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20 fragen zum wochenende : Das südamerikanische Temperament gibt’s gratis

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Martin Huss ist seit 15 Jahren Landesposauenenwart in MV. Er redet schon ganz gern mal mit seinen Hühnern und hat sein erstes Geld mit Schuheputzen in einem Vorort von Buenos Aires verdient.

Martin Huss ist Landesposaunenwart. Was das ist, wollen Sie wissen? „…Repräsentant der evangelischen Posaunenarbeit in einer bestimmten Landeskirche…“, sagt Wikipedia. „Ich bin zuständig für 1300 Bläser und 105 Posaunenchöre in MV“, bringt es Martin Huss auf den Punkt. Der gebürtige Argentinier, der beim Studium an der Hochschule für Kirchenmusik in Erfurt schon 1990 seine Frau Claudia kennenlernte und mit ihr fünf Jahre in seiner Heimat lebte, kam 1998 nach Deutschland. Just zu der Zeit, als die Stelle des Landesposaunenwartes in Mecklenburg-Vorpommern ausgeschrieben war. Huss bewarb sich und bekam sie. 15 Jahre ist das her. Oder auch 90 000 Kilometer jährlich, die er für seine Posaunenarbeit, für Ausbildung und Konzerte unterwegs ist. Oder besser gesagt war. Seit im vergangenen Jahr das auch mit Hilfe von Leader-Mitteln gebaute Bläserzentrum auf dem Pfarrgrundstück in Barkow eröffnet wurde, kommen die Bläser in aller Regel zu ihm. „Ein paar Kilometer mache ich trotzdem“, schmunzelt Huss und nimmt derer 50 000 gern in Kauf. Denn für seine Musik tut er halt alles.

Heute beantwortet Martin Huss SVZ-Redakteurin Simone Herbst die 20 Fragen zum Samstag.


Wo ist Ihr Lieblingsplatz in der Region?
Bei meinen Hühnern im Stall. Wenn ich spät am Abend nach Hause komme setze ich mich oft einen Augenblick zu meinen Hühnern und rede mit ihnen. Sie widersprechen nicht, gackern ein wenig. Nur meine Frau ist darüber nicht so glücklich, weil oft Hühnerdreck an meiner Hose klebt.
Wären Sie Bürgermeister, was würden Sie sofort ändern?
Ich bin froh, dass ich kein Bürgermeister bin und halte mich mit Ratschlägen zurück.
Wo kann man Sie in der Region am ehesten antreffen?
Im Bläserzentrum in Barkow bei meiner Arbeit.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mein erstes Geld habe ich mit Schuhe Putzen verdient. In meiner Heimat Argentinien ist es damals noch üblich gewesen. So habe ich also in einem Vorort von Buenos Aires gesessen und die Schuhe von Passanten geputzt.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Ohne Quatsch, von dem ersten selbst verdienten Geld, habe ich mir selbst ein Paar Schuhe gekauft.
Was würden Sie gerne können?
In meiner Kindheit und Jugend hatte ich nie die Möglichkeit, Schlittschuh oder Skifahren zu lernen. Beides würde ich gerne können. Aber jetzt bin ich zu alt.
Was stört Sie an anderen?
Ein Sprichwort sagt: „Der Ton macht die Musik“ und das bedeutet, dass es nicht nur darauf ankommt, was jemand sagt, sondern auch wie man etwas sagt. Wenn nun jemand aufsteigt und Chef wird und er ändert dabei seinen Ton, so etwas ärgert mich sehr.
Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?
Auf der Fahrt zu einem Konzert hat mir ein Bläser einen Witz erzählt, über diesen Witz musste ich lange lachen. Da ich selbst Witze aber nicht gut erzählen kann, behalte ich auch den jetzt lieber für mich.
Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?
In der letzten Woche habe ich versucht, nach einer langen Autofahrt bis nachts um zwei Uhr die letzten Stunden im Auto zu schlafen. Morgens um sechs habe ich so gefroren, dass ich den Motor laufen lassen musste, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Albert Schweitzer ist eine Art Held für mich. Die Welt würde wahrscheinlich anders aussehen, wenn es mehr solcher Helden geben würde.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Sie werden lachen. Ich lese gerade das Buch: „Die Farbkanarien“ von Norbert Schramm. Das ist ein Buch über Kanarienvögel.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Es gibt keine bestimmte Sendung, die ich regelmäßig schaue. Oft gucke ich einfach irgendetwas mitten in der Nacht zur Zerstreuung. Wenn ich am Sonntag Abend zu Hause bin, da schaue ich Tatort, egal in welcher Stadt die Verbrecher gejagt werden.
Wo trifft man Sie eher: Auf dem Fußballplatz oder bei einer Sportübertragung vor dem Fernseher?
Auf dem Tennisplatz in Schwerin. Ich spiele sehr gerne Tennis.
Wen würden Sie gerne mal treffen?
Wenn das ginge, würde ich Johann Sebastian Bach gerne treffen und mich mit ihm über Musik und Glauben unterhalten. Es gibt zwar sehr viele Bücher über Bach, aber eine echte Begegnung wäre doch was völlig anderes. Von den jetzt lebenden Menschen würde ich den Bundespräsidenten Joachim Gauck gerne mal kennenlernen.
Wenn Sie nicht selbst kochen: Was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch?
Patty. Das ist so etwas Ähnliches wie Hamburger nur aus Argentinien. Ich habe auch einmal in einem Schlachthof gearbeitet und gesehen, welche Fleischreste zu Patty verarbeitet werden. Es sah wirklich eklig aus, aber es schmeckt ganz wunderbar.
Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
„Ich steh vor meiner Grippe hier“ – das Lied heißt natürlich anders, aber als Student haben meine Mitstudenten und ich uns immer Geld verdient durch Posaunenmusik. Manchmal haben wir Stundenlang unter freiem Himmel gespielt und Weihnachten waren alle krank, außer ich. Immer wenn das Lied kam „Ich steh an deiner Krippe“ haben wir an Grippe gedacht und konnten vor lachen kaum Luft holen.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne, und von wem haben Sie es bekommen?
Meine Eltern haben mir, als ich sieben Jahre alt war, einen Batmangürtel mit Lampe und Batterie geschenkt. Es war eigentlich ein trauriges Weihnachtsfest, weil mein älterer Bruder gerade gestorben war. Aber mein Vater hat zu meiner Mutter gesagt, als ich den angebrannten Kunstweihnachtsbaum mit meiner Lampe ableuchtete: „Das ist das Licht, das wir in Zukunft brauchen.“ Gott hat es gegeben, Gott hat es genommen, gelobet sei der Herr!
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
So Gott will und ich es einrichten kann, möchte ich gern die letzten Tage meines Lebens in meinem Elternhaus in Argentinien verbringen.
Was werden Sie als Rentner machen?
Zwei Dinge, die ich als Kind und Jugendlicher schon immer gern gemacht habe, Kanarienvögel züchten und Tennis spielen.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?
Meinem Pastor in Plau am See, Stephan Poppe.

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von
erstellt am 12.Jan.2014 | 09:00 Uhr

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