Pferde- und Reittrainer in Gnevsdorf : "Cowboy" Michael Klaproth sattelte um

<fettakgl>Der 'Cowboy' aus Brandenburg</fettakgl> weiß, worauf es bei einem Sattel ankommt: 'Wenn der Sattel stimmt, ist das Gewicht eines Reiters völlig egal.'<fotos>sabrina panknin</fotos>
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Der "Cowboy" aus Brandenburg weiß, worauf es bei einem Sattel ankommt: "Wenn der Sattel stimmt, ist das Gewicht eines Reiters völlig egal."sabrina panknin

Ob Englisch, Spanisch oder Western - er erkennt sofort, ob er passt oder nicht. Doch vor allem eines fällt Michael Klaproth sofort ins Auge: Sieht der Sattel nur hübsch aus oder ist der auch wirklich von guter Qualität.

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22. März 2013, 04:50 Uhr

Gnevsdorf | Ob Englisch, Spanisch oder Western - er erkennt sofort, ob er passt oder nicht. Doch vor allem eines fällt Michael Klaproth sofort ins Auge: Sieht der Sattel nur hübsch aus oder ist der auch wirklich von Qualität. Denn diese ist beim Reiten immens wichtig. Wer beim Reiten falsch ausgerüstet ist, hat nicht wirklich Freude, aber vor allem das Pferd hat keinen Spaß und wird womöglich krank.

Mehrere Kreuze zeichnet Michael Klaproth mit einem Stück Kreide auf die Innenseite des Sattels. Eines hier hin, das zweite und dritte da und das letzte dort hin. Alles genau ausgemessen und mit dem geschulten Blick ausgemacht. Michael Klaproth weiß genau, was er zu tun hat, wenn er diesen Sattel mit zu sich nach Brandenburg nimmt: aufpolstern, denn so passt er nicht auf den Pferderücken.

Den schwarzen Lederhut tief ins Gesicht gezogen steht Michael Klaproth nehmen der Araberstute. Pferdehaare fliegen durch die Luft, noch wird sie hübsch gemacht, bevor der Westernsattel angepasst werden kann. Kasira schnaubt vor sich hin, bläht die Nüstern, genießt die Streicheleinheiten ihrer Besitzerin Sina Eberhardt. die junge Autorin steht neben ihrer Stute und putzt sie. ein kalter Wind weht der Pferdenärrin und dem Sattler um die Nase. Er versteht sein Handwerk, auch wenn er den Beruf des Sattlers nicht von der Pike auf gelernt hat. Denn eigentlich arbeitete Michael Klaproth viele jahrzehntelang in der freien Wirtschaft - als Biochemiker. "Ich wollte irgendwann etwas anderes machen und habe mich für Pferd und Sättel entschieden. Anfangs habe ich noch Pferde und Reiter ausgebildet und oft erkennen müssen, dass die meisten die falsche Ausrüstung haben", sagt er. Jetzt fährt er mit seinem Transporter durch die Gegend - mehrere Sättel im Gepäck. Die unterschiedlichsten Größen und Varianten, Englisch, Spanisch oder Western. Nicht immer hat er alles dabei, aber mit allen Formen von Sätteln kennt er sich aus. Schon von Weitem reicht ein Blick und er erkennt, ob der Sattel von Qualität ist. Genauso an diesem Tag bei Catrin Henke auf dem Hof der Pferdeschule Liberté. Eigentlich streift der "Cowboy" durch Brandenburg oder Berlin, fährt eher nicht nach Mecklenburg hoch. Doch der Besuch bei Catrin Henke in Gnevsdorf ist ein Freundschaftsdienst. "Ich habe einen guten Sattler gesucht und Henning und Antje vom Andalusierhof haben mir Michael empfohlen", erklärt die Pferdetrainerin. Denn nicht nur Reiten sollte der Pferdenarr können, sondern sich auch mit dem passenden Rüstzeug auskennen. "Ein nicht-passender Sattel ist wie bei einem Menschen ein drückender Schuh", verdeutlicht der Brandenburger. "Hinzu kommt, dass kein Pferd der Welt geboren wurde, um uns auf seinem Rücken zu tragen. Ein Pferd sollte zunächst ausgewachsen sein und dann ausgebildet, bevor der Reiter anfängt, sich auf den Rücken zu schwingen." Immer wieder muss Michael Klaproth erkennen, dass vor allem das fehlt - leider nicht nur im Freizeitsport, sondern auch bei Profis. "Wie viele habe ich schon getroffen, professionelle Reiter, die nicht mal wussten, ob ihr Sattel richtig passt", sagt er.

Auf beiden Armen hält Sina Eberhardt einen ganz besonderen Sattel. "Das seh ich so schon, der passt nicht", ruft ihr Michael Klaproth entgegen. "Wirklich schlecht gearbeitet ist der Sattel nicht, aber zum Reiten ungeeignet", erklärt der Sattler. Die junge Reiterin verfrachtet das gute Stück wieder in ihren kleinen weißen Flitzer. "Dann bleibt er als Deko in der Wohnung stehen", ist Sina Eberhardts Urteil. Doch dieser sogenannte Blender, wie Michael Klap roth den Sattel nennt, war nicht der einzige Sattel, der durch seine Prüfung gehen musste. Ein geschultes Auge zeigt dem Brandenburger sofort, ob der Sattel für das jeweilige Pferd richtig ist. "Der hier muss so sitzen", sagt er und schiebt mit zwei Fingern den Sattel ein ganzes Stück höher. Mit Kreide macht er Kreuze auf der Innenseite und packt ihn in seinen Transporter: Einen Auftrag hat Michael Klaproth also sicher aus Mecklenburg mit nach Brandenburg genommen. Jetzt zieht der "Cowboy" wieder von dannen, fährt seine knapp 240 Kilometer zurück nach Dahmetal, in seine Heimat. Denn auch dort warten Kunden auf ihn, aber vor allem seine Pferde.

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