Südbahn : „Das grenzt an Unverfrorenheit“

Empfang für aus Richtung Parchim kommende Zuggäste. In Malchow und Karow kamen 30 beziehungsweise 20 Besucher zur Demonstration.
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Empfang für aus Richtung Parchim kommende Zuggäste. In Malchow und Karow kamen 30 beziehungsweise 20 Besucher zur Demonstration.

Sprecher der Bürgerinitiative gegen Teilschließung der Südbahn reagiert auf neueste Aussagen von Landesverkehrsminister Pegel

svz.de von
02. November 2014, 22:00 Uhr

Trotz der Aussage von Landesverkehrsminister Christian Pegel, dass der Weiterbetrieb der Südbahn zwischen Parchim und Malchow „ökologischer Irrsinn und ökonomischer Wahnsinn“ (SVZ vom 1./2. November, Seite 1) sei, sieht die gegen die geplante Teilschließung kämpfende Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene“ noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Sie setzt jetzt zunächst vor allem auf das noch ausstehende Urteil der von den Landkreisen Ludwigslust-Parchim und Mecklenburgische Seenplatte angestrengten Klage vor dem Verwaltungsgericht Schwerin. Es könnte verfügen, dass der Bahnbetrieb über den 15. Dezember hinaus angeboten werden muss.

„So gut wie alle namhaften wie auch viele kleinere Unternehmer aus Lübz und Plau am See haben erst jüngst für den Erhalt der Südbahn unterschrieben, was ein Paukenschlag war“, sagt BI-Sprecher Clemens Russell. „Menschen, die etwas von Betriebswirtschaft, Kostenentwicklung und davon verstehen, dass Wirtschaft ebenfalls mit Psychologie zu tun hat. Auch ihnen gegenüber bezüglich dessen, wofür sie eintreten, von Irrsinn und Wahnsinn zu sprechen, grenzt an Unverfrorenheit. Sie bieten sich sogar als Partner an – unglaublich, wer das mit Füßen tritt! Ich kann nur eines sagen: Herr Minister, der Dialog steckt in der Klemme. Hier ist jetzt der Ministerpräsident gefragt.“

In der Tat hätten sich das Land und oben genannte Kreise seinerzeit grundsätzlich auf die Erstellung eines Gutachtens zur Südbahn geeinigt. Der so genannte „Interkommunale Arbeitskreis“, in dem sich von der möglichen Schließung betroffene Kreise und Kommunen später zusammenschlossen, habe das Papier nie als endgültig angesehen und zu keinem Zeitpunkt die politischen, daraus gezogenen Schlussfolgerungen akzeptiert – schon gar nicht die Zerschlagung der Südbahn. In sofern stelle die Klage keinen Widerspruch dar. „Überhaupt nicht zu akzeptieren sind zum Beispiel pauschale Aussagen wie die, dass zwischen Lübz und Malchow so gut wie keine Leute fahren. Gefragt ist eine differenzierte Sichtweise, denn in dem Teilbereich zwischen Lübz und Parchim etwa ist das Fahrgastaufkommen so hoch wie sonst kaum irgendwo“, sagt Russell.


Kritik: Gutachten nur auf Defizite ausgerichtet


Das auch nach dem Eindruck der Kreise schon immer ministeriell stark geprägte gutachterliche Verfahren zweifele man hinsichtlich der Aussagefähigkeit rentabel oder nicht insgesamt an, weil es ausschließlich auf Defizite und nicht auch auf die Zahlen verbessernde Potentiale ausgerichtet sei. Durch den „sträflich vernachlässigten“ Wiederanschluss Plaus etwa, der rund 260 000 Euro kosten würde (die Gleise liegen noch in der Erde), wäre es nach Rücksprache mit Touristikfachleuten möglich, langfristig bis zu 80 000 Gäste hinzu zu gewinnen: „Dann wäre alles kein Thema mehr, was man als Schließungsbegründung anführt.“

Der Betrieb des Eisenbahnabschnittes Parchim – Malchow koste jährlich rund 2,6 Millionen Euro. Auf Nachfrage der Bürgerinitiative habe die auf der Strecke fahrende ODEG (Ostdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft) einen Preisnachlass von 200 000, der neue Trasseneigentümer (ab 1. Januar) sogar in Höhe von 600 000 Euro zugesagt. Man rede also über eine noch zu finanzierende Summe von 1,8 Millionen Euro, die sich auf gut eine Million reduziere (mit dem Anschluss Plaus zusammen gut 200 000 Euro mehr), weil das Bussystem Pegel zufolge etwa 700 000 Euro koste. Kaum jemand wisse, dass die „Hanseatische Eisenbahngesellschaft“ in der Vergangenheit sogar schon einmal ein Angebot unterbreitet habe, das gleichteuer wie das Bahnprojekt war: „Im Ministerium abgelehnt.“

Nach Aussage des an der erwähnten Zählung beteiligten „Verkehrsverbundes Mecklenburg-Vorpommern“ nutzten etwa 50 Prozent der Fahrgäste die Südbahn durchgängig, also je nach Richtung über Parchim beziehungsweise Malchow hinaus. Die Teileinstellung zwischen beiden Orten wäre „eine Katastrophe“, weil viele der Genannten dann nicht mehr Zug fahren würden, die Reststrecken folglich noch weniger Kunden nutzten, wodurch sich die Kosten weiter erhöhten: „Und dann gibt’s früher oder später den endgültigen Dolchstoß – das Ende der gesamten Strecke.“

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