenden Telefongespräch mit Hallervorden, erklärte Petra Quermann, sei sie selbst Zeugin gewesen. Man verstand sich unter Komikern offenbar grenzüberschreitend. Auch mit Peter Frankenfeld pflegte Quermann seit den Fünfzigern regen Kontakt. „Er ist als einer der wenigen Fernsehleute der DDR auch nach der Wende nicht abgewickelt worden“ erinnert sich seine Tochter. Bis 1991 trat er noch in den angestammten Fernsehanstalten auf, danach, „als Rentner“, war er Gast in etlichen Talk-Shows, u. a. bei Thomas Gottschalk. Auf die Frage, wie der Vater denn privat so gewesen sei, reagiert Petra Quermann entschieden: „Mein Vater war immer derselbe, ob er nun auf der Bühne stand oder zu Hause war.“ Die Filmausschnitte, die zu sehen waren, bestätigen sie. Der Conférencier und Komiker blieb während seiner Auftritte natürlich, führte kein aufgeheiztes Bühnen-Ich vor. Klamaukfrei stand er für eine gewissermaßen noch seriöse Komikerära, die sich markant von manchem schrillen Comedian der Gegenwart unterscheidet.

Die Einheit zwischen Privat und Beruf dokumentiert auch die Tatsache, dass Familie Quermann einst mit Mutter und zwei Töchtern „Daddy“ am Wochenende zu den Proben begleitete. Und zu seiner letzten Sendung 1991 musste Margot Ebert ihn aus den Zuschauerreihen, wo er mit zwei Enkeln saß, auf die Bühne zitieren. Das war natürlich abgesprochen, aber es passte zu Quermann. Er verstarb 2003 mit 82 Jahren. Wer ihm erinnernd noch einmal begegnen möchte, sollte Petra Quermanns Rückblicke aufsuchen oder das Berliner Panoptikum. Dort steht er – in Wachs.







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