Stadtwerke Lübz : Chefsessel bald neu besetzt

Stuhl bald neu besetzt: Geschäftsführer Karl-Heinz Dobbertin (r.) mit seinem Nachfolger Olaf Beck
Stuhl bald neu besetzt: Geschäftsführer Karl-Heinz Dobbertin (r.) mit seinem Nachfolger Olaf Beck

Olaf Beck ist ab 2. Januar Geschäftsführer der Stadtwerke Lübz GmbH. Sein Vorgänger Karl-Heinz Dobbertin geht nach 27 Jahren in den Ruhestand.

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13. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Ab dem 2. Januar nimmt Olaf Beck, bisher Planer bei den Stadtwerken und ingenieur-technischer Begleiter des Abwasserbetriebes, die Position von Stadtwerke-Geschäftsführer Karl-Heinz-Dobbertin ein. Dieser führt das Unternehmen seit dem 1. August 1991.

Kurz zuvor war damals in der Stadtvertretung der Beschluss gefallen, die in den 1950er-Jahren enteigneten Stadtwerke wiederzugründen. Sie waren bereits 1904 zum Zwecke der Stromversorgung entstanden, 1913 kam Trinkwasser hinzu. „Mit Lübz’ im Speckgürtel von Hamburg liegender Partnergemeinde Halstenbek gab es sofort eine Verbindung zu den Hamburger Gaswerken“, sagt Dobbertin. „Erdgas gab es bei uns auch schon vor 1991, aber nur mit geringem Heizwert aus Salzwedel, das ausschließlich Industriebetriebe wie die Brauerei, das Mineralwollewerk und die Getreidetrocknung bekamen.“

Im Herbst 1991 wurde die Leitung für hochwertiges Erdgas über die Elbe gebaut, das auch für Privathaushalte geeignet war: Startschuss für den Ausbau des Netzes auch in unserer Region. In dieser Zeit sei Dobbertin so wörtlich „Geschäftsführer, Bauleiter und Materialdisponent in einer Person“ gewesen. Als der Ingenieur und einstige „Bereichsleiter Wasserversorgung für die Kreise Parchim und Lübz“ davon gehört hatte, dass die Wasserversorgung in unserer Region kommunalisiert werden soll, beteiligte er sich an der Ausschreibung in Lübz und machte das Rennen.

1993 folgte die Übernahme der Wasserver- und Abwasserentsorgung vom Zweckverband, 1995 die vorher von der Norddeutschen Energieagentur sichergestellte Wärmeversorgung und zum 1. Juli des folgenden Jahres die Stromsparte von der Wemag. Für den Ausbau beziehungsweise die Sanierung wurde in den Folgejahren die gesamte Stadt umgegraben, wobei man immer versucht habe, Baumaßnahmen in Absprache mit der Stadt zu koordinieren. „Dies war letztlich aber nur möglich, wenn es auch bei uns finanziell ging“, so der langjährige Chef.

Beck ist gebürtiger Lübzer und studierte nach seiner Berufsausbildung mit Abitur zum Landmaschinenschlosser Kommunal- und Umweltverfahrenstechnik in Berlin. Das dafür zu leistende große Betriebspraktikum absolvierte er 1992 bei den Lübzer Stadtwerken, wo sich der heute 51-Jährige am Ende seines Studiums erneut erfolgreich bewarb. Dies wiederholte er, als Dobbertin ankündigte, nicht mehr arbeiten zu wollen: „Kein einfacher Schritt, denn die Verantwortung ist bald ungleich höher als vorher. Aber natürlich freue ich mich, zumal ich weiß, dass ich gute Kollegen habe.“ Der neue Geschäftsführer beabsichtige, die bisher verfolgte Linie nicht zu verlassen. „Warum sollte ich ein erfolgreiches Konzept umstoßen, wo wir als Partner für die Region anerkannt sind?“, sagt Beck. Unabhängig davon gelte es, auf gesellschaftliche und politische Veränderungen zu reagieren. „Vielleicht gibt es zum Beispiel durch eine neue Bundesregierung bald ganz andere Rahmenbedingungen“, wirft Dobbertin ein. „Ihnen muss man sich stellen. Ein Geschäftsführer agiert heute auch an der Börse, auch dieser Beruf hat sich verändert, ist komplizierter geworden.“ Das Unternehmen verdiene vor Ort sein Geld und besitze deshalb eine große gesellschaftliche Verantwortung. Ohne es zu gefährden, müsse man zum Beispiel Preise so niedrig wie möglich halten. Aktuell bedeutet dies: Zum 1. März wird der für Gas um 5,5 Prozent gesenkt, der für Strom und Wasser soll sich gegenüber 2017 nicht verändern.

Dobbertin musste viel dazulernen, war in der ersten Zeit wöchentlich an drei Tagen in Hamburg beziehungsweise Halstenbek und musste darüber hinaus den Betrieb in Lübz aufrechterhalten. Wochenende war ein Fremdwort, weil es galt, in dieser Zeit herumzufahren und Baustellen zu kontrollieren. Jetzt fängt der Mann, der sich unter anderem im Gewerbeverein und für den Förderverein der Feuerwehr engagierte, langsam damit an, seine ersten, besonders am Herzen liegenden Sachen zu packen. Er hätte sich durchaus vorstellen können, sein Amt noch einmal für weitere fünf Jahre auszuüben, aber das lasse die Gesundheit nicht zu. Gut zu wissen sei, das Erreichte in vernünftige Hände legen zu können. „Trotzdem ist das alles ein bisschen komisch“, sagt der 63-Jährige ruhig und scherzt dann: „Aber es gibt ja nicht den großen Knall und der Dobbertin ist nach Hause gebeamt.“

Der gebürtige Parchimer hat in den 1980er-Jahren in seiner Heimatstadt ein Haus gebaut und freut sich, künftig mehr Zeit für seine drei Kinder und drei Enkelkinder zu haben. Die Familie steht für ihn ganz oben.

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