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Dobbertiner Geschichten : Das Geheimnis der Wittenpfennige

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Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Horst Alsleben, Kenner der Dobbertiner Geschichte, erzählt heute vom Münzfund in Ruest: Knecht Garling fand vor 170 Jahren 1221 Münzen

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erstellt am 02.Dez.2017 | 12:00 Uhr

An der heutigen Landstraße 16 von Parchim nach Sternberg befand sich zwischen Mestlin und Hohen Pritz auf halber Strecke der einstige Ruester Krug. Noch um 1910 war das Schild „Gasthof zur neuen Welt“ von Weitem zu sehen. Heute ist hier eine Landfleischerei ansässig.

Die Feldmark um den Ruester Krug schien von jeher ein geschichtsträchtiger Ort gewesen zu sein. Viele überlieferte Namen, wie das Glockenmoor, die Dörpstäd oder das Silberbergmoor haben sich östlich vom Dorfkrug in Richtung Ortsmitte erhalten. Sogar eine Sage berichtet von einer versunkenen Glocke der wüsten Dorfstätte Neppersmühlen im Glockenmoor.

Ungefähr sechs Schritte vom südlichen Rand des Glockenmoores fand vor fast 170 Jahren der Knecht Friedrich Garling beim Hacken auf einer leichten Anhöhe einen zinnernen Bierkrug mit 1221 Silbermünzen. Knecht Garling war sich seines Glückes nicht bewusst, denn er konnte weder die vielen Münzen zählen, noch von einem Finderlohn etwas wissen.

<p>Besonderes Stück Geschichte: Wittenpfennig 1739</p>

Besonderes Stück Geschichte: Wittenpfennig 1739

Foto: Rainer Cordes
 

Von einem Münzschatz wird gesprochen, wenn drei oder mehrere in historischen Zeiten verborgene oder verloren gegangene Münzen gefunden werden. Dieser wohl einmalige Münzschatz sollte nicht nur das kleine Bauerndorf Ruest mit dem sagenumwobenen Glockenmoor weit über die Grenzen Mecklenburgs bekannt machen, der Münzfund ging auch in die Dobbertiner Klostergeschichte ein und wurde später von Fachexperten des Großherzoglichen Münzkabinets in Schwerin wissenschaftlich ausgewertet. Einige dieser Münzen befinden sich heute noch im Staatlichen Museum zu Schwerin und im Depot der Universität zu Rostock.

In diesen bewegten Jahren gehörte Ruest noch zum Klosteramt Dobbertin. Daher schickte der Dorfschulze Friedrich Rieck in aller Frühe seinen Knecht Garling mit einem Brief und dem Beutel voller Silbermünzen zum Klosterhauptmann Carl Peter Baron von Le Fort nach Dobbertin.

Wie in jedem Amte üblich, wurde auch im Dobbertiner Klosteramt über diesen Fund ein „Protocollum“ angefertigt. Das war gut so, denn so können wir heute noch den Münzfund bis in das kleinste Detail nachvollziehen.

Neben dem Klosterhauptmann Carl Peter Baron von le Fort waren damals noch die Provisoren Hans Heinrich Wilhelm von Blücher auf Suckow und Carl von Behr auf Hindenberg, der Küchenmeister Friedrich Behrens, der Syndicus Advokat Burmeister aus Güstrow, der Amtsschreiber Actuari Ludwig Lierow und der Ruester Erbkrüger und Dorfschulze Friedrich Rieck mit seinem Tagelöhner Friedrich Garling als Finder anwesend. Nach Garlings mündlichen Bericht über den Fund hatte man die Münzen in Gegenwart der Anwesenden gezählt und es ergab die Zahl 1221. Danach wurde das Protokoll verlesen und genehmigt.

Dem anwesenden Finder standen auf Anraten der Klostersyndicus Burmeister „die Hälfte des Wertes des Fundes mit 611 Münzen zu.“ Es war eine schnelle und glückliche, doch keine weise Entscheidung der Klostervorsteher. Denn diese Münzen konnten danach weder registriert noch untersucht werden. Was der Knecht Garling mit diesen Münzen gemacht hatte, war nicht mehr zu erfahren.

Die verbliebenen Münzen erhielt der Geheime Archivrath Dr. Lisch in Schwerin zur wissenschaftlichen Untersuchung mit dem Münzsachverständigen Pastor Masch zu Demern vom Klosterhauptmann. Nach der Fundbeschreibung handelte es sich um in Lübeck, Hamburg, Lüneburg, Wismar, Rostock und Stralsund vor 1397 geprägte Wittenpfennige. Man kam aber auch zu folgenden Ergebnis: „Es steht ernstlich fest, dass das Vergraben der Münzen bei Ruest schon vor 1403 geschehen sein ist.“

Doch wer vor 440 Jahren so viele Münzen in einem zinnernen Bierkrug nahe des Glockenmoores versteckt oder vergraben haben soll, wurde bisher nicht geklärt und wird wohl weiter ein Geheimnis bleiben.

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