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Interview mit Ingo Appelt : Das wär’s – ein Film in Hollywood

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Vor seinem Auftritt heute Abend auf dem Golchener Hof beantwortet Comedian Ingo Appelt unsere 20 Fragen zum Wochenende

svz.de von
erstellt am 07.Jun.2014 | 08:00 Uhr

Er trat unzählige Male im Fernsehen auf, hatte Comedyshows und kann Veranstaltungssäle füllen. Heute am Pfingstsonnabend gastiert Ingo Appelt mit seinem aktuellen Erfolgsprogramm „Liebe deine Nächste“ bei Bauer Korl auf dem Golchener Hof. Los geht es 20 Uhr. Restkarten gibt es an der Abendkasse.

Appelt ist nicht nur ein gefragter Comedian, er gehörte auch der Bundesversammlung an, die am 18. März 2012 Joachim Gauck zum Bundespräsidenten wählte. Vor seinem Auftritt in Golchen führte SVZ-Redakteur Rüdiger Rump mit ihm ein Telefoninterview. Die 20 Fragen, die sonst Menschen aus der Region am Sonnabend beantworten, hat der Comedian-Star bislang nie zuvor gestellt bekommen. Nur zwei wurden für ihn abgewandelt.

Wissen Sie, wo Golchen liegt, oder verlassen Sie sich allein auf Ihr Navi?

Ich verlasse mich auf den Fahrer, denn wir kommen zu zweit. Ich weiß aber, dass es zwei bis zweieinhalb Stunden von Berlin sind und der Golchener Hof irgendwo zwischen Schwerin und Rostock liegt, wo ich schon war.

Kennen Sie Bauer Korl, der auch für seine lustigen Sprüche bekannt ist? Und gibt es vielleicht sogar ein gemeinsames Intermezzo auf der Bühne?

Von Bauer Korl habe ich gehört, kenne ihn aber nicht persönlich. Das alles ist für mich Neuland, ich lasse mich überraschen. Wenn er mich zu Beginn vorstellt, ergibt sich vielleicht was Gemeinsames, ganz spontan.

Herr Appelt, nun kommen Fragen, die wir sonst bekannten Menschen aus der Region stellen. – Wo kann man Sie am ehesten treffen?

Auf der Bühne. Das mache ich fast jeden Tag, und ich mache das gern. Häufig bin ich in Berlin und natürlich zu Hause in Overath. Das liegt in der Nähe von Köln im Bergischen.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

In der Maschinenschlosser-Ausbildung bei Siemens. Mein erstes Lehrlingsgeld waren 532 D-Mark. Das weiß ich noch genau. Zeitungen habe ich nie ausgetragen oder sowas ähnliches gemacht.

Und wofür haben Sie es ausgegeben?

(überlegt kurz) Für einen Kassettenrekorder, richtig gut mit Stereo. Die waren zu der Zeit angesagt, und heute kennt
die kaumnoch jemand. Ich habe den im Siemens-Laden gekauft, war zu der Zeit unheimlich patriotisch.

Was würden Sie gerne können?

Bücher schreiben. Ich bin furchtbar schreibfaul. Wenn ich an einem neuen Programm arbeite, lese ich viel zu den Themen, denke intensiv nach. Aber ich setze mich selten an einen Computer, um das Programm zu schreiben. Auf der Bühne mache ich das aus dem Stegreif, aus dem Kopf heraus. Mich hinsetzen und was aufschreiben, ist echte Quälerei. Wenn ich dagegen meinen Kollegen Dieter Nuhr sehe, der setzt sich in den Zug, klappt den Laptop auf und hat die nächste Nummer fertig. Wir kennen uns gut und sind uns in vielem sehr nahe, aber in diesem Punkt sind wir völlig
unterschiedlich.

Was stört Sie an anderen?

Selbstgefälligkeit. Wenn jemand unglaublich von sich eingenommen ist. Etwa nach der Art: Der Mensch springt vom Baum, klopft brüllend an seine Brust, dreht sich um und fragt, was willst denn du Affe. Dabei ist er von dem gar nicht so weit entfernt. 

Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?

Über private Sachen, was Kinder manchmal erzählen, auch wie sie Comedy betrachten. Sie gucken sich das anders an, achten weniger auf die Texte, sondern mehr auf Gestik. Mein Jüngster meinte, Papa, du machst so schönes Kasperle-Theater. Das fand ich lustig. Ich bin selbst Fan von Kasperle-Theater und bringe gern meine Kinder zum Lachen.

