Flop in Sternberg : Das große Missverständnis

In Parchim seit drei Jahren top – in Sternberg am Samstag ein Flop: „Ox & Esel“ mit Anne Ebel (l.) als Ox und Martin Klinkenberg als Esel.
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In Parchim seit drei Jahren top – in Sternberg am Samstag ein Flop: „Ox & Esel“ mit Anne Ebel (l.) als Ox und Martin Klinkenberg als Esel.

„Ox & Esel“ mit dem Zusatz „Krippenspiel der anderen Art“ vom Theater Parchim floppte in Sternberg

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25. November 2014, 07:51 Uhr

Diesen Theaternachmittag werden Besucher und Darsteller nicht so schnell vergessen. Während „Ox & Esel“ vom Mecklenburgischen Landestheater Parchim in der Eldestadt seit dem 28. Dezember 2012 laut Inspizientin Simone Schulz „sehr, sehr gut läuft“, floppte es am Sonnabend im Sternberger Seehotel geradezu.

Das Stück, dessen Grundlage die allseits bekannte biblische Geschichte um Maria und Josef und das Jesuskind in der Krippe in einem Stall von Bethlehem bildet, ist freilich mit dem Zusatz versehen: „Krippenspiel der anderen Art“. Das wird schon an den Akteuren deutlich: Ox, der Ochse, gespielt von der 25-jährigen Pfälzerin Anne Ebel, sowie Esel (Martin Klingenberg/29). Und so’n Esel hat zwar lange Ohren, so richtig bekommt er es allerdings nicht auf die Reihe, was draußen vorm Stall so vor sich geht. Da ist von einem Josef und einer Mechthild die Rede, aus der über die Michaela schließlich die Maria wird. Im weiteren Verlauf des Stücks heißt die Mutter des Krippenkindes einfach nur noch „Mechthild-Michaela-Maria“.

Vom Theater kann und darf man kein biblisch Abbild erwarten, dazu ist Weihnachten mit den alljährlichen Krippenspielen in den Kirchen da. Doch die Besucher in Sternberg, von den 165 Stühlen im Saal des Seehotels waren ein Drittel besetzt, zeigten sich bei „Ox & Esel“ ganz überwiegend irritiert. Ja, viele wussten im Vorfeld nicht so richtig, was gespielt wird – einige etwa erwarteten etwas Plattdeutsches.

Und so entfernten sich Bühne und Publikum immer mehr voneinander. Während sich Ox und Esel dem anfangs strikt abgelehnten Krippenkind immer fürsorglicher annahmen, wirkten die Theatergäste mehr und mehr irritiert, ja teils entsetzt. Einige gingen vorzeitig. Die anderen harrten die Stunde bis 17 Uhr aus. Am Ende fehlten nur noch Buhrufe, anstandshalber gab es spärlichen Beifall.

Die Meinungen nach der Vorstellung waren ganz überwiegend umso deutlicher. Helga Penndorf aus Dabel sprach von „gemischten Gefühlen. Die Schauspieler waren toll, aber sonst?“ Sie rieb sich am Widerspruch des „im Grunde genommenen klassischen Themas und der modernen Umsetzung“. Für den Sternberger Jürgen Klabunde kann man „damit keine Leute locken“. Karin Grasemann, ebenfalls aus Sternberg, die sich vor Beginn auf die Vorstellung regelrecht freute („Ich finde, es müsste jeden Monat hier Theater geben.“) sagte danach: „Aber nicht so was. Das hat mir nicht gefallen. Wo leben die Normalen? Ich habe mir was Besseres vorgestellt.“ Birgit Baeck (Schwerin), die zusammen mit ihrer guten Bekannten Lisa Bäckler (Sternberg) im Seehotel weilte: meinte nur: „So ein Stuss!“.

Parchims Theaterintendant Thomas Ott-Albrecht war extra nach Sternberg gekommen, um zu sehen, wie das Stück hier ankommt und musste konstatieren: „So was habe ich lange nicht mehr erlebt. Es war offenbar das falsche Publikum fürs Programm oder das falsche Programm fürs Publikum.“ „Ox & Esel“ sei eigentlich was für Kinder – aber nicht nur. „Wir werden nicht aufstecken“, so Ott-Albrecht. Er müsse aber nochmals überdenken, was „hier in Sternberg funktioniert“. Der Intendant denkt da etwa an „Emmas Glück“ – „Das ist eine Geschichte auf dem Lande“.


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