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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

25. November 2017 | 06:58 Uhr

Lübz : Dankeschön für die Unermüdlichen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Mehrgenerationenhaus spendiert seinen ehrenamtlichen Helfern ein Neujahrsessen / Und stellt den fertigen Jahresplan vor

Diesmal sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter des MGH Ehrengäste. Der Menüaushang kündigt Ente, Rotkohl, Knödel und Dessert an. Aber bevor es ans Schmausen geht, stellen MGH-Teamleiterin Kerstin Lorenz und Mitarbeiterin Marion Cornehl ihren Helfern das Jahresprogramm 2015 vor. Als die Kopien mit der Übersicht über den Winterferienpass verteilt werden, kommt der scherzhafte Kommentar: „Sind ja nur neun Seiten.“ Diese neun Seiten aber sind symptomatisch: Ohne die treuen Helfer des MGH gäbe es sie so nicht. Dasselbe trifft für die Vielfalt und Fülle des Jahresangebots generell zu.

Eine Stunde dauert der Vortrag der Amtlichen. Dann kursieren unter den Gästen erste Überlegungen, wer was künftig übernehmen könnte. Marlies Prestin und Andrea Lehmann-Liehr sinnieren, ob wohl wieder Eulenkissen oder in diesem Jahr Kissen in Fuchsform genäht werden. Es wird viel gescherzt. Den Gruppenzusammenhalt hat die Arbeit selbst geformt, aber auch das einmal im Monat von der Leitung anberaumte Ehrenamtsfrühstück. Gute Laune und bemerkenswerte Offenheit herrschen auch später in der „Guten Stube“ des MGH, wo sich zwischen Klavier, Kleiderpuppen und Oma-Plüsch-Sesseln die Ehrenamtlichen über Motive und Erfahrungen in der Arbeit austauscht.

„Mamma Muh“, „Lieselotte“, „Rabe Socke“, das seien Kinderbuchtitel, die sie besonders mag, erzählt Lesepatin Jutta Seidel. Die ausgebildete Wirtschaftskauffrau bezieht heute Invalidenrente und wurde über einen Ein-Euro-Job zur Vorleserin. Damals las sie einer älteren Frau regelmäßig vor, heute öffnet sie den „Lesekoffer“ im MGH für Kinder zwischen sechs und fünfzehn. „Überall da, wo’s gebraucht wird, lese ich“, sagt Jutta Seidel, auch im Kindergarten, und Marlies Prestin beschreibt lachend, wie oft sie die Lesepatin auf dem Rad durch Lübz flitzen sieht. Prestin wiederum, die Verkäuferin gelernt hat, hat zu DDR-Zeiten schon als Erzieherin gearbeitet, „aber nicht staatlich anerkannt“, fügt sie hinzu. Mit der Wende war es damit vorbei. Auch sie kam über einen Ein-Euro-Job ins Ehrenamt, im MGH ist sie nun seit 2013. „Die Sommerterrasse, die hat zum Beispiel Spaß gemacht, Leute bedienen, Eisbecher fertigmachen…“, schwärmt sie. Andrea Lehmann-Liehr, gelernte Elektromechanikerin, kann das nur bestätigen. Sie, die sechs Kinder, darunter drei eigene, und eine Menge Tiere betreute oder noch betreut, hat seit 1991 schon eine regelrechte Laufbahn als Ehrenamtlerin beschritten. Bis zur Jahrtausendwende unterstützte sie, die gerne Lehrerin geworden wäre, den Lübzer Arbeitslosenverband, indem sie Kinder betreute, Ferienlager organisierte oder Rettungsschwimmer ausbildete. „Ich muss raus“, sagt die resolute Frau, „trotz umfangreicher Familienpflichten. Ich brauche auch den Umgang mit Menschen draußen.“ Darin sind sich alle einig, auch Gerhard Maaker, ehemals Dachdecker und nun ehrenamtlich Fahrer des MGH: Man will unter Leute kommen und noch eine Aufgabe erfüllen, anstatt vor der Zeit zu versauern. Auch das gilt unisono: Alle vier haben eine besondere Beziehung zu Kindern oder hätten die Pädagogik sogar gerne zum Beruf gemacht. Jetzt erfüllen sie sich den Wunsch ein Stück weit im Ehrenamt.

Dass ein erzieherisches Ehrenamt auch problematische Seiten kennt, davon erzählt vor allem Gerhard Maaker. Er fährt die Fördergruppe, Kinder bis zu zehn Jahren, und später die älteren Schüler jeweils im Bus nach Hause, bewältigt dabei pro Tag im Schnitt 100 Kilometer. Seit etwa einem Jahr hat Maaker aber Bedenken entwickelt. „Die Kleinen“, sagt er, „sind so frech geworden.“ Balgereien um Sitzplätze, ausdauerndes Mobben und dann diese Ausdrücke! Maaker weigert sich, sie selbst in den Mund zu nehmen, deutet aber an: „Es geht immer nur um das eine Thema.“ Um Sex also. Das Schlimmste aber für den ehrenamtlichen Fahrer: „Wenn dann ein gemobbtes Kind weinend zu Hause ankommt und sich beklagt, bekommt man noch eine Breitseite von Eltern oder Oma.“ Das verletzt ihn. Menschen im Ehrenamt treffen berufstypische Nackenschläge also auch und das nicht einmal „bezahlt“. In einer solchen Lage, in der Lehrer möglicherweise die Supervision aufsuchen, vertrauen sich die ehrenamtlich Arbeitenden des MGH so weit, dass sie untereinander über die Sache reden. „Unter uns geht es nicht so distanziert zu, im Beruf ist jeder für sich“, meint Lehmann-Liehr. Und Konkurrenz gibt es unter ihnen auch nicht. „Hier sind alle gleich“, fügt Seidel hinzu, „und wenn etwas nicht stimmt, muss man darüber reden.“




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