Was Unvernünftiges haben Sie zuletzt getan?

Ich mache ständig Unvernünftiges, neige regelrecht dazu. Ich lade ständig Leute ein und gebe zu viel Geld aus, verlege immer wieder Quittungen, die ich später für die Steuererklärung brauche. Doch ich nehme mein Leben als glückliche Fügung. Die acht Jahre bei Siemens haben geprägt; ich hatte da oft keinen guten Stand und weiß, wie schwer Geld zu verdienen ist. Ach ja! Unvernünftig war gerade auch mein Versuch, Ameisen aus dem Haus zu vertreiben. Ich habe Öl genommen, doch auf Parkett sollte man es nicht geben, das wurde mächtig glatt. 

Wer ist Ihr persönlicher Held?

Mein Manager Ralf Helle. Er ist hoch anständig, kümmert sich intensiv und schnürt mir ein Rundherumsorglospaket. Wir arbeiten seit 15 Jahren freundschaftlich zusammen, ohne Vertrag, und müssen uns nicht gegenseitig kontrollieren. Ich habe schon andere Erfahrungen gemacht. 

Welches Buch lesen Sie gerade?

Fachliteratur. Gewalt und die neue Geschichte der Menschheit von einem Ethnologen. Wie Gewalt in unser Leben
gekommen ist; es ist Teil der Vorbereitung auf mein neues Programm im nächsten Jahr. Ich interessiere mich sehr für grundsätzliche Fragen, wie
Leben, Liebe oder Unterschiede zwischen männlicher und weiblicher Kommunikation.

Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?

Ich gucke so gut wie gar nicht, sehe lieber Filme, manchmal auch Serien, von einer Blue-Ray im Großformat und ohne Werbeunterbrechung. Meine Frau schaut gern, dann sitze ich mal am Nachmittag daneben. Wobei Frauen anders
gucken, sie lästern gern über andere im Fernsehen.

Wo trifft man Sie eher: bei der Karnevalsfeier oder bei einem Fußballspiel?

Eher bei einer Karnevalsfeier. Ich bin kein großer Karnevalist, hatte aber meinen ersten Auftritt beim Orden wider den tierischen Ernst. Mit Fußball kann man mich jagen. Mich ärgert jetzt schon die tote Zeit während der Fußball-WM. Da geht keiner zu Comedy.

Wen würden Sie gerne mal treffen?

Jack Nicholsen. Ich habe ihn immer bewundert. Er ist für mich einer der besten Schauspieler. Und Robbie Williams würde ich auch gern treffen.

Wenn Sie nicht selbst kochen: Was kommt bei Ihnen auf den Tisch, griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?

Tendenziell italienische Gerichte. Ich mag die mediterrane Küche. Meine Frau steht mehr auf deutsche Gerichte. Deshalb mache ich gern Frikadellen oder Schnitzel. Zur Abwechslung gibt es Zwiebel- und Krustenbraten aus der Wiener Küche oder eine Thüringer Wurstplatte.

Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?

Da gibt es mehrere. Am meisten eingeprägt hat sich jedoch „Another Day in Paradise“ von Phil Collins, obwohl das nicht meine schönste Erinnerung ist. Ich war unglücklich verliebt, und das Lied lief jeden Tag 400 Mal im Radio.

An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?

Ich erinnere mich eher an ungute Geschenke. Von einem Veranstalter erhielt ich mal einen Body, Unterwäsche als Einteiler. Das war schon ein einschneidendes Geschenk.

Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?

Ich würde gern mal in Hollywood landen und dort zur Legende werden. Ein Film mit Jack Nicholsen, das wär’s. Wir beide als finstere Gesellen.

Was werden Sie als Rentner machen?

Wahrscheinlich arbeiten, weil ich nicht mit Geld umgehen kann. Ich sehe mich durch Altenheime tingeln. Dabei ist es ja ein Unterschied, ob man mit 80 wie Dieter Hildebrandt einfach aus Spaß auf der Bühne steht oder ob man es muss. Ich werde das wohl müssen.

Wem sollten wir dieses Fragen ebenfalls stellen?

Uli Hoeneß.
 

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