Lecker und Gesund : Chia und Alge erobern Backstube

Auch optisch macht das neue Algenbrot von Bäckermeister Hannes Behrens was her. Gesundmacher indes sind seine Chiabrötchen.
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Auch optisch macht das neue Algenbrot von Bäckermeister Hannes Behrens was her. Gesundmacher indes sind seine Chiabrötchen.

Das Experiment ist gelungen. Plaus junger Bäckermeister Hannes Behrens überraschte seine Kundschaft mit neuen gesunden Backkreationen.

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15. September 2015, 21:00 Uhr

Hannes Behrens hat es sich am Morgen in der  Kaffee-Ecke seines schon geöffneten Bäckerladens  gemütlich  gemacht. Keine Spur von den Anstrengungen der Nachtschicht, die der junge Mann hinter sich hat. Frisch geduscht ist er und guter Dinge. 

Seine gute Laune hat einen  guten Grund. Plaus junger  Bäckermeister hat in diesem Sommer ein Experiment gewagt. Eigentlich sogar  zwei. Und beide waren erfolgreich. „Ich habe angefangen, mit Algen und Chia-Samen zu backen“, erzählt Hannes Behrens. Er hatte  gehört, dass der Chia-Samen  durch seine Kombination aus hohem Gehalt an Omega-3-Fettsäuren,  Ballaststoffen und  Proteinen ein Gesundmacher  sei, da wollte er  von Anfang an dabei sein, auch seinen Kunden zuliebe. Dann belas sich der 29-Jährige, suchte nach einer Quelle, aus der er den Samen, den schon die Mayas und Azteken als Grundnahrungs- und Heilmittel nutzten, beziehen konnte. „Und dann habe ich mein eigenes Rezept  kreiert und quasi ein Vollkornbrötchen drumherumgebaut.“ Das Experiment verschlang einiges an Herzblut, Zeit und natürlich Teig, bis die Chia-Brötchen perfekt waren  und (guten Gewissens) in den Verkauf gehen konnten. „Wir wussten natürlich nicht, wie das neue Brötchen ankommen würde. Doch es lief vom ersten Tag an  so gut, dass wir mit dem Backen gar nicht hinterherkamen und schon nach zwei Wochen chiamäßig völlig auf dem Trockenen saß“, erinnert sich Hannes Behrens an den Verkaufsstart, der fast auf den Sommersaisonstart fiel. Auch das war  gewollt. Denn in den Sommermonaten drücken sich nicht nur die Plauer die Klinke des Behrens’schen Bäckerladens vor der 177 Jahre alten Backstube in die Hand. Im Sommer ist die Stadt auch voller Touristen. „Alle wollten unsere Chia-Brötchen  ausprobieren. Wir haben 450, manchmal sogar 500 Chiabrötchen in der Woche verkauft“,   freut sich der Bäcker, der diese Größenordnung so nicht erwartet hatte. „Für eine Backstube wie  unsere ist das viel, dafür schraubt man eine andere Sorte dann auch gern mal  zurück.“ Hannes und Seniorchef Harald Behrens  wissen, dass die Nachfrage   nach  der Saison  abklingen wird. Trotzdem:  Zirka 300 Brötchen auf Chiabasis  sollen im Sortiment bleiben. 

Das war in diesem Sommer um noch einen Exoten reicher geworden. Fast zur selben wie die Chiabrötchen brachte die Bäckerei Behrens auch  Algengebäck auf den Markt: Dinkelalgenbrötchen, Algenmeterbrote, sogar Algentoast. „Vom Restaurant ,Elde 4’  war man auf uns zugekommen und fragte an, ob wir Algenbrötchen für die Burger liefern könnten“, sagt Hannes Behrens. „Und  wir konnten.“ Die Meterbrote war die Behrens’sche Hommage an die Griller unter den Kunden.  

„Unsere Algen  beziehen  wir vom IGV Potsdam“, verrät Hannes Behrens kein Geheimnis. Das  Institut für Getreideverarbeitung ist Experte auf dem Gebiet der Biotechnologie mit Mikroalgen und Zulieferer nicht nur für kleine und große  Bäckereien, sondern u.a. auch für die Kosmetikindustrie. „Die Algen, die wir in unseren Produkten verbacken, haben natürlich nie ein Meer gesehen, sind nie im Bugwasser geschwommen“, lacht der junge Bäcker. 

Etwas eigenwilliger wenn nicht gar schwieriger ist die Verarbeitung des Lebensmittels. Solange die gemahlene Alge in der Verarbeitung ist, färbt  das Pulver alles  grün. An der Luft hat es aber die „Unart“, braun zu werden. „Das wussten wir natürlich am Anfang auch nicht“, erinnert sich Bäcker Behrens an das Lehrgeld der ersten Ofenladungen. Heute, einige Wochen und etliche Ofenladungen später, freut er sich, den Mut zu Neuem aufgebracht zu haben: „Es hätte auch schiefgehen können.“

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